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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Berichte und Eorrespondeuzeu. Deutschland. Stetttn, 6. Oktober. Tie Berliner „Post" schreibt: „Eine erfreulicht Erscheinung für die sittlichen Zustande unserer Stadt ist schon in den wenigen Tagen seit dem Inkrafttreten de- CivilehegesetzeS von mehreren Standesbeamten beobachtet worden. Paare, welche seit längerer Zeit im Eoncubinat leben, melden sich jetzt auf den Standesämtern, um ihre Eheschließung zu veranlassen und ihre Kinder zu legallfiren. — Di« Gründe für diese Erscheinung sind leicht erkennbar : «heil» schreckte diese Leute bisher der Kostenpunkt vor der Eingehung einer Ehe zurück, größtentheil« aber fürchteten dieselben, von dem Geistlichen, an den sie sich hätten wenden müssen, für ibr bisherige« Verhallen getadelt zu werden, oder bei der Trauung gewisse Demüthigungen. z. B. in der Kranzfrage, zu erdulden. Jetzt, wo die Eheschließungen kostenfrei und in amtlicher Geschästtsorm vollzogen werden, dringen besonders die Frauen daraus, daß sie selbst Ehefrauen, ihre Kinder eheliche werden. AuS diesen Gründen erklärt e« sich auch, daß die Standesbeamten, trotz der massenhaften kirchlichen Trauungen in den letzten Tagen des September, doch schon in den ersten drei Tagen ihre- Bestehens mehrere hundert Aufgebote, also weit mehr, als man nach den statistischen Berechnungen erwarten durste, veranlaßt haben." Wir wollen mit der „Post" nicht darüber rechten, wen» sie da- Belichtete als ein erfreuliches Zeichen für die sittlichen Zustände bezeichnet; eine sittliche Besserung liegt jedenfalls darin, wenn eine wilde Ehe in eine staatsrechtlich gültige nachträglich verwandelt wird. Wir nehmen von dem Artikel hier nur darum Notiz, weil er unsere im vorigen Leitartikel gegebene Darstellung illustrirt und rechtfertigt Unter den so lcgitimirten wilden Ehen mögen w. hl auck> solche sein, in denen der eine Theil Juden ist, deren staat-gültiger Abschluß vor dem Gericht bisher an die Bedingung geknüpft war, daß der christliche Theil auder Kirche auSlrete. Aber ungemischt jüdische Ehen haben an obiger Deduktion keinen Theil, weder Kostenpunkt noch geistlicher Tadel hat Jude» von der religiösen Trauung zurückhallen oder zurückschrecken können. — Dagegen wäre eS sehr wünschenSwerth, wenn da- «ine oder daandere jüdische Ehepaar, besonderin den östlichen LandeStheilen, welcheseiner Zeit nicht gerichtlich getraut, sondern von irgend einem s. g. CultuSbeamten rituell copulirl worden ist und die gerichtliche Trauung nachzuholen versäumt hat, die Gelegenheit benutzte, jetzt sich an den Standesbeamten zu wenden. Wer von einem solchen Ehepaar weiß — und e» gibt deren immer noch — der thut ein gute- Werk, wenn er die Leute darauf aufmerksam macht und sie an seinen» Theile ermahnt, jetzt die nöthigen Schritte zu thun. Aber e» bietet sich noch eine andere Parallele zu dem von der „Post" au» Berlin Berichteten. Als in Oesterreich die Beschränkungen der Eheschließungen aufgehoben wurden, da meldeten sich Hunderte, ja Tausende von jüdischen Paaren, oft schon recht betagten, die nachträglich staat-gültige Ehen schlossen, nachdem sie sich bidahin mit ritueller Trauung begnügt halten, weil sie obrigkeitlichen HeirathSconsen» nicht hatten erlangen können. Da» war auch ein erfreuliche- Zeichen sittlicher Besserung! Aber für wen? Die Juden hatten nicht» Unsittliche« gelhan; der Staat hatte sich sitttlich gebessert, au« einem pharaonischen mar er zu einem menschlichen, zu einem Rechtsstaat geworden! Stettin, 7. Octbr. Nachdeni wir in unserer Nr. 38 au« Posen eine Anklage gegen den Verein M e k i z e N i r d a m i m veröffentlicht haben, halten wir eS für unsere Pflicht, der im vorigen Blatte gegebenen kurzen Notiz (unter „Lyck") einen ausführlichen Auszug au« dem Rechenschaftsbericht de- Vereins mirzutheilen, da derselbe jenen Anklagen begegnet, und »war zum Voran», da er, als unsere Eorrespondxiz erschien, jedenfalls bereit» gedruckt gewesen ist. 1) Fortsetzung de» Lommentar« zur Genesis von Wessely hat nicht geliefert werden können, weil Hr. S. Sach» in Pari», Inhaber der einzigen vorhandenen Handschrift, wider Wille» die Fortsetzung nicht hat einsenden können. 2) Eine besondere Verzögerung de- Drucke« und der Ausgabe der Werke ist diesmal dadurch entstanden, daß man begonnen batte, den T Jcrnsch. von Hrn Dir. Frankel für den Verein zu drucken; wegen Enlfernnilg und Correcturschwierigkeiten hat aber daeingegangene Berhältniß ausgehoben werden müssen. 3) Auf Veranlassung deS Hrn. l)r. Neubauer bat der Verein da» handschriftlich in Oxford liegende Buch 'CIIT D'KTIÖKI D'tOD herauSzugeben unternommen. Diese« Vtrrk ist copirt und dann von Hrn. Rabb. N. Rabbinowitz revirirt und mit Anmerkungen versehen worden. Dieser fand, daß die Eopie sehr unzuverlässig war, und daß auch MehnreS fehlte. Letzterer Umstand ließ sich nicht ändern, die Lücken waren im Codex selbst, die Copistenfehler wurden durch r.eue Collation verbessert. Alle« die» veranlaßt« natürlich großen Zeitverlust, und eS hat auch nur erst eine kleine Probe geliefert werden können. 4) Von der zweiten Serie de» Pachad Jizch. ist tieSmal viel geliefert worden. 50 Halbbog. Buchstabe SC und die Hälfte von p (auf dem Titelblatt aber falsch angegeben! Man wolle nächsten» ein neue« Titelblatt liefern), von der ersten Serie ist X endlich fertig, aber immer »och kein ganzer Band. Ueber die weiter noch gelieferten drei Schriften wird im „Literalurblatt" zu sprechen sein. Um neu eintretenden Adonnenten den Bezug der früher erschienenen Lieferungen zu erleichtern, wird Jahcg. 2, 3, 4 ä 1'/, Thlr. angeboteil. Da» ist freilich jetzt nothwendig; aber da hat ein Fehlgriff zu dem andern geführt, denn wenn man zu Subscriplion und Pränunieration einladet, so kann man nicht« Verkehrterethun, als wenn man nachher d:e Werke an Nichtsubscribenten und Postnumeranten unter den, ursprüngliche» Preise verkauft. Wer sollte da nicht eigentlich lieber warten, bi« er'- billiger erhält? zumal da doch der Verein kein« Novitäten liefert, nach deren schleunigem Erwerb man sich drängt Also subscribire, wer kann, der Sache wegen! Die zum eisernen Fond« de» Verein» eingegangenen Spenden betragen bi« jetzt 904 Thlr. Köln. Die preußische Regierung befolgt da« System, die jüdischen Gefangenen mehrerer Provinzen in einer Anstalt zu vereinigen; für die westlichen Provinzen der Mona.chie: Westfalen, Rheinprovinz und Hessen-Nassau ist die Anstalt in Köln zur Aufnahme unserer unglücklichen Glaubensgenossen bestimmt. Die Zahl derselben beträgt in der Regel zwischen 40—55, ungefähr 10 pCt. sind weiblichen Geschlecht», in einer besondere» Anstalt für Weiber untergebracht. Die Männer haben eine prächtige Synagoge, wo: sie manche kleine Stadt nicht so schön hat. Der GotteSisienst wird außer am Sabbath und an den Festtagen zweimal wöchentlich de« Nachmittag-, Montag« und Mittwoch-, ibgehalten. Montag» finden religiöse Vorträge au» alten und neuen Werte» erbaulichen Inhaltstatt; de- Mittwochwird die Sidrah, entwever ganz oder theilweije, auch manchmal die Haphlara erklärt. Im Winter ist Sabbath Nachnriltag auch ein Vortrag aus Chowoth ha-Lewawolh oder dergl. So ist also hinlänglich gesorgt, daß Diejenigen, die mit mangelhaften Kenntnissen in unserer Religion hinkommen, noch Viele» ilachhoieu können. — Außer der allgemeine» An'staltSbibliothek existirr eine solche für die JSraeliten, welche blo» jüdische Werke enthält. Dieselbe ivird jährlich durch einen SlaalSbeilrag vergrößert. Sabbath und Festtage werden streng gehalten. Eine besondere Küche ist eingerichtet, wo koscher gekocyt wird. Da« Fleisch und Fett wird von einem jüdischen Metzger geliefert. Der Koch ist ei» jüdischer Gefangener; da- Ganze wird vom Religioit-lehrer beaufsichtigt An, Peßach

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