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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 71 — Feuilleton. D1 e M a u r t«. Ein« Erzthlung au» Spanten» 8ot|tit. (Fortsetzung.) „Nachdem ich, erzählte der Graf, ein Abendessen in der Locanda eingenommen und mich zur Ruhe gelegt hatte, ward Ich au» dem ersten Schlummer von den Stinimen mehrerer Männer geweckt, welch« unter meinem Fenster «ine laute Unterhaltung führten. Ich hörte mehrfach da» Wort „Altezza" und die Namen Don Gasparo und Juffuf Ben Äkba ««»sprechen und glaubte die Stimme de» Edelmann«» zu erkennen, mit welchem mich niein Unstern heute Morgen zusammen führt«. Ich erhob mich und blickte zum Gitterfenster hinan« in den Garten. Unten befindet sich ein« Veranda am Hause, deren Dach mich verhinderte, die Sprecher zu sehn, »eich« in einer starken Zecherei begriffen zu sein schienen. Bor allen andern war die Stimme Don Gasparo'» laut, und »ach seinem verworrenen Gespräch befand sich derselbe bereit» tn berauschendem Zustande. Die übrigen gehörten nack ihrer Uu»druck«weise den hohen Rängen an, und ich man, bald tnnr, daß da» Wort Altezza hier nicht in Scherz gebraucht werde. Unten zecht« kein Anderer, al» der Prinz von Asturien... „Rr habt Such nicht geirrt, edler Graf, erwiderte Muley Peretra. Zoorith hatte den Stnfall, Don Gasparo ju folgen, al» er zum zweiten Male hier war, um in Eurem Name» fünftausend Doudlonen zu verlangen." „Welche Schurkrret l rief Ddn Lut». Ich werde Madrid nicht »erlassen, bevor ich diesen Eienden zu weitern Bubenstreichen unfähig gemacht haben werde...". „Zoorith war Zeuge, daß Don Gasparo mit tem Jnfanten spielte, daß dieser ihm eine große Summe schuldig wurde und dann jene fünftausend Doudlonen dem Gnzman abborgt«. Sie hör)« ebenfall», daß Don Gasparo versprach, de« Prinzen eine Dam« in die Hände zu liefern, welche ihre» Gleichen nicht habe." „Der Unhold hatte Zoorith im Sinn«! antwortete Lojazar, im Innersten empört. Der Priuz von Asturien, sowohl al» sein Begleiter, schienen e» in der Veranda darauf angelegt zu haben, den Namen der Schönen zu erfahren, deren Reize Don Gasparo prie». E« begann «in schamloser Handel, welcher damit endigte, daß der Prinz versprach, de» Don Gasparo, sobald König Philipp III. todl sei, zum ersten Grand von Spanien zu erheben, wenn er sein Geheimniß offenbare. Gasparo nannte hierauf Zoorith'» Rainen und gestand, daß sich dieselbe unter einer unscheinbaren Verkleidung im Hause de» reichen Juden Juffuf verberge, woselbst auch einer der vornehmsten der von der Inquisition verfolgten Mauren, Du, Muley Pereira, eine Zuflucht gefunden habe. Der Prinz entschied, daß er auf alle Fäll« noch heute Rächt den Anblick seiner zukünftigen Beherrscherin genießen wolle. Sine tiefe Pause entstand. Der alte Juffuf verrichtete in höchster Herzensangst ein Gebet nach dem andern, indeß sein Oberkörper sich immer schneller vorwärt» und rückwärts bewegte. „Ich glaube nicht, daß ein bloße» verbrechen nützen kan«, sagte Graf Lojazar, denn unfehlbar wird sich der Jnfant nach einem ersten fehlgeschlagenen Sturme nicht überwunden bekennen. Rur schleunige Flucht kann retten. Du, Jusfuf, wirst sofort gute Pferde von einem Deiner Glauben»- Senoffen herschaffen, während Muley, da» junge Machen und h au« dem Thor zu entkommen suchen. Wir werden den Weg nach Alcala de Henarez einschlagen." Bisher hatte Zoorith, welche in der Scke de» Divan» kanerte, unbeweglich, mit gesenktem Haupte dageseffen. Jetzt aber stand sie auf, streckte die Hand au« und sah einen der Männer nach dem andern mit einem flammenden Blicke an. „Edler Graf, sagte sie mit sanftem, aber entschloffenem Ton«, Ihr überseht in Eurem mitleidigen Eifer, daß eine »ah« AuSficht auf Rettung, so wie solch« Euch erscheint, da» l entfernte verderben unfehlbar nach sich zt«ht. Der Infam wird nicht hieher kommen, unk, 'nachdem, er sich 'überzeugt hat, daß ich entronnen bin, ruhig den Heimweg zu suchen. Sr weiß, daß ich hier gewesen bin; er hat ohne Zweifel erfahren, wer ich bin und die, Ma«ke der Armuth «ad der Unbedeutendheit, welche selbst dt« Väter de« Jnqutfitton»gerichU> nicht zu lüften vermochten, schützt mich nicht länger. Dei: Prinz von Asturien wird, da seine blödsinnig« Neugier, sei«! niedrige Leidenschaftlichkeit erregt sind, Alle« ausbieten, un» meiner wieder habhaft zu «erden, und erreicht er, wie nicht zu zweifeln steht, seinen Willen, so bin ich sammt meine» Begleiter» verlorea. Aber entkäme ich wirtlich, so würde bat» schwerste Geschick unser« Sastfreund Juffuf Ben Alba treffen, den der Prinz für da» verbrechen Muley'» noch mehr al-» für da« meinigr verantwortlich machen würde. Selbst der König würde keine Gnade für den Juden haben, der e» wagte, den Blauten zu beherberge«, welcher fett drei Jahre» aller Schlauheit der Diener der Inquisition spottete, den Man»-, der von seinen unglücklichen Glaubeprgenoffen al» '«in Heiliger angesehn wird." „Deine Worte sind klüger, denn diejenigen von fitbrit Weisen, die da Sitten lehren I" murmelte der Jude. Ich werde verloren sein, wenn Dich der Blick Sötte» nicht erleucht« t und Dir einen Au»weg zeigt au» der mörderischen Falle, t» welcher wir gefangen sind." „Ich weroe uiich nicht verbergen, noch weniger entfliehen, fuhr Zoorith mit erhöhtem Tone fort. „Erscheint der Priuz von Asturien, so werde ich denselben mit Lächeln empfange» und mich nicht wetgern, dahin zu gehen, wohin er mich führe t will. Ich werbe, wo e» auch sei, so sicher sein, wie Judith im Lager de» Holoferne». Aber Muley mag sich verbergen und sobald al« möglich Madrid verlaffen. Da» Uebrige ftefit in Gotte» Hand." „0, rief Do« Lui«, indeß er tn großer Bewegung dl« Hand de» Mädchen» ergriff, hoffe nicht, daß Du dem Bec» derben an. Leib und Seele entrinnst, wenn Du Dich dev»« selben wehrlo» «ntgegenwirfst in der kindlichen Hoffnung, daß der Himmel Dich durch ein Wunder retten wird." „Er bedarf keiner Wunder, um mich der Gewalt de» Mächtigsten der Erde zu entziehen, sagte Zoorith ruhig. E» ist nur der Muth nothwendig, die Ehre mit dem Leben zu erkaufen." „Gut, erwiederte der Graf, der Augenblick, glorreich zu handeln, naht schleunig heran; denn e» hieße einen furchtbaren Jrrthum begehen, Dich dem Jnfanten zu überliefern und zu glauben, Du würdest später noch im Stande sein, Dir den Tod zu geben. Dieser Elende, welcher den Namen ein«:» spanischen Jnfanten tief in den Schmutz herabzieht, mag mit mit seinen Spießgesellen erscheinen: so verstchere ich, daß meine Degenspitze sein Herz, da» Herz meine» erbittertsten Feinde», zu finden weiß, der einst meine Verlobte mir entführte und die Gräfin von Alanco» zu der Elenden machte, welche Angisichl» von ganz Spanien zu sagen wagt: baß e« Keffer sei, tie Buhlerin eine» hohen Galan», al» elend verheirathet zu sein " Der Jude ergriff Zoorith'» Arm und flüsterte: „Sag1» ihm, daß er mich, daß er meine Töchter au» sein:« rachesüchligen Gedanken verloren hat! Wa» soll au» ntr und meinem Hause werden, wenn Don Lui» de Lojazar de« Prinzen von Asturien auf der Schwelle d«»selbe>» ersticht i" „Ihr habt gehört, Don Lui«, wa» unser Gastfreuad sagt! rief Zoorith. Möge e» fern von un» sei«, daß wir seine Menschlichkeit ihn mit seinem eigenen Blute bezahlen laffi-n. Nächst Gott bin ich selbst die Herrin über mein Leben und mein Geschick, und ich werde mit demselben frei sch alten, ohne daß der edle Don Lui» die Hand auSstrecken soll, um zu fragen: halt, wa» machst Du? Einst, al» mein Glück blühte wie di« Rosenbüsche im Hofe der Alhambra, da trat Don Lui» der Herr über mich, und ich würde mit Entzücke« mein Leben au« seiner Hand empfangen haben.. Heut« al»er weise ich sein Geschenk zurück, da» nur di« Qual verlängern würde, di« ich fett dem Tod« meine» Herzen» erlitte« habt!" (Forts, folgt.) W'A*'... .

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