Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 31 — Feuilleton. Die Mauri«. Line Erzählung aut Spamen» Vorzeit. (Fortsetzung.) Don LutS nahm herzlichen Abschied von dem Mauren und seiner jungen Verbündeten, sowie von Juffuff Ben Akba, und verließ mit Don Gasparo da» Hau». We-halb lie. t Ihr Euch nicht ein regelmäßige» Abendessen auftischen, statt diese sonderbaren Verhandlungen mit den halb albernen Greise« zu führen? rief Don Guzmann. WeShalb nahmt Ihr um'» Himmelswillen nicht fünftausend Doublonen statt fünftausend Realen?" „Ich hätte nur die Hälfte verlangt, sagt« Don Lui» ruhig, wenn ich Euch die andere Hälfte nicht zu leihen gedacht hätte." Er übergab seinem Begleiter 2500 Realen. „Ich danke Euch, Don Lui», und ich will ein elender Hidalgo heißen, wenn ich Euch nicht binnen Jahresfrist mit reichen Zinsen bezahle. Aber, maldito, hättet Ihr Gold gewählt, so würde ich jetzt fünfundzwanzig hundert Doublonen in der Hand halten — Peste! Gebt mir au» Höflichkeit Euern Arm, damit ich aus dem Wege zu unserm Gasthofe nicht umfalle." Beide Cavaliere thaten, nachdem sie selbst ihre Pferde besorgt hatten, welche beschäftigt waren, tiefe Löcher in die Erde zu scharren, ihr Möglichste», un> die Zeit der Abstinenz in Vergessenheit zu bringen. Nach aufgehobenem Mahle fragte Don Gasparo: „Ihr werdet, edler Freund, jedenfalls dem alten Mauren Eure Ahschied-visite machen, bevor Ihr abreist?" „Rein, Don Gasparo. ES wäre sonst nicht unmöglich, daß ich den Tod de» alten Perez Pereira zu verantworten haben könnte." „Ihr saht da» Mädchen auf eine so sehr eigenthümliche Weise an; fuhr Don Gasparo fort, indeß er seinen freigebigen Gesellschafter fest in» Auge faßte. Ich hätte denken können, daß Ihr beschäftigt wart. Euch in diese Zoorith-Estrella von t'efstenl Herzen zu verlieben, und bei San Jldrphonso, an eigenthümlichem Reize fehlt e» diesem bräunlichen „Eorayon" nicht." „Ich Hab« mich nur bedacht, ob ich da» Mädchen nicht etwa in Lojazar bereit» gesehen halte;" erwiderte Don Lui» nicht ahne einen Anflug von Verlegenheit. „So ist also die Sache! Dieser unheimlich glühende Blick konnte am Ende auch auf Rechnung Eure» leeren Magen» kommen . . murmelte Don Gasparo, sich ein frische« Gla» Sekt einschenkend. Don Lui« ging bald zur Ruhe, denn er beabsichtigte, am andern Morgen früh nach Alcala de Henare» und Guadalaxara aufzubrechen, um sich nach Puerto de Fuenterabia zu begeben, wo er ein Schiff für die Niederlage zu finden hoffen durfte. Er ließ seine wechselvolle Lebenszeit noch einmal in Gedanken an sich vorübergehen und bedachte den Schritt, welchen er zu unternehmen im Begriffe stand. Er wäre am Morgen diese» Tage» noch mit den glücklichsten Empfindungen von Madrid abgeritten, und der Gedanke, Spanien zu verlassen, hätte seinem ruhigen, stolzen Herzen kaum mehr, al« einen Seufzer gekostet . . Jetzt aber war'» gleich einem neckischen Zauberer, daß er seine Gedanken nicht von der Tochter der Almohaden, jene» stolzen Herrschergeschlechtes, loszuretßen vermochte, welche» ganz Andalusien und Murcia einst sich im Fluge unterwarf, und nur der vereinten Macht der Könige von 'Leon, Aragon, Navarra und Eastilien zu Tolosa erlag. Hatte Don Gasparo wirklich da» Rechte getroffen, al» er sagt«, daß in Don Lui» Blicken der Ausdruck der Lieb« gelegen habe, al» derselbe Estrella betrachtet? Der Edelmann zog die Decke fest um sich und legte sich zur Veränderung auf die andere Seite seine» Körper», um zu versuchen, ob er nicht endlich eiaschlafen werde. Don Gasparo aber schlief ebenso wenig. Er war siPar nicht einmal zu Bette gegangen. Nach längerem Meditiren war er auf die Idee gerathen, daß es dringend erforderlich fei, dem alten Mulep Pereira einen nochmaligen Besuch abzustatten. Er begab sich daher auf den Weg nach dem Judenviertel. Es war eine ungewöhnlich finstere Rächt. Der Sturm hatte sich aufgemacht und trieb Gewitterwolken über die Stadt dahin. Man sah nur einzelne Lichter aus den Straßen: die Laternen der Nachtwächter, welche langsam mü ihren wohlgeschliffenen, ungeheuren Partisanen in der Hand einherwandeltcn. „He! wer geht da? rief einer dieser Söhne de» Erebu»," als Don Gasparo ihm auf etwa zehn Schritt nahe gekommen war. „Wer frägt da?" rief der Edelmann, indeß er die Hand an da» Gesäß seine» Rappier» legte. „Antwortet Ihr nicht, so werfe ich Euch meine Lanze durch die Rippen, kraft meine» Amte»!" „Ihr werdet nicht so unhöflich fein, Compadre," erwiderte Don Gaspare, al» er den Mann ausholen sah, als wäre er einer der griechischen Helden vor Troja. „Weshalb tragt Ar keine Laterne, wie solche» die heilige Hermandad streng vorgeschrieben hat?" ftagte der Nachtwächter. „Laß Deinen vermaledeiten Spieß herunter!" rief Don Gasparo. Bor einer Stunde hätte ich für mein Leben allerdings keinen Maravedi gegeben; aber jetzt kann ich Dir sagen, Compadre, daß ich zehn Realen zahle, um zuerst einen Riß in der Haut und daun eine Wiederholung eine» solchen Angriffs zu vermeiden, wie Du solchen auf mich riskirtest." „Wo ist das Geld, das mir Eure Gnaden geben wollen?" „Hier, Du schandbarer Perro (Hund), hier sind die zehn Realen. Und jetzt wirst Du mit Deiner Laterne vor mir hergehen, wie sich solches gebührt, und mir nach dem Hause des Jiwen Juffuf Ben Akba Ben David leuchten. Vorwärts!" -„Ich darf mein mir angewiesenes Stadtquartter nicht verlassen," erwiderte der Nachtwächter. Don Gasparo hatte die Waffe des Wächters mit der linken Hand erfaßt und zog mit der rechten seinen Degen. „Dann giebst Du mir mein Geld zurück," rief der Edelmann entschlossen, oder trittst mir Deine Laterne ab!" „Und wenn Eure Herrlichkeit auch der Jnfant Don Felipe wären, wir Ihr es nicht seid, so werde ich eher sterben, al» gehorchen!" rief der Wächter. Inzwischen waren vier Herren herbeigekommen, welch« nach ihrer Kleidung zu urtheilen, den höchsten Rängen angehörten. Der eine der Ankömmlinge trat vor und betrachtete, während er sich vorbeugte, da» Gesicht Don Gasparo'S mit großer Aufmerksamkeit. DieS war ein langer sehr schlanker Mensch mit blassem Gesicht und spärlichem Bart, welcher mit sehr scharfklingder befehlender Stimme fragte: „Wer ist es, der hier den Namen Seiner Hoheit de» In fanlen Don Felipe schreit?" „Ich bin'» gewesen, erwiderte der Nachtwächter, welcher noch immer vergeben» versuchte, seinen Spieß aus Don tziasparo's Händen loszumachen. „Du, Juan, sagte der Fremde zu einem seiner Begleiter, sei so gefällig und miß disem Lepero ein halbes Dutzend Hiebe auf, damit er nicht wieder in die Versuchung komme, den Infamen mit seinm Angelegenheiten in Verbindung zu bringen." Der eine der Herren zog seinen Degen, packte den Nachtwächter beim Kragen und applicirte ihm mit der flachen Klinge so wirksame Streiche, daß der arme Mann kreischte wie ein Schwein, das bei den Ohren zur Schlachtbank gezerrt wird. (Fortsetzung folgt.)