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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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95h* ist aber bi» jetzt für die Waisenkinder Jerusalem'» g.'than worden? Nicht», gar nicht»! Und so treiben sich die Einen im verwahrloststen Zustande in de» Straßen herum, die Andern vrrkümmer» unter de» Mißhandlungeä fremder herzloser Leute. Fürwahr, man kan» sich kaum einen traurig« ren Eindruck denken, al» den, den diese kleinen unschuldig rn Geschöpfe, mit dem, Kainszeichen de« Elend» auf det kleköen Stirne, aüf den Menfcheitfremid machen. Seit wann v:rläßt denn J-rael seine Waisen? Ist e» nicht Ehrensache de» gelammten Judenthüm», sich dieser armen Würmer Jerusalem'» anzunehmen und sie zu braven, tüchtigen Leuten heranzuziehen, auf daß sie dem Judenthum dereinst zur Zierde gereiche,?! N cht allein da» Elend zu lindern, sondern auch diesem den Baden zu entziehen, ist Aufgabe der wahren Humanität, und diese ist, trotz dem historisch gewordenen Habe" in Israel, roch immer eine der edelsten Tugenden der Juden. Möge sie sich au» Pietät für da» heilige Land nun doppelt bewähr m. Sn merk. Im Interesse der heiligen Sache werden sämmtl che für da» Judenthum thätigen Organe aufgefordert, von obger Kundgebung Notiz zu nehmen und Sammlungen .zu dem gedachten Zwecke einzuleiten. (Anm. de» Eorresp.) Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Stettin, 3. März*). Wir erhalten ein Schreiben au» Berlin von hächst achtbarer, uuparteitscher und verläßlicher Seite, besten Inhalt wir kurz zusammensaffen. Rabbi Malta ist s. Z. al» Sendbote der Marokkaner Brmeiad« zu Jerusalem gereist, um für dieselbe Geld behuf» Erbauung von Armenhäusern zu sammeln. Angriffe gegen ihn sind nicht von seiner Gemeinde ausgegangen, sondern von d:n übrigen. Er wohnt nicht in dem „Armenhause", sondern hat seine eigene schön auSgestattete Wohnung und ist ein gut situirter Mann, der für sich weder Unterstützung brauck t, noch annimmt. Für feine jetzige Sendung stehen ihm die besten Zeugnisse zur Seite. (Wir hatten in einer Anmerkung zu der Corresp. „Berlin".in N». 6 gleich gesagt, daß, wie v'ir in englischen Blättern' gelesen hatten, die Angriffe gegen die persönliche Ehrbarkeit des R. Malta in London zu» rückgewiesen worden waren.) Der Hr. Corresp. spricht sich weiter dahin aus, daß die Aussendung von Sammelboten für solche speciel le Zwecke garnicht zu verwerfen und ganz ersprießlich sei, da nach Abzug aller Spesen und Provision doch noch immer viel mehr Geld erübrigt werde, als durch Auffcrderungen zum Einsenden von Gaben herbeizuschaffen sei. — Darüber läßt sich allerdings drbattiren; wir können e» dem Leser überlaffen, sich ein Urtheil zu bilden. — „Arch. J«r." veröffentlichen den vollständigen Wortlaut der beiden gegen die Wohllhäligkeitsvereine „Enfants de Japhet* und „Zorobabel* auf Klage der 1871 ausgestoßenen Deutschen ergangenen erst-instanzlichen Urtheile. Unser Hr. College in Magdeburg hatte den von ihm auS der „Magdrb. Zeit." entnommenen Bericht (Rr. 8) mit dem Ausdruck: des Zweifels begleitet. Die Sache ist jedoch vollstän- *) Schluß des Artikels im vor. Blatt« ia nächster Woche. — Ein ganz kleiner Druckfehler daselbst bedarf einer Berichtigung, mit er den Sinn eine« Satzes erheblich umgestaltet. S. 66 s Z. 4. v. u. im Tezle soll «<> heißen: „die jenen Anlaß gern ergrisien hatten, (nicht hätten.) Es Huben da« damals wirklich hundert Andere gethan, Frankel aber hat es niht gethan und hätte es auch näht gethan. Es ist ihm nicht in den s-ürn gekommen. big richtig. Da» Pariser Gericht, dem doch wohl Niemand Parteilichkeit für Deutsche zuschretben wirb, hat den Kläger» Schadenersatz zuerkannt und die Au»stoßun» ganz unmotivirt und ungerecht gesunden. Worauf sich nun J>i« angemeldete Appellation seitens der Gesellschaft stützen piag. wissen wir nLht und find natürlich nicht im Stande z» prüfen, ob da» Urtheil nach dem französischen Gesetze formell richtig, oder anfechtbar ist. Da» formelle Reiht kümmert un» auch in diesem Falle nicht. Wenn aber der fräzöflsche Gerichtshof lagt: „In Erwägung, daß die Gesellschaft von i»rael. Arbeitern zu dem Zwecke der Unterstützung kranker oder nothletdender Israeliten gegründet worden ist, (oder: zur Unterstützung von Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder mit je 100 Frc». und zur Beschaffung von Grabstätten, wie e» bei der andern Gesellschaft heißt) daß sie nur diesen menschenfreundlichen Zweck zu verfolgen und sich um andre Dinge nicht zu kümmer» hatte, daß sie lediglich um der Erinnerungen an de» Krieg willen im Jahre 1871 die deutschen Mitglieder au«gestoßen hat, daß dies« Autstoßung statutenmäßigwillkürlich und auch nationale Empfindlichkeit nicht gerechtfertigt ist" — so steht e» wohl nicht in Frage, a,:f welcher Seite da» materielle Recht oder Unrecht liegt. Die Mitglieder der Verein« scheinen den unteren Schichten der Gesellschaft anzugehüren, da» mag al» Entschuldigung gelte». Hr. Bloch aber, da» wiederholen wir, hätte sich ander», al» er gethan, über die Sache äußern sollen. Ist er den deutschen Juden so feindlich gesinnt, daß er selbst seinen eigenen Gerichtshof tadelt, wenn dieser jenen Recht zuspricht?! — „Haß verdirbt da» Urtheil," da» gllt auch von dem Herrn Redakteur d<» „Univ. JSr", deffenBlatt wir sonst mit so vielem Vergnügen lesen — solange er nicht auf Deutsche zu sprechen kommt. G. Nicht tum der Spree, 2. März. (Or Lorr.) -QT2 ’S OiT^r HT "itfK „Denn da», worin sie gefrrvelt haben, da» kommt über sie." Dieser Au»spruch de» midjanitischen Priester» kam un» in den Sinn, al» vir in der letzten Woche kurz nacheinander in der National-Zeitung zwei Annonsn begegneten, die den AuSbruch eine» argen Zwiespalt» innerhalb der „echten und alleinseligmachenden" Orthodoxie zu Berlin verrathen. Ihr Berliner Correspondent, welcher de« Verhältnissen näher steht, mag Ihnen über da» Thatsächliche genauer Bericht erstatten. Auden betreffenden Annoneen scheint Folgende» hervorzugehen. Die schon durch so viele Retorten getriebene orthod« xe Partei zu Berlin ist noch immer nicht destillirt genug, um nicht einen nochmaligen Scheidung»- prozeß an sich vollziehen zu lassen. Wenn sich nur bei diesem ewigen Kochen und Broden nicht am Ende gar der Geist verflüchtigt! Die erste Annonce gab der Welt davon Kunde, e» habe sich in Berlin eine neue orthodoxe Gemeinde gebildet, die den Namen „Kehal Israel" — ach nein! „JiSroel" — führe und dem Herrn vr. Lipschütz das „Oberrabbinat" übertragen habe. Wer die Unterrabbiner dieser Gemeinde sind, darüber wird uns vorläufig Nichts verrathen. Einige Tag« darauf zeigt „vr. Hildesheimer" an, die neukonstituirte Gemeinde „Kehal Jisroel" habe mit der unter seiner Leitung stehenden „Adas JiSroel" Nichts zu schaffen. Er mühte vielmehr die orthodoxen Juden der Hauptstadt davor warnen,' sich der neuen Gemeinde anzuschließen. da die letztere durch Zersplitterung der Kräfte nur geschwächt werden könne. Was Herr vr. Hildesheimer sich bei dieser „Erklärung" nur gedacht haben mag? Der Führer der Partei, die eS sich zur Aufgabe gemacht hat, die Einheit der Gemeinde zu zerreißen und eine Zersplitterung der Kräfte herbeizusühren, warnt vor Trennung und Zersplitterung. Warum soll denn Herr Lipschütz nicht „Oberrabbiner" der „Kehal JiSroel" fein, da doch Hr. Hildesheimer sich stet» Rabbiner der „Ada» JiSroel" hat au»- rufen lassen? Hat Herr Hildesheimer etwa je danach gefragt, . ob er durch fein« Wirksamkeit nicht auch eine Zersplitterung herbeiführe? Di« Herren von der „strikten Observanz", die

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