Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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rfttmtaitJU' fob 8 Inten eiagetrAgen. Wöntzer Anztehuntzs- ^aft für die Israeliten schein«» di« Lehrer-Bildungsanstalten H» haben. I« Troppau bereitet sich nur rin israelitischer -Zögling für den Lehrer beruf vor; di« Lehrerinnen-Bildungskanstalt daselbst zählt unter ihren Zöglingen vier israelitische Mädchen. An den Lehrer-Btldungsanstalten zu Troppau und Mielitz war noch kein Israelit als Zögling eingetragen. Den 'Religions-Unterricht für die israelitischen Schüler der schlesischen Mittelschule« besorgen zum Theil autoristrte Religions- Sehrer, so in Troppau Leopold Singer, i« Tesche« Kreisrabchtner Kriedmann, in vielitz Prediger I)r. Frankfurter, in Jägerndorf Lehrer Snschlowch; zum Theil wird dieser Unterricht, so in Freudenthal und Weidenau, in provisorischer Weise von Schächtern versehen. Wie«. (Aus dem Berichtssaale.) Der Hausbefitzer Bremer hatte am 18. Mai mit dem Hausirer Neuber «ege« einer Ente und eine« Huhns, die Letzterer als sein Etzenthum in Anspruch nahm, einen Streit, bei welchem er Neuber «inen jüdischen Tagedieb, Schwindler und Betrüger schimpfte und so unsanft durch da» Hofthor hinausbeförderle, daß Neuber nach seiner Berfichecung drei Tage lang krank (•$ Neuber verklagte ihn nun wegen leichter Verletzung und Ehrenbelridtzung. Bei der Verhandlung am 81. Juli wußten sich die vorgerufenen Zeugen nicht mehr zu erinnern, Bremer leugnete und wurde, ungeachtet er in der Verhandlung selbst den Kläger einen „jüdischen Kampei- -innnne, -freigesprochen. Neuber remrrirte, und fand nun die Appellorrhandlung statt. Zunächst wurde der Angeklagte Bremer vernommen. Präs, (zu Bremer): Sie heißen Wenzel Bremer? — Angekl. (der schwerhörig ist): WoS? I hob ihm gar nix than, dem Juden! Präs, (mit lauter Glimme): Sie heißen Wenzel Brekner? — Angekl.: Ah so! No dös wisftntL' ijs-th. Präs.: Sie< sollen den Kläger am 18. Mai einen jüdischen Tagdiei geschimpft haben? — Angekl: I? Den? I mog gar nix z'thun hab'n mit an Juden. Präs.: Sie haben ihn doch aber beschimpft? — Angekl.: Ka Mörtel! Präs.: Bei der Verhandlung am 81. Juli haben Sie ihn aber doch wieder »inen „jüdischen Kumpel" genannt. - Angekl.: Nalürli, i will mit kan Juden nix z'thun hob'n. Präs.: Beben Sie also zu, daß Sir ihn „jüdischen Kampel" genannt haben? —Aagrkl. (lacht): Na, dös kann doch etwa nöl strafbar sein? Präs.: Besagt haben Sie es also? — Angekl: I jo, dös hob t g'sogt. I bleib darbe», g'schimpft hob i gor nüt, „Du Saujud, hob i g'sogt, schau daß d' nauskommst, sonst hau i di auf Trümmer!" Damit war natürlich der Thatbestand der Ehrenbeleidigung hergestellt, und Breiner wegeil wörtlicher und thällicher Ehrenbeleidigung zu löst. Geldstrafe verurtheilt. — Mitte März dieses Jahres erhielt die Polizei Kenntntß, daß in Eafä National im II. Bezirke täglich eine Besellschaft von fünf bis sieben Personen sich zusammenfind«, di« auf Grund falscher Documente unverschämte Betteleien, meist bei hiesigen isroelitischen Bankier« und anderen wohlhabenden Blaubensgei,offen, aussühren. Ein zur Erforschung der Sache abgcorvnetec Detektive fand wirklich eine Gesellschaft von sechs Personen iin eifrigsten Bespräche und folgte zweie» derselben, die sich nid|t lange danach von den übrtzen trennten, in angemeflener Entfernung. Am Schottenriag ging der anständiger Aussehen!»« der Beiden in ein Hau»; der Detektiv« ließ nun zunächst den aus der Baffe Wanenden und bei feiner Nückkunsl auch den Andern verhaften. Eine sofort im Häuke gepflogene Nachfrage ergab, daß verselbe beim Bankier Lippmann gebettelt und sich dabei nt» rin „unschuldigerweise verarmter Rabbi von Raczkow" ausgegeben hatte. Bä seiner Verhaftung suchte er ein Buch unbemerkt wegznwrrfrn, doch beobachtete dies der »orfichttze Detektiv« und nahm da« Buch, welches rin Verzeichuiß von gesammelten Beträgen mtt den Unterschriften der B.'der enthielt, zn sich. Der angeblich« Rabbiner bekannt« sih bei der »»chei _a1s, „Handelsmann". Hersch Fränkel «r»s Btt) t» «usfisih.Polen, sei» Brnoffe als , Le», Maraulie», Schneider aus.2e»btk^' Erftmer halt bereit» ISO fl. gesammelt. Der Gerichtshof veruktheille ihn zu 8 Monaten Kerker und Landesverweisung, seinen Spiefgesellen wegen Bagabondage zu acht Tagen Arrest. Ls»d»n. Unsere Leser haben ohne Zweifel das Inserat, betreff«»» eine junge israelitische Dam« mit zwei Millk,»- nen Thaler, für welche (nämlich erste«) ein Batte gesucht wird, bemeäl. Die Sache ist da« Beheimniß der He.wen Haasenftein u. Bögler; wir können über Dam« und (Mb weder Auskunft ertheilen, noch über sie dispontren. lluh „Jew. World" hat die Annon« notirt und bemerft darübei: „Nach dieser Bekanntmachung, welche für einen „smanen" jungen Mann eine große Versuchung bietet, werde« wir uns einen Laden voll „Wochenschriften" anl> ge i. um den Anforderungen der viele» jungen Leute unter an», welche diesen hübschen Preis 'gewinn,» möchten und Do;» natürlich sich wegen de« Blattes an uns wenden werden, zu entsprechen. Wir werden jaooch für unsre Bemühung Aue hohe Eommission berechnen,' sticht' wmige? äktz eisten Sbdei n pro Exemplar. Für ven Augenblick besitzen wir nur ein einziges, welches wir aufheden, wie altes Bold, aber mri tift kommt, mahlt erst und kan» es haben, und zwar für di« Kleinigkeit von SO Pf. St. Reine Bagatelle! SO Ps. r g<n 800,000!" Au» Jtültr». (Mortara.) Der Judenknabe MoNaro, desftn Raub durch bi« päpstlich« Behörde einst in ganz Europa besprochen ward, ist im Lgss« der Zeitseist jnnger llllann und Augustinermönch geworden und hat neulich, das erstemal öffentlich gepredigt. Diesen Anlaß benutzt die Bazzetta d'Jtaliu, v m Einige« von den Schicksalen Mortara's zu erzählen „Er blieb von 1858, in welchem Jahre er seiner Familie entriffen waid, di« zum Oktober 1870 stets in Rom. Die päpstlich:?legierung ließ ihm «ine sorgfältige Erziehung geben und >:rnannte ihn noch in zartem Jünglingsalter zum lateramnfischen Eanonicus. Bi« 1867 hatte er mit seiner Familie nicht den geringsten Verkehr. Rach dem Gefechte von Rintana trat der Vater, der auf eine baldige Besetzung Rom» hoffen mochte, in Briefwechsel mit seinem Sohne, de.» aic päpstlichen Behörden gnädigst erlaubten. Die Brief: t«s jungen Menschen verrielhen Bildung und schloffen stets mit der Aufforderung an seine Familie, sich zum Ehriftenlhuine zu bekehren. Die Briefe wurden natürlich, eh« sie abging:», immer erst von den Vorgesetzten de» jungen Mortara gelesen. Rach der Einnahme RomS durch die italienischen Truppen begab sich der Vater in die neue Hauptstadt Italiens, um den Loh» wieder zu holen. Aber zwölf Jahre pfäfsiscier Erziehung hatten diesen mürbe gemacht, und er wollte nichts mehr von seinem Vater wiffen. Der alte Mortara wendete sich nun an die Regierung und bat Lamarmora um Hilfe. Der General gab ihm gut« Worte, fand es aber au« Rücksicht für die Elerikalen, „die man nicht erbittern dürfe", gerathen, nicht eiuzuschreiten. Bald darauf schrieb der jurge Marlara von Bologne au» einen Bri» f an seine Ellern, wcrin er ihnen anzeigte, daß er fest im christlichen Glaube,t «erharre und sich deshalb nicht mit s-iner Familie vereinizen könne. Sr ging dann nach Br.girn, und Lamarmora ivar froh, durch die Entfernung de« jungen Menschen der ganzen verdrießlichen Sache Überhoden zu fn«. In Belgien leinte Mortara (Sohn) gründlich Französisih, vollendete feine Studien und trat kürzlich in den Augustiner-Orden. Seine «rste Predigt hat großen Beifall gesunden, und au» Anlaß »erselben richtete er einen Brief an Puts IX, worin er diesem seine Dankbarkeit aussprach, was den Papst ganz, au zerordentlich geftrut haben soll. Der junge, vi«lverspr>H, nd« Mönch wird wahrscheinlich als Misstonspredtzer Verwendung finden, und min prophezeit chm eine große Zukunft. Oi> er sprkiell zur Jndenbekehrnng verweudet werdrn soll, darüber schweigt die „Bazetta d'Jtalta."