Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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„Wer sind dt« Herren, dt« Luch btgUünt?" fragt« die Stimm« de» alten Juden. . „Fürchtet nicht»--«» sttzd die besten Lrvaltere, «yelche"«»^ tn Spanten geben kann.* „Ich fürchte st« ketne-weg-, denn da« königlich« Mandat ist mein Schutz. Ihr irrt Euch aber, wenn Ihr glaubt, daß «ner dieser Herren mit Euch hier eingelassen werden wird." „O, sie denken nicht dran, sich die Fußsohlen in Eurer Spelunke zu beschmutzen!" rtrs der Jnfant. „ObAeich sie sehr oft hier im Hause waren, um ihr« Finger und Tasche« durch meine Goldstücke zu verunreinigen!" erwiderte der Jude auf der Stell«. „Er hat mich an der Stimme erkannt; e» ist Zeit, daß wir m«S ein wenig bei Sette begeben!" murmelte der Prinz, tndeß er leise dem Don Gasparo befahl, sich nicht zu lange aufzuhalten. Don Gasparo ward eiugelasien und ward ist sdaffolh« Gemach geführt, welche» vor kurzer Zeit er mit Lon Lur» verlasien halte. Mulcy war noch anwesend; die Tochter der Maurenfürsten aber war nirgend zn erblicken. „Habt Ihr einen Auftrag von Don Lui»? Warum kommt er nicht selbst?" fragte Jusiuff Ben Akba. „Er ist beschämt, daß er gestehen muh, dennoch Eure Hülfe augenblicklich nothwendig zu haben, erwiderte Don Gasparo, indeß er dem Alten mit offenen» ruhigen Blick in das forschende Auge blickte. Der Freu»id, welcher für ihn heute Adeiüi sicher noch eine hinreichende Summe austreiben wollt«, kann erst in einigen Tagen zahlen, und Ihr selbst wißt am besten, daß Niemand ein größere» Interesse hat, Madrid sobald al» möglich zu verlasien, als eben der Graf von Lojazar." „Warum kommt Don Luinicht selbst? fragte der Maure finster. Der Grund, welchen Ihr für sein Nichtkommen angebt, ist eine» ttinde», aber nicht de» edlen Grafen von Lojazar würdig." „Sehr weife bemerkt! sagte Don Gasparo nachdrücklich. Ich würde ihn vielleicht bewogen haben, mit hierher zu kommen, wenn nicht jene Eaoaltere, welche mich hierher begleiteten, tn unfern Gasthos gekommen wären und durch ihr Erscheinen meinen Freund Don Lui» veranlaßt hätten, sich schleunigst auf sein Schlafzimmer zurückzuziehen. Der eine dieser hohen Herren ist Lojazar'S Todfeind." „Dann muß e» der Graf Jose von Torquedama sein," bemerkte Jusiuff Ben Akba. „Darüber habe ich kein« Auskunft zu geben. . . ." „Und ein Anderer, der den Grafen Lojazar nicht wenig haßt, ist Seine Hoheit der Jnfant Don Felipe selbst, welchrr Euch begleitete." „E« steht mir nicht zu, über einen Prinzen zu urtheilen, welcher mich ausgesucht hat, um mich zu seinem Ehrencavaliere zu ernennen! sagte Don Gasparo, indeß er den Juden mit tiefster Verachtung betrachtete. Unziemlich« Aeußerungen gegm den Jnfanten werde ich mit einem Dolchstiche beantworten ... . Welchen Bescheid gebt Ihr mir auf meine Botschaft?" Jusiuff Ben Akba wandte sich an Muley Pereira und sprach mir ihm einige Minuten auf Arabisch. „Die Sache scheint nicht klar zu sein!" bemerkte der Jude. „Einem Manne, dem die hohe Gerichtsbarkeit dm Untergang geschworen hat, könnm noch viele unklarere Eachm nothwendig werdm " „Ihr glaubt, daß der junge Mann hier kein Betrüger, kein adeliger Bmtelfchneider ist?" „Er wäre wmiger höflich, wmn er nicht gerechte Sache - hätte. Stellt ihn auf die Probe: laßt ihn fortgehen, ohne ihm Geld zu gebm, und wir werden sehen, ob ihm da» Geld oder der Freund die Hauptsache ist! entschied der alte Maure." (Forts, folgt.) Meyerbeer im Spaa. 8» war -n einem herrlichm Julimorgen, erzählt di« „Epoca", da nahm Meyrrdeer seinen Regenschirm, bestieg sei« Eselchen und rift au« — Niemand wußte wohin. Uebrigen» liebte er dt« rauhen, schattigen Wege jene« Spaziergang«», der noch heute seinen Namen führt. Da» gleichmäßige, gewiffermaßen rhytmische Murmeln de« Bächleins im Geröll«, da» Grollen der Ea«caden, die in ihrem Lauf« über erratische Blöcke hinabstürzlen, da» Rauschen der Bäume im Frieden der Natur, der muntere Gesang der Böglein im Gebüsch; alle» diese« zusammen bildete für ihn eine Harmonie, in der er dt« Themata zu jenen Lompositionen erfand, die ihn so berühmt gemacht. Seine tagtäglich wiederholten Spaziergänge im Schatte« de» Gebüsche» sind eine Widerlegung der Theorien Jener, die in der Sprache der Natur nicht» mehr erblicken wollen al» ei» wechsckvolle» Geräusch, kaum der Beachtung jener Thoren werth, die sich „Dichter" nennen. An jenem Tage aber war in Spaa weder Meyerbeer, noch sein Esel, noch auch sein Regenschirm zu sehen. Meyrrdeer, da« Eselchen und der Regenschirm pflegte» nämlich während de» NachmitlagSconcerte» eine Tour um de« stioSk der „Siebenuhr-Allee" zu machen. Die langen Beine de» Mästro baumelten fast bi» zur Erde hinab läng» der Flanken de» Thirre», welche» in regelmäßigem Schritte einherlrottete, während der Regenschirm den Taft dazu schlug M« ern Dirigentenstäbchen. E» war ein sonderbare» Schauspiel, aber di« Zuschauer lachten nicht darüber; e« genügte ihnen zu wiffen, daß der Reiter einen Namen trug, der bestimmt war, auf die Nachwelt sich zu vererben. Meyerbeer Nachmittag» oder Abend» nicht im Schatte« der hohen Bäume zu finden, war etwa« nicht Dagewesene». An jenein Tage aber war er thatsächlich nicht zu sehen. G» schlug S Uhr, di« Zeit seine» Mittag»mahl», immer Nicht«; e» ward Abend, noch immer Nicht«. Mast "fing ä« besorgt zu werden. E« war zu jener Zett, wo der Eomponist noch zu Pferd« auSritt, einige Male vorgekommen, daß sein Reitpferd ihn abwarf. E» geschah die» gewöhnlich, wenn er mit der Peitsche an de» Flanken de« armen Thiere« den Taft seiner niusikalischcit Gedanke» zu schlagen sich auschickte. Ru« ist e« allrrding« richtig, daß der Esel geduldiger ist al« da» Pferd; aber auch wiederum eigensinniger al« diese», und bei einem Reiter, wie er e» war, ließ sich nicht mit Bestimmtheit annehmen, daß die Geduld de» Langohr« sich stichhaltiger »eigen würbe al» sein Eigensinn. Doch endlich — e» war 10 Uhr Abend» — kommt er zurück, nach einer I4stündigen Abwesenheit, bleich und verstört. Der Esel sogar schien niedergeschlagen über die Leiden seine» Herrn, der sich erschöpft tn «ine» Stuhl warf. „Schnell einen Arzt," stammelte er, „ich sterbe." Zwei Minuten später eilte der Doctor herbei, fühlte ihn an den Pul» und besichtigte chm die Zunge. „Sie fühle«» sich unwohl?" «Herzlich unwohl." „Wie lange ist e» her, daß Sie nicht» zu sich genommen haben?" „Ich habe keinen Appetit, ich habe, glaube ich, seit g«- stern Abend nicht» gegeffen." Der Arzt fing an zu lachen: „Hier ist mein Rrcept: Zwei weiche Eier, ein halbe» vrüdchen und ein Gla» Bie:. Um Mitternacht werben Sie frühstücken. Und Ihr Esel «vor mit Ihnen?" „Ja — und hat auch nicht» zu effen bekommen." „So lassen Sie chm Futter geben." Diese Vergeßlichkeit erinnert an Newton, der, «vie erzählt wird, seine Ubr statt eine» Ei'» zum stochen stellte. Tag» darauf begann Meyerbeer mit seinem Esel urd Regenschirm tvleder um drei Uhr Nachmittag» wie gewöhnlich di« Tour von fünf Minuten um de» stioSk in der „Sieben- |]l