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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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15 — |n rriftnt vermag? Dann erlaubt mir, Such zu verlassen.' Ach gedenke, meine geädnen Sporen zu verkaufen, denn am Hnde'zviü ich viel lieber al» ein eleifder Hidalgo lebe» und essen, chrn« al« ei» Titulado mit Goldsporen verhau,,er». Wollt Ihr den Mann suchen, welcher Euch Geld geben wird?" .Ich bin eben zuni drillen Mal au» dem Thore gegangen, um meinen Mann zu sehe», erwiderte Don Lui» ruhig. Uebrigrn» kann ich, wa» Ihr eben nl» Euere Maxime aufstellt, daß c» bester wäre ohne Ehre zu leben, al» mit Ehre zu sterbe», nicht al» Eure wahre Meinung betrachten." „Dann ist e» «eulstslep» dte Meinung m,ig»S Ragen». Don Lui« .... Der Geldspendrr, denn da» ist die Hauptsache, hat vielleicht versprochen, Euch etwa hier oder in der Näh« zu erwarten?" .Sehr richtig, Don Gasparo." „Aber an welchem Fleck denn? Kan» er nicht schon lange äewartet, der Sache überdrüssig geworden sein und sich auf dcü Heiniweg gemacht haben?" „Rein! sagte Don Lni«. Daß Muley — ich wollte sage» Perez Pereira seil drei Tagen nicht am Thor von Alpeia war, wie er versprochen, muß liefere Gründe haben. Heute ist der letzte Tag seine» mit mir verabredeten Zusammentreffen« .... Kehre» wir nm. vielleicht treffen wir meinen Freund." Don Lui« konnte kaum seiueui Gefährte» folgen, welcher mit großen Schritten über den unebenen steinigen Boden dahinschritl. Atbemlo» stand Gasparo vor dem Thore still und blickte sich i» der einbrechende» Dunkelheit nach allen Seiten um. Aber nirgend» war eine Gestalt zu erspähen, welche in der Rähe de« Thorr« stillstand und den Anschein hatte, al» erwarte sie Jeniand. Al» Don Lni» herangekommen war, blickte auch er scharf umher nnd sah den Begleiter mit bedenklicher Miene an „Sie werden ihn erkannt nnd gepackt habe», niurmelte er. Oder er fürchtet sich zil sehr, al» daß er nicht die späteste Stunde wählen sollte, uu> an» Thor zu komnien. Wir müstrn später noch einmal wieder kommen." „Ist er denn ein Dieb oder ein Mörder? fragte Don Gasparo, indeß er äch end und mit einem schmerzlichen Ausdruck seiner Züge den Degengurt so fest anzog, daß seine Taille schlank zum Umspannen wurde. . „vielleicht noch Schlimmere», al» da» ." „Dann ist er einer der Familiär-», der Angeber der Inquisition!" „Rein, aber einer der von den Spürhunden de» geist- . lichrn Gericht» Verfolgten " „Da. Eompaore, entschied Don Gasparo, da wird er seine Haut mehr al« den Grafen Don Lni» de Lojazar lieben nnd wei»lich i» seinem Verst cke bleiben" Beide schritten auf du» Thor zu, al» sie sich von einer melodisch klingenden Stimme angerufen hörten: Vulieatso Caballeros) Tapfre Kavaliere! Werdet Ihr vergesten. Eure Damen mit Blumen zu beschenken? Aus einem der weit hervorragenden Granitblücke, welche da» Grundgemäuer de« Thor« bildeten, saß rin reizende» Mädchen, welche den Zipfel de» bunten Teppich», den sie al» eine Art von Eapa über die linke Schulter geschlagen hatte, mit beiden Händen auSbreilete und ihre Blumen präfenlirle. Da» Mädchen trug ein hellfarbige» Tuch turbanähnlich um ihren Kopf geschlungen; eine volle Rose zierte diesen Kopfputz. Glänzende« schwarze» Haar zeigte sich unter dem Turban »ndfiel in dichten, halbauf gebundenen Flechten auf den Nacken hinab. Der Genchl«schnitt der Blumenverkäuferin, da» flammende nnd dennoch fast ntelancholijch blickende Äuge, da» . Borwalten eine» bräunlichen Tone», welcher unter der Haut C schimmern schien, deuteten auf da» Volk hin, besten Ängerige der Eastilier und der BiScayrr von reinem allchrist- >,Uchen Blut auf Sehweite schon mit Sicherheit erkannte. Die Btumenvertäuferin war eine Maurin; aber sicherlich, da sie f« wagte, sich txn Blicken von halb Madrid so ohne Scheu auSzusetzen, eine in aller Form "Rechten» von den Dominicanern eigenhändig gekästste Maurin. „Kaust meine Rosen, Don Loui« de Lojazar;" sagte da« Mädchen lächelnd. „Du kennst mich? fragte der Edelmann. Wer bist Du?" „Folgt mir und Ihr werdet es sehen; flüsterte da» Mädchen. Aber Don Lui«, Ihr werdet in einer gewissen Entfernung hinter mir gehen, — da» ist da» Wort, welche» mir anbesohlen wurde." Don Lui» sah mit nicht geringer Verwunderung und mst ei»er Miene, al« besinne er ffch Myptyjd^’roo er die» Mädchen früher schon.pesehey haben könne, dasselbe an, al» sie mit heitern, Blick me ivenigeu Blumen, ivelche sie noch besaß, aus die Erde warf, «en Teppich fest um den ObeKürper zog und mit rasche» Schritten von der großen Straße ab in da» Labyrinth von Gaffen und Gäßchen sich vertiefte, da» sich zwischen der Straße von Valencia nud Toledo ou»« breitet. Da» Mädchen halte den Stadttheil betreten, wo vorzugsweise die jüdisch« Bevölkerung von Madrid wohnte. Bor den von dem geistlichen Gericht »»«gehenden Bersolgungeu war die Mehrzahl der ObelchünsttSr ber 'gr^n?flgen Eibischen Handel-Häuser nach England geflohen, und die Auswanderung der übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeind« Madrid» stand btDor, al» der eben so schwach« at» launische und eigensinnige Philipp IV. plötzlich die Wichtigkeit der Handel-thätigkeit der früher mit äußerster Toleranz behandelten Inden gegen die Dominicaner geltend machte und mit unbesieglicher Harinäcklgkeit seinen Willen durchsetzte, daß die Hebräer in Ruhe zu lasten seien, da sie an „eben denselben Gott glaubten", wogegen die rechtgläubigen Väter sich vielmehr die Ausrottung de» maurischen TeuselSglenben» angelegen sein laste» sollten. Der Edelmann begriff, au» welcher Ursache Maure» im Judenquartier eine Zuflucht gesucht hatte». Bor einem der aus der Straßenseite nur von wenigen klein.» vergitterte» Fenstern durchbrochenen Häuser stand die Blumenverkäuserin still nnd pocht» jutt ^tzmn in gemeffenen Zwischenräumen an Oie stark mit Eisen beschlagene schmale Pforte de» Hause« an. Ein alter Jude mit den rhrfurchtgebietenden Zügen und dem Bart eine» Patriarchen stand in der Thür und bückte sich vor seinen beide» Gästen. Die Edelleule traten ein und wurden durch einen langen, schmalen und durchaus finstern Gang gesühn. bevor sie in ein kleine» aber mit allem Luxu« de» Orient» ausgestattele» Gemach traten, wo ein hochgewachfcner, alter Mann die Fremden empfing. Da» Gesicht de» Alken war leichenblaß; seine Äugen aber hatten ihren vollen, obwohl düster» Glanz bewahrt, und Haar unv Barl hatten von ihrer Schwärze nicht» verloren. Er trug den Kaftan eine» Juden „Muley Pereiia! rief Don Lui«, indeß er dem Alten bewegt die Hand reichte. Du weilst noch immer aus spanischcm Boden nud gi>bst Deinen selbstmörderischen Vorsatz nicht auf, gegen die allnlächtige Priesterschaft anzukämpfen, statt Deine» Kinde»- und KindeStiudrrn nach Teluan zu solgenund Dein Leben in Ruhe zu beschließen?" „Edler Herr Gras von Lojazar! Der Gott, welcher Gott war und sein wird in Ewigkeit, segne Euch, mein Herr und Gebieter! Wie sollte ich nnch durch die LuSsicht auf Ruhe, die ich bald im Tod« ohne Äufhören genießen werde, deweger lasten, meiner Pflicht UBU«u,)M> wurden und von meinem Posten zu weiche»? Wie kann sich der Hirte retten wollen, wenn noch Tausende seiner Schaf« au» den Rachen der Wölfe zu befreien sind?Wie kann ich von Spanien scheiden, ohne mit meinen Äugen die Ueberzeugung gewonnen z» haben, daß Ihr, der Ihr mit eigner Lebensgefahr mich alldem Kerker zu Eordova befreitet, um bald daraus statt «einer in ineine Marterzelle eingesperrt zu werden, au«gestaltet, wie e» Eurem hohen Range gebührt, 'steseu Boden verlaffen habt, der zu vieler Eurer Feind« trägt, al» daß Ihr hoffen dürstet, denselben zu entgehen? (Fortsetzung folgt.)

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