Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 49. 1874. z,«s»lrjlrsch- 5. Jahrgang. Wochen-Zchrift für die religiösen und soeialm Jntereffen des Judenthums. VAchenti. I—I* , Vogen. Preis tnd. ,jtd. fiit<r«turbl.*Mt/j Sgr. viertelfAHrl. bei allen Poftämter« n. vnchtzanblnngea. vireete Znsenbnag: in Deutschland in Mark, nach Oesterreich e st, n. Frankreich I« Fred., n. IwriU Iij% Dost, jährl pränumerando. i t»a::u:.s»l!»-.!.»: .r'.k»-.lklvt.r u::5 .»vr.lu-'.t'.» Raddincr I»r. .X. Lreuentels m 3tettiu. - - — Inserate werden mit 3 Dgr. für die dreigespaltene Vetitreile pber de«en Raum berechnet. Bet Siedertzoluntzen Rabatt. — Die bis Vonntag irllb bet der Etzpebtrton ln Rlagdeburg eintreffe,,den finden in der nächste« Nummer Ausnahme. Orpebttt»» der Jsr. »ocheaschrlst tu Atagdeburg Magdeburg, ». December -ür den Buchhandel: Robert -riese in Leipzig. I_ _ Inhalt: Leitend« Artikel» Der Kampf um die Frikdböse. II. — ««richte »n» <korrefp»n»en,enr Deutschland: Stettin. Magdeburg. Köln. Franksurt. Au« Württemberg. — Oesterreich: «US Böhmen — Bumönie»: Fokschan. — Grodbritan. nten: Liverpool. — Dänemark: Kopenhagen — Nord, merita: Rewyork. — Vernlischte ttttS neueste Nachrichtenr Berlin Oldenburg. Leipzig. Bon der Röhn. Guhra». (ließen. Colmar. Olmütz. Sl. Gallen. Bußlana. — Aeutlletan r Esterla Beginn. — j,» «tzannLa. — Inserate. Der Kampf um die -riedhöfe. n.*) Ueber da» Thatsächliche der Wiener Friedhofsangelegen heit ist in Nr. 45 berichtet; wir fassen eS hier kurz zns^mmen und tragen dabei den seitdem erfolgten Abschluß nach. Die Stadlgemeind« Wien legt einen Cenlralfriedhof an. der sür alle Verstorbene ohne Unterschied deS Glaubens bestimmt sein soll. Während über diesen Punkt Eliiverständniß herrscht, wird darüber gestritten, ob man den Friedhos für die verschiedenen ReligionSparlcien in gesonderle Ablheiiungen bringen, oder uiigetheiil belasten und alle Leichen nach der Reihe beerdigen, ferner ob er durch Geistliche geweiht werden solle oder nicht. Der katholische KleruS, Eardiual Rauscher, hielt sich mährend dieser DiScussion ziemlich zurückgezogen; di« jüdische Gemeinde wünschte ein abgelheilleS Slück des KriedhofS zu erhalle», und ihre Repräsentanz wurde mit dem Magistrat dabin einig, baß ibr gegen Zahlung von 60,000 fl. ein Areal von 30 Joch abgezweigt werbe. Hieraus rescribirte die Slatlhallerci einfach au kdtsülsterzbischöfllche Ordinariat: nachdem die Israeliten ihren separaten Antheit erhalten haben, die beiden evangelischen Gemeinden aber vorläufig noch ihre eigenen Kirchhöfe besitzen und weiter bcnutzeil «ollen und können, so wirb faktisch der ganzeEentralsriedhof, abzüglich deS Israeliten - AntheilS u»r für Beerdigung von Katholiken benutz: werden; es ist daher die beanltagle Ausscheidung einer Abtheiinng für Katholikea überflüssig geworden, indem der ganze Rest ihnen von selbst zufällt; baS Ordinariat „löge also diese» Rest baldigst einwciheu, damit er in Gebrauch genommen werden könne. — Der Magistrat erhielt von diesem Erlaß lediglich Abschrift; der Kirchhof wurde schteunigst nach katholischem Ritu» geweiht, versteht sich mit Ausschluß de» JSraelilen - AntheilS. und damit ist die Sache erledigt und abgethan. Die katholische Kirche ) S. Rr. 47. Im v»r. Bl (4«) ist ein in einem wichtigen Satze »nt Sinn gerade umiehrender, mit Fetischrist gedruckter Fehler |u »erbessern. <tt soll S. 396 oben Heiden, daß >n diesem Iadre viel Weniger russ. jü» Jüngtinge hier durchpaffirr sm». -- Buch ist da« Poren- I thesenzeichen vor dem Satz« ,u streichen.! hat Besitz ergriffen; daß sie den von ihr geweihten Kirch' hos wieder herausgeben und dem Magistrat zur Verfüguig stellen werbe, daß sie in Oesterreich so macht- und einstußloS geworden sei, um eine derartige Expropriation über sich ergehen lasten zu utüffen, daS glaubt wohl Niemand. — Sownl die offizielle„ Thatjachen, abgesehen von den Verhandlnngen und Debatten in der städtische» Berlrelnn.i, in BoltSversammlungen und Zeitungen Die ganze liberale Partei ist über diesen AuSgang ungehalten, ja erbittert, und die Schale der zornigen Vorwürfe ergießt sich über die Juden. Allerdings, dem Anscheine, dem äußerlichen Ziljawinenhailge der Dinge, dem post hoc er$o propter hoc zusclge hatten Die Juden bas Streben der liberalen Partei durchkreuzt, den Sieg dekatholischen Klern» unvermeidlich gemacht, also diesem „die Kastanien auS dem Feuer geholt.' Es war ja unmögltch, den Katholiken einen abgesonderten Friedhof zu verweigern, nachdeiil man den Jude» eincn solchen gewährt hatte. Freilich hatten diese ihre Parzelle besonderbezahlt, aber die Volksoersantmlung erividertc: „War? weil oie Katholiken im Verhäliniß zu ihrer Zahl weniger Geld haben, al» dir Jildeil, sollen sie nicht in geweiheler Erde ruhe» dürfen? Die Inden sollen ihr Recht haben, weil sie bezahlen könne», wir nicht, weil wir arm sind?" E» nützt nicht» hierauf zu antworten: Die Jude» sind nicht reich, die Katholiken nicht arm; umgekehrt, die jüd. Gemeinden besitzen nichts, als was ihre Mitglieder aufbringeu, wahrend die kathol. Kirche, nameittlich in Oesterreich, unermeßliche Güter und Kapitalien besitzt; und eS kommt gar nicht darauf au, daß der einzelne Katholik zahlungsfähig fei, sondern daß die Gesammtheit bezahle, damit der Arme begraben werden könne, wie eS bei den Juden in Wien und an allen Orlen geschieht — eS genügt, die» hier erwähnt zu haben. Wir fragen zunächst, waS denn geschehen wäre, wenn die Juden nicht vorgegangen wären uno bezahlt hätten. Die Katholiken wollen und sollen bekanntlich in geweiheter Erde rnhn. Ob die» nach der talholische Religionslehre unerläßlich, toiumt hier ebensowenig in Betracht, me