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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 34.
Article
Beilage zu Nᵒ 34.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— Dr Sifiauer, biäber iu Newyork, gebt al« Rabbiner zu :itu i Wcnifiiibi' in £l ,vrü»ciecü Feuilleton. Wer ift ftrengortbodox? Wie in der vorigen Nummer, so haben wir noch einmal etwas zurr Leitartikel Gehörige ins Feuilleton verwiesen. Mr werden gleich lagen warum? Di« Vorkämpfer und Leiter unserer deu schen „Slrengorthodoxn." nennen sich bekanntlich — nicht so, sie nehmen für sich den Namen der einzig und allein echten, wahren Juden in A tipruch. Sie und sonst keiner. Sie und ihre Kinder, Schn iegersohne in re und *pe :c. rc. Schüler, unbedingten Verehrer. Gegen solche Ansprüche kämpfen, hieße in die Rolle des Ritte- S von der traurigen Gestalt verfallen, die Hauptsache ist, daß rian den Leuten zeigt, dag sie Wind mahlen. Das aber geht am besten, wenn man sie darauf hinweist, daß sie üxrhöht werden, daß von anderen Höhen noch stärkerer Wind bläst, daß über ihren Häup ern, die den Himmel de« wahren Judenthums tragen sollen, andere emporragen, d. h. daß sie Anderen noch lange nicht orthodox genug sind. Und dazu bieten die Betämpser des ungarische« Semtnarprojeti« uns das beste reichhaltige Material, .vr. vr Hildesheimer hat a selber ein Rabbiner-Seminar gegründet und steht demselben als Re tor vor. Das soll nun die Stätte sein, so wird uns in den Parteiorganen gesagt, so wurde schon lange vorher in wahrhaft verzückter Weise verkündet, von der die Torah ausgehen, wo die Zukunftsrabbiner für die einzig echten Srmeindeir ausgebildet werden sollen. Also doch ein Seminar! Natürlich werden die ungarischen Schomre-.Hadath sagen: „Ja das ist etwas Anders, mit einem solchen Seminar, unter einem solche« R'etor, wären auch wir sehr wohl zufrieden." — Weit gefehlt! Lias Unhell lautet ganz anders. Mr werden also solche Urtheile mitt eilen in wortgetreuen Bruchstücken, Tropfen aus einem Eimer nicht teiMentiöS aus dem Zusammenhänge gerissen. Freilich eS sind Persönlichkeiten, wir würden dergleichen nicht schreiben, aber clliren, wis Andere geschrieben — es würde auch das uns fern liegen, wenn es möglich wäre, die Sache von der Person zu trennen, und das geht grade hier nicht. Es handelt sich ja um reine Personalfragen. Beispiele, Persönlichkeiten, sind gehässig, aber sie erläutern die Ärch«, sagt der lateinische Spruch. Indem wir aber solche Stellen auswählen, die sich ihrer Einleidung wegen für ein Feuilleton eignen, wollen wir zu erkennen geben, daß wir die skurrile Kampfesweise nicht billigst. Es sind Fastnachtsscherze, hinter denen jttwch Ernst fiel t, und recht bitterer. Wir clliren auch nichts aus den ung irischen Auslastungen, namentlich nicht« von den pseudonyvlen Redactenren des „Trat». Jud.," sondern Stimmen aus Deutschland, d. h. aus Artikel«, die aus Deutschland battrt unii wie Stil und Orthographie zeigen, wirklich nicht i» Redactionslokal des Blattes geschrieben find. Also auch in Deutschland gibt es noch höhere Berge. Zuetil wurde in einer Correspondenz „au» Bayern" die Eröffnung des H.'schen Seminars mit folgenden Worten angekündigt „Sie sehen also, auch wir sind gleichsam über Rächt in de» Besitz eines Rabbiner-Seminars gelangt. Freilichist das Programm desselben armsellg, kaum für eine ordenlliche Talmud-Ihm a-Schule ausreichend, aber wir erhalle« ja all' den Segen ganz unentgeltlich. Es wird Nienuuid genöthigt, zur Erhaltnnx der Anstalt beizutragen; es wird tzezu kein Landesfond, eS werden hiezu auch nicht die Erträgnisse irgend eines der Judenhell gehörigen BermögenS in Anspruch genommen. Herr vr. Hildesheimer wollte Rector sein, er errichtete sich zu diese» Schüfe sein eigenes Seminärchen unb deckt auch die Koste» aus eigener Tasche. ES ist dies elltmal deutsche Art. Bismarck that einst dir charuktertsttfchr Seußrrmg: Jeder deutsche Mann würde sich seinen eigenen Regenten ullb sei» eigene« Ministerium haltenwürde er nur über die hiez» «ft» thigen Summen vertilgen. Nun, auch Herr vr. H. könnt« sich ein ähnlich kostspielige- Privatvergnügen nicht erlauben, wohl aber das eine» Haus-Seminare». Da heißt «S: se lo choßer wese nehene, uns kostet das Ding kein Geld, Herrn Hildesheimer jedoch hat'» den Titel „Rector" etngebracht." Rach diesem kleinen Witz-Geplänkel, auf diese Alarmschüste der den Feind fignalistrenden Vorposten rückt dt« Hauptarmee zu ernster Schlacht vor. „Aus Wien" schlecht vr. Wiener, der atrch gegen uns einmal in» Feld gezogen war. über „die Eröffnung de» H.'schen HauSseminar»!" Die Idiosynkrasie dieses ehrwürdigen Herrn betreff« der Seminarftage ist ja in Oesterreich-Ungarn zur Genüge bekannt und hat dieselbe denn auch nicht verfehlt, neologe und orthodoxe LachmuSkel« nur allzuhäufig in di« heftigste Erschütterung zu versetzen Fast anderthalb Decennien hindurch bildete derselbe auch in Ungarn sich ein, Letter eine« Rabbiner-SeminarS zu sein, von dem aber gottlob diiemandem eine imminente Gefahr drohte. Die neologen Gemeinden habe» sich das nöthige Rabbiner-Materiale an» BreSlau geholt, dt« orthodoxen Gemeinden nahmen von der Existenz dieser Anstatt so wenig Notiz, al» würde sie ihr Domicil in einer entlegenen Gegend de» blaffen Monde» aufgeschlagen haben. Nur einmal gab das Institut ein beachtenSwerthe» Lebenszeichen von sich: e» wurde in demselben nämlich ein« öffentllch« Prüfung veranstaltet, bei der ein „Stuhlrtchter" al« kompetenter Fachmann fungirte. Es wurde hierauf da» Programm der Anstalt veröffentlicht, da» nebst der anläßlich der Prüfung abgehaltenen Deklamationen auch da» vollgtltige ZeützNiß des Stuhlrichter-FachmannS enthtett, demgemäß die Anstalt selbst von wahrhaft jüdischem Geiste ^tragen würde, und deren Zöglinge die rabbinische Prüfung auf« glänzendste bestanden hätte«. „Da4 war dem ehrwürdigen und opferfähigen Letter allerdings ein« eclataMe Genugthuung für die bisherige consequeme Jgnorirung. Leider blieb aber dieser moralische Erfolg ohne allen praktischen Werth. Die neologen Gemeinden hinten sich der Rabbiner-Schule um so ferner, nachdem ein Stuhlrichter deren jüdischen Geist amtlich bestätigt. Und die orth. Gemeinden? Nun, diese würden in jüd.-eonsesfionÄlen1 Dingen dem Zeugnisse eines Stuhlrichters nicht einmal in dem Falle Vertrauen schenken, wenn dasselbe gleichzeitig von zwei handfesten Panduren mitunterzeichnet wäre. ... Da alle» Irdisch« dem Wechsel unterworfen ist, mußten die Herren Rabbinats- Eandidaten sich dazu bequemen, andere Carrieren zu rpählen. Und sie tihaten dies mit solch' durchgreifendem Erfolge, daß kaum auch nur einem derselben noch die Spuren ehemaliger „rabdinischer Velleitäten" erkennbar anhaften. „Doch — diese bitteren Erfahrungen lelleten Herrn H. noch immer nicht auf richtigere Bahnen. Auch im Longreffe vermochte man denselben erst dann zu einem verschämten Proteste gegen das Rabbiner-Seminar zu bewegen, al« er endlich zur Ueberzeugung gelangte, daß die» antijüdische Institut nicht seiner Leitung anvertraut werden sollte." Und so schließt eine vierspaltige Verurtheünng de« Seminar» mit der Apostrophe: „Rein, ehrwürdiger Herr, tn solchen Anstalten wird kein feste», unwandelbares Judenthum gelehrt; durch solche Institute wird der Reform nicht entgegen, sondern ganz vorzüglich in die Hand gearbeitet. Und wen» Ihr Her,' Banquier Ihnen und Ihren verunglücktm Schöpfungen mü seinen Salbadereien auch zu schmeicheln sucht, so glauben Sie doch dem schlauen Manne nicht. Dmn wahrlich, nicht die von ihm charakterifirten Rabbinen trifft di« Verantwortlichkell für die Erfolge der Reform, sondern Sie unb alle Freunde sogenannter Seminare und Rabbinerschulen. Unsere Gramm brauchen den» auch nicht von ihre» Lehrstühlen kierabzusteigen, wohl aber Sie. Ehrwürdiger Herr! Sperren Sie ab Ihr Seminar, sperren Sie es doch unverzüglich ab — da» Judenthum fordert von Ihne» «ndedtugt. dieses Opfer!" (Schluß folgt)

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