Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 15. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 15.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5937946--2589-5372056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j btn Klage oder Erörterung zu Debatten zwischen den beiden groben Parteien — wenn wir die neue». Sesetzeupvarfe lesen, di: Verbesserung»- und BerschärfvWwsfchläge und di« versuche der Abwehr, so möchten, wir. sagsnr np die S* den, die Beweis^ Recht«a^ßführMe^ E^gt dochp einfach: 6'est In xuerrs! Im Kriege ruht da» Privatrecht und eesfiren tie Verträge. 3Rap liesett dem Feinde nicht Wqffen, nicht.MgNHjlVüI. 'nichts »jld, nichts B«d", glqzchvjrj, Wlchen Rechtsanspruch er darauf haben mag, man legt Beschlag darauf, hält e» fest. Da» Weitere mag sich später, nach dem Friedensschluffe finden. So sehen wir ferner jetzt nur zwei Partev-n, Heere, einander gegenüber stehen; e» ist im Kriege nicht ander» möglich, ein in sich gespaltene», nicht einmüthig dem Lommando gehorchende» Heer ist machtlos. So hat e» denn kZiSmarck in seiner kernigen und schlagenden Weise jüngst, ausgesprochen, unter dem jubelnden Beifall der einen, der stillen, aber vollen Zustimmung der andern Partei. Die Klerikalen sind einig, die Gegner derselben müssen e» sein, sie müffen jetzt alle Differenzen vertagen, sie dem einen KampfeSzirle unterordnen. Und man spricht von „Kampfgesetzen". Mit Specht; die fraglichen. Gesetze gehe« nichtau» einem Bedürfnis der RechtSentwickelungen hervor, sie sollen dem Kampfe dienen. Mittel zur Niederwerfung de» Feinde» sein; diejenigen, n elch« sonst stark auf die idealsten Forderungen de» Rechte» holten, sich schwer entschließen, etwa» von ihren Principien den Verhältniffen zu opfern, sie find jetzt dazu . bereit, sie müffer. Offen hat z. B. Birchow gesagt: wir konnten und dürft«! eigentlich Entschäoigung für Etolgebühren nicht bewilligen (es ist gegen Alles, was wir von jeher geforvert und beharuitet haben, hatte er hinzusetzen müffen), aber wir dürfen jetzt der Regierung keine Schwierigkeiten bereiten Wie wenn in> Kriege ein Führer einen Theil de» Heere» bedrängt sieht, er da ff nicht fragen, welch' großer Fehler da gemacht sei oder eben wieder gemacht werde, welche Dimensionen da» Treffen nun rehmen könne, er muß zu Hülfe eilen, e» koste, was es wolle. Es mag eine Gunst des Geschickes sein, wenn LaSker eben durch Krankheit verhindert ist, mitzustimmen; es gereicht ihm jU denkbar höchster Ehre, wen - dieser Tage ein Haupt der Klerikalen gesagt hat: „Wäre LaSker hier, so würde er gegen Ihr Gesetz sprechen" — er kann's nicht bestätigen, braucht es nicht zu widerlegen. So ist es denn natürlich, daß Männer von gar verschiedener und sonst entgegengesetzter Ansicht neben einander im Kampfe gegen die Mtramontanen stehen. Unvermeidlich ist es dann eben auch, daß gar viel Täuschung und Trug unterläuft. Im Kriege gilt auch List und Verstellung. Es sind nicht die Klerikalen allein, welche z. B. die Ihrigen täuschen und dadurch fanatisireu, daß sie ihnen vom gefangenen, auf Stroh liegenden Papste reden. Auch im Lager der Gegner suchen die jetzigen Kampfgenossen oft einander zu täuschen, denn die Ziele, die sie später erreichen wollen, sind gar verschieden. — Da i,l das Gesetz über die Civilehe. Die Ein«« haben danach gegriffen, wie nach einer Waffe im Kauipfe, ungern; der Kaiser selbst hat verlangt, daß es solle ausgesprochen und ins Gesetz ausgenommen werden, daß die kirchlich« Trauung nicht alterirt werde — die Andern tn demselben Lager hoffen er noch zu erleben, daß die kirchliche Trc.uung nur noch von einer verschwindenden Miubrität nachgesuch t werde. Dabei verfichern diese, daß sie nicht chara» denken, da» religiös« Leben im Volke schädigen zu wollen — Heuchelei und Verlogenheit! — je« fhgbtzA. versichert, da» religiöse Leben merh». keinen Schaden nehm« — Kurzsichtig - feit otzer auch Heuchelei. I« concreten. FW» müßten da nn dich« Gegensätze schach an einander geratistn, wie in dem ebe n erwähnten Falle der Ausnahme der Klausel über kirchliche Trauung in das ReichS-Eivilehegesetz, wie bei dpn Gesetz« ' über Etolgebühren, oder wie in. dem Falle de» Lehrer«» welcher sich nicht kirchlich trauen ließ. Man hat diese Differenzen vertagen müssen, vorläufig ist e» die radikale Partei, welche um de» Friedenim eigenen Lager willen in diesem Ectnflicte nachgeben muß. Und so wie di« Klerikalen die Ihrigen täuschen und fanatisiren, indem sie vorgebeu, der Kampf gelt« der Ausrottung de» KatholiciSmu», gewaltsamer Bekehrung zum Lutherthum, so täuschen umgekehrt die Radikalen, indem sie nicht Wort haben wollen, daß sie in der ' That nicht den infallibeln Papst, nicht die Jesuiten, sondern die Religion überhaupt bekämpfen, entweder die Lehre von Gott, Vorsehung, Geist ganz aus der Menschheit tilgen oder doch wenigsten» jede jetzt bestehende Religionsform und Got» te»ve«hrung hiuwegräumen wollen. DaS Alle» sollte nun wohl das Judenthum unniittelbar gar nicht berühren, aber eS geschah doch, und in den jüdischen Verhältnissen und an venselben spiegelt es sich wieder, und wir — haben die Folgen zu tragen. (Schluß folgt.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin, I. April. ES ist ohne Zweifel eine recht hübsche Sache uni die vielen populär-wissenschaftlichen Vorträge, welche heutzutage überall gehalten werden. Kommt die Wissenschaft dabei auch oft zu kurz, so liegt es um so näher, daß die Vortragenden dahin streben, daß ihrem Publikum wenigstens die Zeit nicht lang werde, und da bieten zeitgemäße, d. h. auf das neueste TageSereigniß und Tagesgespräch bezugnehmende Anspiegelungen, Randglossen und Witze ein besonders beliebtes Mittel, um trockenem Stoff etwas geistiges Fluidum beizuietzen. Das kann nun in feiner oder plumperer Weise geschehen; ist aber letzteres der Fall, so ist es eine Beleidigung der Zuhörer und der Wissenschaft zugleich. — Derartiges ist unlängst in Wien vor einem Publikum und von einem Gelehrten geschehen, von dem man eigentlich Anderes hätte erwarten sollen. Der Egyptologe Professor vr. Reinisch hat im.Wiener Ingenieur- und Architekten-Verein einen Vortrag über die socialen Zustände im allen Egypten „im 19. Jahrhundert vor Ehr." gehalten, der nach Zeitungsberichten durchweg aus Anspielungen auf Börse, Schwindel, Krach und dergl. und speciell auf den Prozeß Osenheim bestanden und weniger mit Alt-Egypten als mit Wien im März 1875 zu thun gehabt haben muß. Die Einzelnheiten gehören nicht hierher, wohl aber eine solche. Es heißt in dem Bericht der „Presse": Dr. Reinisch hob hervor, daß der echten Culturblüthe Egyptens bald eine Zeit der Korruption, des Sittenverfalles und der zügellosen Ausschweifung folgte. Den ersten Anstoß hierzu gaben die zahlreichen — semitischen, phünicischeu, jüdischen und arabischen — Kaufleute, die sich in Egypten niederließen und daS Rechtsbewußlsein und die strenge Ordnung des egyplischen Volkes durch i.,re GeschäftSusance« und durch ihre Sucht nach Gewinn erschütterten (Bewegung im Auditorium.) Es trat eine Berderbniß der Güten ei», welche der Schreiber des Leydener Papyrus ausführlich schil» - dert." — Phönizier, und Arabien find dem Wiener Publikum gleichgültig, aber die Semiten, das soll hier doch gleich Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.