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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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;"T*'\f;i’> : — 809 — »* ■ I ^9 «Mmm mbbem Pvvtesb «fr» bnt$ bdf Justittukttifitz« GchlseckPlIhttN feint Folgt gigeben nmrfte. Nünmehr Meldet „Odeffaer Bote", daß die Duma von Sedastopol in ihrer vom Üt. Juli Herrn I. I. Jakobson für sein« zwet- Thätigkeit al» Friedentrichter den Dank der Stadt ättSgesprochen hat. St.Pe1er»b«l, LI.August. (KaräischeHandschrift»n.) Wie die „6t. Petertb. Ztg." hört, ist Autsicht vor- Hunden, daß die sehr werthvolle, von dem karäische» Krlehrtchl Abraham Firkowitsch (gestorben am 27. Mai) gesammelte Wbliothek dem russischen Reiche erhalten bleibt. Auf Bitten del Erben hat da» Ministerium der PolkSaufklärung zwei ÄAehrte, vr. A. Harkavt! uttv Vr. H. Ettäck beauftragt, nach dem Wohnsitz de» Berstötzetttst, Tschufut-Kale in der 'im (nahe bei Bachtschii-Ssarai), zu reisen, um an Ort und die HnNdfthkkftetl zu untersuchen, deren Zahl nicht weniger als 6000 beträgt, darunter ohne Zweifel viele sehr wertzvdlte. (&L Fnmei-t». Der unlängst verstorbene vr. Eckmann hat seine Hinterlaffenichaft den Armen seluer Vat^vstadt Rawicz vermacht. Sie beträgt ein paar Tausend Dollar. (I. Tim ) Fenilletou. Wild« Aette« »»d «Ilde Herzen. Nachstehende Erzählung au» der Zett de» dreißigjährigen Krftgie» iK^ßr ^ÜNISdrS ^Otzeeckttk' von Raphael Blum, Lantor zu Lulbronn im Elsaß, mttgetheilt. Sie ist angeblich au» einem alten Manuscript, eine Privat-Magilla, d. h. der Erzählung merkwürdiger Schicksale einer Familie oder Gemeinde, übersetzt. Der Bersässer, besten eigenhändige Aufzeichnung Herr Blum vor fitz gehabt haben will, hieß Ascher b. Aieser Hällevi, war 1597 in Deutschland geboren, kam al» Lind mit seinen Eltern nach dem Elsaß, lernte bei R. Jakob Astenafir in Metz, besuchte die Talmudschulen in Prag, Prosnitz und BifeNz, kehrte in die Heimath zurück und heirathete am Mittwoch nach dem Wochenftste 1622 Malka, die Tochter de» Elteser Lippmann, Borst:her» der Juden zu Reichshofen, «vseldst er seine« Wohnsitz nahm. . Da» Manuscript, <ra» dem hin und wieder Sätze im Original mügetheiü wetzen, ist in einem für den Geschmack und die Sprachkenntniß der deutschen Juden jener Zeit ziemlich eleganten «Nb fließenden Hebräisch geschrieben. In einem der hier folgenden Erzählung vorangcheuden Theile ist sowohl die LebenSgeschichte deS Verfasser», wie einiges über die Schicksale der Juden im Elsaß, besonders in Hagenau, dem Eentrum der, Operationen und jtämpfe der Schwede« und der Kaiser-, lichen in jener Gegend, kurz erzählt. ES liegt kein besonderer Grund vor , di« Erzätsiuag für erfunden und die Angaben Blum'« über di« alte Handschrift für erdichtet zu halten. Da« Jahr 5364 (Herbst 1633) begann für unsere Gegend unter schreckltchenBorzetche« und Begebenheiten und drohte »och viel verhängmßvoller zu werden, al» die vorhergehenden. Alle», «a» gesäet und goernt« worden war, wurde den Feinden zur Beut«. „Die Frucht deine» Felde« und aller deiner Mühen wird einBolk vertzchtten, «elche» du nicht kennst"; so haben wir e» am Schluß de» alten Jahre» gelesen, so ging e» t» Erfttllung. Aber auch unser Leben war von der wachsende» Rohheit der SoldadeSk, täglich bedroht. Im Hause meine» Schwftgervaler», hier in ReichShofen, hatten die Soldaten Alle», selbst seine Kleider, geplündert; wa» nicht sehr sorgsam versteckt «der vergraben worden war, war mitgenommen. Kvetmal habe ich mit isigener Gefahr da» Leben des edlen Manche» mit Gotte» Hilft gerettet. Da» Neujahrsfest war in Reich» Hofe», Oft,» und Niedeöbcon» wohnhtzi» sich nackt, elfte Richtungen hi« §tx* ' *. «4 ta * vrtt gkflMhttt, wo man ror de« Kriegtväkke sichet zu sein f hoffte. Oberbronn war innerhalb Utaffat ftchmnai geplitndett worden, aitf 200 Wagen und darüt>er hatte man alle» fortgeschleppt, wa» bewegllch war und den Plünderern in wiederholter Rachleft gefiel. Auch am Jonckippur hatten ivir un» nicht zum Geber vereinigen können, wir tonnten kein >5»- rog für da» Hüttenfest herdeischaffen, noch weniger war an da» Aufschlagen einer Laubhütte zu denken. Am ersten Tage de» Feste» machten wir jedoch den versuch, un» in der hübschen, im Hause meine» Schwiegerrater» belegen«« Synagoge, welche zwei Fenster nach der Straße hat und noch unversehrt geblieben war, zu versammeln. .Hier in ReichShofen sind unsrer 15 Familien, und eS sind unter im» fünf Talmndgelehrte, wenn auch ich mich zu diefm rechne» darf. An untrer Spitze steht der höchst scharfsinnige Robbt Jakob Aron ack» Böhmen, ein Mann, der schon zweimal zu ansehnlichen Rabbinaten berufen worden ist, über keine Stelle annehmen will. Er ist von Gott gesegnet und zeichne! sich durch jegliche Tugend aus. Ihm gleicht seine würdme Gattin, Sara Lea. Sein ältester Sohn, Mose», 16 Jahre alt, nimmt schon an unfern gemeinsamen Studien Theil, er versieht M» Pater» Geschäfte und widmet seine freien Stunden dem Talm«d. Der jüngere Sohn, Selig, ist 12 Jahre alt; eine wahre Perle, eine Zierde des Hause» aber ist die einzige Tochter, Beracha. Sft ist so gut unterrichtet, daß sie es im Peitta- . teuch nebst Rafchi und in' den Pröpheten. Psalmen u. s. w. mit jHem Kinderlehrer aufnehmen kann. Seit etwa einem Jahre ist sie an R. Samuel Joseph Hierselbst, einen wohlhabenden, gelehrten, auch der deutschen Schrift und de» Rechnen» wohl kundigen Mann, verheirathct. Wir versammelten un» also am frühe» Morgen de» ersten Hüttenfefttage», Männer und Frauen. Ehe wir zur «Synagoge gingen, redete un» der würdige R. Jakob Aron, de» wir al« unser« Rabbiner betrachten und ehren, wenn er auch Rang und Titel verschmäht, also an: „Liebe Brüder und Schwestern! Gott sei gelobt, daß ich euch noch einmal gesuüd beisammen sehe, Preis und Ruhm unserm ewigen Schutzherrn! ES ist Recht, daß ihr, wie ich sehe, keine Feiertagskleider angelegt habt; Gott wird uns begnadigen, daß wir wieder in Frende seine Fest« ehren kämen; für jetzt ocher werdet chr alles Wetthvolk« vor dem räuherischiN GölÜjke bestmöglichst in Sicherheit gebracht haben Sollte jedoch einer uMer euch »och etwas verbergen wollen, so >^ehe er alsbald nach Hause. E« sind böse Gerüchte im Umlims, und eine Ahnung sagt nlir, daß wir vftlleicht noch heute reue Prüfungen zu bestehen haben «rtzchck G» fWf KMegertzchWi in der Nähe, welche uns schwere Requisitionen auserlegen and abermals uns berauben und auf hundert Arten quälen lönnen, wie wir da» leider schon so oft erjahren haben. Seid aber darum nicht ängstlich, faßt Much, vertraut auf unser» gütigen, allmächtigen Schirmherr«. Er wird uns bewahre» üNd ritten. . Hat er uns doch schon oft gerettet, besonter» vor der Pest und dem bösen Fieber, dem unlängst so viele Opfer gefallen sind. Durch seine Gnade sind wir ja bi» jetzt wunderbar von diesen Geißeln verschont geblieben. „Also nochmals, ftch ohne Furcht! Wir leben unter >:inander in Eintracht und Frieden, wir suchen einander in Röthen beizustehen, und darum hoffe ich/ baß Gott meist uns te* stehen und wieder Tage des Friedens erleben lassen wird. Frieden ist die wahre Frömmigkeit, und Frömmigkeit erzeugt Frieden und Eintracht. „Run wollen wir einzeln in die Synagoge gehen, laßt uns verschiedene Rebengäßchen einschlage» und dann durch ine Hinterpforte beim Parnes eintreten. Wir werden auch in diesen Tagen der Angst und des Schreckens das Gebet abkürzen, besonders da wir dies Jahr nicht einmal ein ESrog haxu. Ach, wir müffen ja jetzt so oft unsere heiligen Pflichten versäume», aber ei» kurze» Gebet di tiefer Andacht ist Qktt wohlgefälliger als viele Worte ohne Andacht." (Fortsetzung folgt.)

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