Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 30.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 30.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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7^T5e; MW M Israetitlfchnk WochenHM. ^7 80. Magdeburg, den 23. Juli 1874. 4. Jahrgemz Frnillrton. A»« Vestthokd A«erbnch'S Ler«jahren. Non ihm fettst erzählt. Ist Paul Lindau'» „Gegenwart" erzählt Berthold Auerbach mit llebrit»« lirviger Offenherzigkeit ein Fragment au» friiiiir Ledentgtschichte („wie ich die bildeitde Kunst kennen lerstte"), woraus wir die folgende Skizze für die Leser diese« Blatte« zusammenstellen, die einen Einblick in die grundlegend« Sitte de» EnffMklustgSgange» de» ebenso berühmten wir be- Wbthst Autor» gewchtt. „ . . . Wem» ich mich auf die ersten Kindesrindrücke, noch bevor ich ist drö Dorfschule kam, besinne, so sehe ich sieben acht Bilder vor wir, die an den weißen Wänden meiner MerstMbe hingen. Sie stellten die GeWchte von Joseph in L^uvtest' dar ustb waren, wie ich nachher erfahren habe, Rürnbdrger' Lithographien, etwa» blaß colorirt mit viel Rvsaroth ist mn SewäMlU^eir, namentlich im Mantel Btcekönig . of:ph». Meist Otüri Maier, der Stolz der großen Familie, gebrauchte imcktk dai!' jüdische Sprichwort: Jede Familie muß MÜ, JdfepV haben (tr sprach e» „Joffeph" au»); da» heißtist jedtt Fämllte ntüffi Einer sein, der die Anderen zu Glanz, erhebe. SU» gibt «0 für die jugendliche Phantasie Anregendere» ott die StWchir von dem verkauften Bruder, der zum König wnd Nstb semtsi alten Pater und seine schlimmen Brüder iu Äohstebeu und Glanz versetzt. Dazu war brr Patriarch unser direeter Stammvater, mein Vater hieß wie er: Jacob. Ich bin da» drittjüngste von elf Geschwistern; ich wollte oft übet die Bilder in der Slterststub« fragen, weil ich diese ci&erjeflf Stellung nicht verstand (namentlich da, wo Joseph t» StaqtSwagen dahinfährt und die Tgypter sich vor i'-m zur Erd« werfen, da waren recht» im Bilde zwei zum Boden ge- Mgtt Köpfe mit auSgefireckten Armen und hintendran fehlten Ke Köstier, da» kpmtte ich mir nicht erklären; auch die Potftiharseme gab mir viel zu denken), aber wenn ich ein» meiner Äelrn Geschwister darüber fragte, wurde ich barsch abgewiefeu. Die Bilder Höngen da, wer wird noch viel darüber fragen! Alh ich später in ter Dresdener Gallerte da» Bist, von FerhilNstnd Bol sah, wie Joseph seinen Batet dem Pharao vor- Mt, ging mir daksribe vor all« auderm am erst« ein, wohl ür der Erinnerung an di« Bklder im HrimathShanse, und e» ist in der Thal sehr wirksam, wie Bol die Gegensätze gefaßt hat: hi« der weichliche, zerlaßen aus seinem Throne sitzend« Ägyptische Fürst, rar ihm der edle Erzvater, durchgeistigte« Antlstze», und zwischen ihn der jugendlich-schöne Joseph. Ins Haus« mespe« Onkel» Rendel, der sogar eine tapezierte Stnbe uzh. esnSopha hatte, hingen Bilder mit der Geschichte der Genovefa. Genovefa und Joschh von Aegypten verklangen sich iv meiner Phantasie. Drob« auf der Mnen Anhöhe beim Brunn« wohnte »ei»e Tante Beele und in ihrer Stube hingen Spottbilder aus Napoleon. Ich weiß bestimmt, daß man mir dm'Rri» unter rm Bilde sagt« und daß ich ihn auswendig lernte — er altr entfall«: ich fche aber noch, daß ein Mann in grauem Rock »it drei«M»W Hut und Höhen Stiefeln im Straßenloch watete. Auch besaß sie «in Bild, da« mich sehr viel Äagte. 6» war ein Lexirbild mft senkrecht gestellt« lineal- »äßlg« Blättern; ««ick. man da» BiL von stich» ansah, stellte «I ein« Hirsch, von recht» einen Jäger dar. Wa» e» gradcM zeigte, weiß ick, nicht »ehr. N«.mäg ergründ«, wie dies« verschiedenartig« Bilder öms eine Knävenphantafie wirk«? In mir erwecktm fir eine eigene von andem unterschiedene Empfitümng._ _ Ich hatte bi» zu meinem dreizehnten Jahre anßer dm Schulbüchern kein cache^^^^i^von JllNstrationta war . äußerst «ßtichsttzstt Lind [ geschieht« gdb Mb hpunn 1 damal« M»M «och^M^A I» »o ich ei» war, belrochtet» ich stst lauge bU g I gemalt« Löwm. mit auSgestrecktrr rother Zunge, die hib« 1 und drüb« mit ihr« Tatzen die beid« Tafeln der zehn Gebote hielt«. I« der Elternstube war noch ein Os«, daran da» württembergisch« Wappen mit Hirsch und Löwe abgebildet war. Diese brivm gab« mir die erst« Eindrücke von plastisch« Kunstwerk«. In» Dorf kam der alte Gla»sammler von TuunuelSberg, er hielt mit seinem Karr« auf der Straße, die Kinder brätst« ihm zerbrochene Scheib«, Flasch.« und Gläser und erhielt« Bilder dafür. Wir Judenklnder durften nicht zu ihm, leim tt verschenkte nur Heiligenbilder. Eine Gespielin von mir, de» bmachbart« Schreiner Kuch» Mechttld«, zeigte mir einmal ei« in ihr Gesangbuch gelegte» Heiligenbild au» einem rothea durchsichtig« Stoff und sagt«, e» in der warmen Hand haltind: „Schau, wie e» sich zusammmrollt. Ta« ist von Mrnsü»«- haut!" Ich hatte nun noch mehr Furcht vor dem Bilde, da« doch nur au« einer dünnen Leimschicht bestand. Da die Mehrheit meine» HeimathSdorse» katholischer llionfession ist, war« an Häufe« mck Weg«, off« oder ««ter GlaSrahmen, viele HeiUgenbildcr zu sehen; aber ich weudrie d« Blick nicht darauf, da» war religiöse« Gebot, und t«zu hatte ich schon früh da» Gefühl daß die hier Dargestellt« daran schuld find, daß wir Juden so vielfach himangesrtzt und verspottet werden. Am Ostrradend, wo e« überau» feierlich in unsere» Hnuse zwging, hat man ein besondere» Buch von Gesängen und Gebeten, darin wareu auch Holzschnitte, und unvergeßlich ist mir die Darstellung der vier Kategorien: de» Weisen, mtt Turban nick mächtigem Vati- und stattlicher Erfchriäung, de» Frommen, mit Lchlapphut und Kaftan, de» Einfältigen, der so erbarmungswürdig dreinsteht, Nein und dür ttg, und de» Bösewicht», der ein Schwert hat und Schild und sflügel auf dem Helme und «it dem «in« Beine auSfchlägt wie rin böse» Pferd.') Ich mußte aber damal» schon rin Gefühl von Proportion und Perspectiv« gehabt haben, denn bei dem Bilde, da» Mose» darstellt, der mit einer Keule dm bis« Segypter todtschlägt, sagt« ich, auf d« Hintergrund der mehrstöckig« Häuser und de» hohen Thurme» deulmd zu meinem ältesten'Bruder Maier: „Der Stock ist ja höher al» der Thurm," und er sagte: „Du hast Recht, aber bete weiter." Mein Britder Mater sah schon von Kindheit an in «ir d« Mann gelehttm Berufe«, natürlich ein« Theologen. Er war rin gar milder Mensch, der sich al« Ochsenhändler sehr unglücklich fühlte, er wäre gem ein Gelehrter gewesen, und an SamStagm und Feiettagen la» er viel, besonder» die Schrift« von Mose« Mendeösohn, die er aber str«g vor mir verbarg. dleben den Anschauungen de» unmittelbaren Dorflei»«» war nieine Jugend ausschließlich mit alttestamentlichen Vorstellung« angesüllt. Ich glaube, daß ich 16 Jahre alt »oar, ehe ich klar wußte, daß e» je Römer und Griechen gegnb« habe. Eine Erzählung au» der Bibel wnrde mir schon al» Kind, zu einem deutlich gedacht« Bilde. E» wird erzählt, daß der Erzvater Isaak im Zelte krank lag, und da sagt er sei«« Sohne, er möge ihm ein Wild erjag«, e» zuberrit« unt> er wolle ihn segnen. Al» nun der Sohn in da» Zelt tritt, mst ihm der Bater zu: „Mein Sohn, Dein Athem * *) ist der Athen» de« Felde«, da« GM gesegnet hat." Ich sah e« ganz deutlich: da liegt der alte Mann in der dumpf«, verschloß«« Hütte; fein Sohn kommt herein und eine Luftschicht von W-Ügeruch und Feldlust dringt mit ihm hinein und der Alte athmet die Frische von da draußen. »> De» Ardächtniffe de« taMn* Hab» sich kic «lder mehr aU ihr« Nanientträgtr «inpeprttat. Rntrr bar „»i«r Sbhnrn" befindet sich tri»-„Fbovouer", sonder«: et» vetser, «in ttbsnoicht, «in Sinftltiger « «in MÜNnditzer (kn nicht »» fra--» k«rft»ht). Der betc. v«r« l«i«nes. »7. »7.) Imfc»: „Ci roch k«n G«r«ch seiner Kl«tk«r... und sprach: 6r«he, k«r »«auch mtmet «aha,» ist »it k«r'G«rnch M AUk«« n. s. Da Jaiob |c nicht in »atkc * mar Md chsaa'* ^tleikrrn" kir ». — Di« kichiertsch. Ptzamtasir «r»«h. In mA wtft KomIi. Wk Jini wAt