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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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"Termin vom 23. April d. I. für die Vollziehung d«S mondpo- Nftischen Epirituose»-Ge,e^S berannahe. Die außerordentliche gesetzgebende Versammlung trat zusammen, sie gelangte zum Schlüße, aber die Moldau -walachische Regierung hatte kein Wort, viel weniger einen Antrag, um dieschwere Rechtsverletzung beseitigen zu lasten. Daß viele Tausend« österreichischungarischer Unterthanen, den alten, in fortdauernder Rechtskraft stehenden Traktaten zuwider, gleichsalls dadurch brotlos wurden, kümmert Rumäniens Regierung und Legislative blutwenig. Dann har man versprochen, den §. 8 wenigstens sehr schonend, sehr milde anSzaführen. Statt destrn wird er nicht nur erbarmungslos vollzogen, sondern die Primäre (Bürgermeister) vertreiben die bisherigen Inhaber von Branntwrinschänken mit Gewalt von ihren Wohnorten. Vergeblich haben die diplomatischen Agenten und General-Eonsuln der Tractatmächte gegen solch« schnöde Verfolgung und VölkerrechtSwidrigkeit ernste Einsprache erhoben, der kritische mit besonderer Energie, der niederländische und der amerikanische mit großem Eifer; der deutsche, der französische, der italienische und — wie wir nicht zweifeln — der österreichisch-ungarische werden sich ihnen anschließen oder haben.eS neuestenS sch«« gethan. Während die rumänischen Staatsmänner für ihre Unabhängigkeitsstrebungen die Fürsprache, die Unterstützung der Mächte fordern, hoffen, erbitten, bleiben sie taub gegen alle Vorstellungen, verachten sie die Warnungen des gesammten christlich?», civilisirten Europa, die einhellige Verdammung solchen Vorschrritens in den angesehensten, einsiusireichsten Organen aller Länder und Rationen! Mit eigener Hand zerstören sie muthwillig, gewaltthätig alle Sympathien t>er civilisirten Welt. Kommt der Tag des »orientalischen Krachs", so werden die Verblendeten zu ihrem Schrecken inne werden, wie die öffentliche Meinung Europas ein ellig sich dagegen ausiehnt und selbst die rumänensreundlichsten der verschie renen Regierungen nicht wagen dürfen, «ist- Land in den Kreis >>er souveränen Staaten einzufübren, welches weder Versprechen noch Zusicherungen hält und allen Anforderungen des positiven wie des Vernunftrechtes systematisch daS Ohr verschließt. Rußland. u. kt Warschau, im August. (Or^Corr) In der Mitte deS MonatS Juni wurden hier die Wahlen für die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde vorgenommen, doch wurde daS Resultat, dem man dies,« mal mit großer Spannung entgegen sah, erst gegen Ende Juli bekannt, da die Wahl selbst, wie auch daS Skrutinium der Wahllisten mehrere Wochen in Anspruch nahm. Tie Wahl ist höchst günstig und zur ullgenlkinen Zufriedenheit ausgefallen, und eS wurde» von dem vorigen Comiie, welches aus 7 Vertretern besteht, 6 «iedergcwählt. Ein Be veiS, welches Vertrauen daS Publikum zu diesen Repräsen anten hegt, welche bei einer gebildeten und fortschrittlichen Gesinnung eine konservative und einigende Richtung verfolgen. Außer den eigentlichen Vorstehern wurden noch 7 Andere als stellvertretende Vorsteher gewählt, die aber dieselbe Ausgabe haben und fast ebenso functionirend sind als die eigentlichen Repräsentanten. Die Ramen der sieben ersten Vorsteher sind: Herren L Ratanson, vr. med. *), Jac. Löwenberg, Eam. Partner, Lester Lewy, Sal. Lewrnthal, Mathias Versöhn und JSr. Feintind. Letzterer ist dieses mal neu gewählt. Sämmtliche genannte Herren gehören der Fortschrittspartei an. Di« Ranien der Stellvertreter find: Herren Sal. Eisenmann', I. Eh. Bernstein, Liber Korngold, Meyer Herman, Abr. Braunstein, Schaft PryveS, Henryk Ratanson**). Die 1 I« vorigen Triermium Vorsitzender, und wahrscheinlich diese» mal wieder. **) Da der Wahlmodu« hier ein solcher ist, daß nicht absolut« Majorität, sondern die größere Anzahl der Stimmen entscheidet, und ein feste« Programm der Kandidaten nicht ausgestellt werden tan», so ist W» rjayl der Gewählten sehr groß. <H find also noch diel«'gewählt, welche snccesfde« eintretrn würd», wenn manch« da Obengenannte» ab» lehnen sollten. > «j. r meisten dieser Letzteren find dteftst mak-imr gßwählt, aber alle sind namhäfte und gesinnungsvolle Männer. Rur zwei von ihnen gehören dem EhasfibiSmuS (PryoeS) oder ver ode lhodoxen Richtung an, aber sie find von ihrem Standpunkte au« ebenfalls lautere Lharaktere. Ueberhaupt ist e» für jede constituirenv« Versammlung sehr nothwendig, daß Männer jeder Farbe in ihr vertrelen sind, wenn nur die Gesinnung eine ehrliche und redliche ist. Daß die Vorsteher de« vorigen Triennium« diese« mal wiedergewählt worden sind, ist ein Beweis, mit welchem Tact« sie ihre schwere Aufgabe zu erfaffen verstanden habln. Indeß möchte ich die vorige Periode nur al« ein UebergangSstadium in dem geschichtlichen Wendepunkt unsere« hiesigen Leben« betrachten. Wir gehen jetzt entschieden einer üeuen Epoche entgegen, und unser« ganze» Verhältnisse, vorzüglich aber da« Schulwesen, bedürfen einer durchgreifenden Reform. Möge unseren Repräsentanten, an deren guten Willen wir nicht zweifeln, auch die Kraft nicht fehlen, diese ernste und schwere Ausgabe glücklich durchzuführen. Wenn wir so alle Ursache haben mit dem Ausfall der Wahlen zufrieden zu fein, so ist andererseits eine Aenderung in der Verwaltung eingerreten, die unsere Freude einigermaßen trübt. Ich meine nämlich die Niederlegung de« Gemeindesecretäramles Seitens de« Herrn Jacob Rotwand. Derselbe hat fast dreißig Jahre dieser Amt verwaltet und jetzt seine Entlastung genommen. I« der ganzen Zeit seiner LmlSthatigkeil bi« vor drei Jahren waren unsere Äemeinderepräsentanten aus den orthodxen Kreisen gewählt worden, denen eS beim Mangel wiffenschaftlicher Bildung und weltniännijcher Kenntniß kaum möglich war, unS nach Auft-n hin in würdiger Weife zu vertreten. Diese Vertretung, besonders im Verkehr mit der Regierung, siel dann dem Herrn Rotwan» zu, der Beides besaß, waS Jenen mangelte, und der eS wohl" rKrstand, bei Regierung und Magistrat sich die gebührende Achtung zu verschaffen und Manches durchzusetzen. Auch in der inner» Verwaltung war er durchgreifender und maßgebender als die Vertreter selbst, und in der Periode de« Stillstandes war er der Pionier, der bie Wege für die neu« Zeit bahnte. Aber auch bei seinen «ichtjüdischen Mitbürgern steht Herr Rotwand hier in sehr hohem und ehrenvollen An seheu. Trotz der Fülle der AmtSgeschäfre, die ihm oblagen, fand er doch noch Zeit, wenn er den Staub der Akten abgeschüttelt halte, sich auf da« Gebiet der Literatur zu beheben, und außer anderen Schriften hat Herr Rotwand in jüngster Zeit durch eine gelungene llebersetznng von »Vögele der Maggrv" die polnische Literatur um diesen Edelstein bereichert Scr Hat er in jeder Weise segensreich gewirkt, und wenn fei« Rücktritt vom Amte uns auch schmerzt, so wird ihm doch im Herzen aller einsichtsvollen Mitbürger ein treue« Denkmal liebender Erinnerung bewahrt bleiben. Vermischte und neueste Nachrichten. Frankfurt a. M. In Nr 32 ist in dem Nekrologe A. v. Rothschilds auch seiner Kinder gedacht, und ist dabei erwähnt, daß eine der Töchter sich auch in der Künftlerwelt einen Namen gemacht hat. Der „Israelit" thrilt darüber Folgendes mit: »Bon Jnrereffe dürfte e« für viele Musikfreunde sei«, daß Baronin Mathilde Rothschild, die zweite Tochter de« Verblichenen, die Gemahlin de« dnrch Frömmigkeit, Wohlthätixkest uitb talmudische Gelehrsamkeit so hochberühmten Freiherr,»' Wilhelm von Rothschild zu Frankfun a. M, eine der eifrigsten Musikfreundinnen und selbst al« Komponistin und zwar mit Erfolg aufgetreten ist. De«-Besuchern der Patti-Vorstelungen ist da« reizend« Liedchen der Baronin Rothschilds ,kä vou» n’arez neu ä me 4ire*. gar wohl bekannt. Mit e-> ner zweiten Komposition hat Frl. Gabriele Krauß im Ar* * (Fortsetzung in bet Beilage.)

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