Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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5. Jahrgang M 48. 1874. Wochen-Schrift Nr die religiösen und fotialen Interessen des Jndeuthnms. j>kia!»wo.»ichcr R.daklrur u:il> . aiisgrdcr :Wal>bi«cr Ür. A. Lreueufels in Stettin. — — Magdeburg, 26. November. Nöchenll. I—t»/t Bvfe». Preis IwxL .jüd. Literatur bL.' Mi;f »ft. viertel. iSbrl. bei aleu Pofrä nteru n. Buchharckluugeu. Leerte Auseubung: iu Devtschland 10 Mart, «uch v«»erreich « p . u Frankreich 1« Freß., n. >»rrita t*j D»U. jLtzrl. »rLmnuerauv». Expeditt»» der I4r. Docheuschrtft tu Magbeburg Inserate? «erde» «it t 6fr. ffir die vreifespalte« | PeettzeUe »der der«» Na»« derechuet. V» Wiererholuage» Rabatt. — Die bt4 6m«U| fiüb bet der •tPtbitU» i» Magdeburg et»« treffe» den st »de» i» der nächsten N»«»er >»f»atz»e. Fßr de» Buchhandel: Rädert Friese t» Leipzig. In Kalt: Seite»»« El «titelt 1. Dir Juden und der Uebertritt ,ur evangelischen Kirche in Preußen. U Die Eivilehe und die jüdische Dr«umg betreffend. — Berichte tttt» tk«eeesp«n»en,enr Deutlchlan«: «rcsla». Beuchen. Kokchmin. »erl. Württemb.rg. — Frankreich: Pari». — Großbritannien. London. — Rußland: Petersburg. Petersburg. — veemifchie ««» «eteeste Nach» eicht«», Verl«. Lolmar. Hamburg »ien. Seinberg Fiinfkirche». London, vreingartrn — Ae«ill«i»»r Ssterka Regina. — Jnfevst«. Die Juden «nd der Uebertritt zur evangelischen Kirche in Preußen. Bon I)r. Soldschmidt, Rabbiner in üolbrrg. Die Zeitungen brachten jüngst einen amtlichen Nachweis der im Jahre I87S erfolgten Uebertritie zur evangelischen Kirche in den altländischc» Provinzen Preußen». An der Spitz« dieser Liste wird natürlich da» Paraderoß vorgesührt: dt« Juden eröffnen den Reigen! Da wird denn berichtet, daß im Jahre 1873 in de» 8 altländischen preußisch»,, Provinzen in der evangelischeu Landeskirche 90 erwachsene Jude» »nd 1838 jüdische Kinder getauft worden seien. Scho», da? in der evangelische» Kirche in Allpreuße» allein 90 erwachseu« Juden stch haben tauten lassen, giebt viel z» denken. Doch mag man sich hier de» Gedanken» trösten, daß die Zabl 90 gegenüber den A n st r e u g u n q e n der Kirche, die Juden zu bekehren, immerhin noch eine sebr niedrige ist. Und dann handelt e« sich hier doch um Erwachsene, von denen ja vielleicht ein Theil au- Urberzengung und der g rö ßl e Tbeil au« menschlicher Berechnung und Leidenschaft der Kirche zugeführt wurde. Ander» aber verhält e» sich mit den 1338 getauften jüdischen Kindern. Hier macht die iinmen» hohe Ziffer ebenso stutzig, wie die Thatsache. daß jüdische Eltern ihre Kinder taufen lassen. Freilich stecken unter diesen 1338 auch die unehelichen Kinder von jüdischen Muttern; offenbar find aber deren nur sehr wenige, und die nieisten von ihnen haben jüdische Eltern, die noch in ihrent Glauben verbarren, während sie chre Kinder raufen ließen. Eine solche Handlung zeugt von einer schrecklichen Gleichgültigkeit, nicht bloß gegen die ihnen angeborene, sondern gegen Religion überhaupt. Denn, ließen je»« jüdischen Eltern chre Kinder au» Gewiffen»- überzeugung taufen, warum, so muß man frage», warum wechseln sie denn nicht auch selbst den Glauben? Sicherlich ist diesen bedauern-werthen Menschen die Religion nicht» medr al» ein Gewand, da» man ja nach Belieben au»- oder anzieht. Sich selbst niöebte» sie au» Bequemlichkeit den Glaubeiiswechfel ersparen, sie sind einmal von Geburt an in chren Glau- > de» Hinringewachsen, sie haben sich an chn gewöhnt, «le man > sich an eine» alten Rock gewöhnt, und sind nun zu al», am sich einen neuen machen zu lassen und noch in ihn hineinzugewöhiirii. Ihre Kinder aber, ja da» ist eine andere Sache' Für sie paßt der alt« unmoderne, der Geschmacksrichtung der Zeit nicht mehr angemessene Rock nicht mehr; die Kinder müssen die Mod« niitmachen! Wozu den arme» Kindern mit dem angeborenen Glauben einen unmodernen und unbequenen Rock ans den Weg mitgeben? Lieber denn sofort hinein in die ihnen alle Wege der Bequemlichkeit, Annehmlichkeit rnd bürgerlichen Nützlichkeit öffnende Landerkirche! Daß e» zu allen Zeiten solche Käuze gegeben haben mag, kann sicherlich nicht geläugnet werden (?), höchst bedenklich und für unsere Zeit charakteristisch ist nur die für Preußen so »ngeheure Zahl von 1338 getauften jüdischen Kindern. Doch kann der Barwurf einer kleinen Perfidie gegen da» Judenthum jene,« arttlichen Nachweis nicht erjpan bleibe». Denn während dieser Nachweis de, den übrigen Religioil-genoffenschafte» nicht ot ne Grund zwijchen Kinder» au« Mischehen und solchen, deren beide Eltern einem anderen Bekenntniß angehören, recht w>hl unterscheisel; ja während er sogar bei den Mischehen diejeainigen besonder» r'ubrizirt, deren Bater oder deren Mutter xr Landeskirche angehört: — wird bei den Inden Alle» in einen Topf zuiammengeworfen und einfach berichlel, daß IS38 jüdische Kinder gelaust worden seien. Bekanntlich giebt e» a oer seit 1848 auch bei den Juden Mischehen zwischen Juden und Ehnsten, und sicherlich steckt unter den getauften jüdi,chen Kinder» auch ein starker, um nicht zu sagen überwiegender, Prozentsatz solcher, die au» solchen Mischehen. von denen ein Theil der Landeskirche bereit» angehört, hervorgeg.iugen stad Nichtsdestoweniger bleibt noch genug übrig, um über untere in religlösen Dinge» so gedankenlose Zeit bedenklich da» tzar.pl zu schütteln. E» ist ein Symptom, daß „etwa« faul sei im Staate Dänemark" — und fast ist unsere Z it schlimmer daran al» eine TBV.I F)W. — Interessant ist noch, wie sich die Zahlen in den einzelnen Provinze» gruppireu. E» sind getauft in .