Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 28.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 28.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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sauste. Er haftedamals gerade di« Brrwaltuug feiner Güter ftbenummen. „ES ist gut, daß er mir gerade jetzt begegnet," sagte Schwule zu seiuem Reisegenoffen, „bw Schmerz hätte «ich sonst ein« Zeit laug lässig gemacht." Ru» stand Schwule allein in der Welt, aber er arbeitet« so fieberhaft fort, d» «ußte er eine große Familie ernähren und toatb so allmählig ei» wohlhabeuder Mann. Und «eil er dabei auch tüchtig und ordentlich war, so gelang es ihm trotz seiner Einäugigteit, eine der reichsten Erbinnen der Stadt zur Fm» zu bekommen. Ru» gründete er ein große» Geschäft mit ausgedehnten Niederlagen «mb mit einer glänzenden Firmataftl: „Gemischte Waarenhandlung von Samuel Rumfficin" Und als er damit sich «och nicht genug Arbeit geschafft hatte, «tablirte er daneben »och ei» großartige« Weingeschäst. Jetzt erst zeigte Schmule so recht, «velche ungrheure »rdeitskntft und Entschlossenheit in ihm steckte. Sr durchreiste Deutschland und Frankreich, dann Rußland und di« Moldau schuf sich überall neue Ankauf»- und Absatzquellen. Rach zehn Jahren galt er al» einer der reichsten Kaufleute der Gegend. Da starb seine Frau, nachdem sie ihm ein Töchterchen geboren Run brachte Schmule einen neuen Plan zur Ausführung, er verkaufte feine beide« Geschäfte mit großem Ratzen «mb wurde Getreidehididler. In Podolien, Beffarabien und der Moldau kaufte er an und nach dem West« verkaufte er. Rnr bet eine« Gutsbesitzer kaufte er nie, bei dem Baron Wladislau» Polanski, obwohl ihm der Verwalter desselben dringend ei» günstige» Angebot machte. Der arure Mann war «Lnuich in beständiger Verlegenheit, wie er die ungeheuren Summen, die sei» Herr brauchte, zusammenscharren sollte. Den», wa» dem alten Baron trotz feiner Verschwendung kaum getunge», da» brachte Wladirlau» glänzend z» Stande: er verspielte in jedem Monate soviel, al« er im sichre rinnahm. Seine Gattin, eine Dam« au» französischer Familie, that gleichfall» redlich da» Urige, den ungeheuren Reichthum de» Hause» zu untergrabe«. Und so war der Verwalter in Rüthen und Schmule wäre ihm schr gelegen gaoesen Aber dieser lehnte ab und erwiderte mit sonderbarem Lächeln: ^ch Hab nur einmal vor sünsundznuuyig Jahren da» Wort gegeben, daß ich vlit Ihrem Herrn nur «in Geschäft ans Erden abschließen will. Und da» Geschäft ist noch nicht reff. . ." Die Zeit verging, Schmule ward immer reicher, heirathete «oieder et« Frau, die ihm große Mitgift zubrachte und dann kam da» Jahr 1848 heran, unb in diesem wilden Jahre ward an« de« reichen Man« ei» Millionär. Herr Sigismund Runnftein, wie man ihn nun, wo er so reich war. allmälig respektvoll zu nennen begann, hatte die Verproviantirung der Russen in Ungar» übernommen und dabei ein ungeheures Geschäft gemacht. Bon da ab setzte er sich zur Ruhe und erwiderte immer, wen» man ihn zu einer neuen Unternehmung einlud: „Ich warte!" Er hatte nicht lange zu harren. Man kann auch mit etnem riesigen Vermögen fertig werde», wenn man ei« riesiger Verschwender ist. Zwei Jahre noch, und Baron Wladislaus sammt Gemahlin konnten nicht mehr in Paris leben und auch in Z, wohin sie sich zurückgezogen, hatte das sei« Schwierigkeit. Denn von all ihre» Gütern gehörte in Wahret kein Grashalm mehr ihnen, und von allen Seit« drängten die Gläubiger auf sie ein. Die Baronin kehrte zu ihrer Familie »ach Frankreich zurück, und der Barm, der wohl oder übel zurückbleiben mußte, suchte seinen Trost im Champagner und dann in der Schnapsflasche. Da konnte er plchzlich freier aufathmen, das Drangen der Gläubiger hörte mit einem Schlage auf. Schmule hatte alle Wechsel und Forderuugm an sich gebracht und sei« Millionen daran gesetzt. Da» ist da« erste schlechte Geschäft, da» Schmule Runnftein in seinem Leben gemacht, sagten die Leute und wunderte» sich darüber, und noch größer ward ihr« verwundern»-, al» Schmule anscheinend gar keinen Schritt thai, sei« Förderungen hereiuzubringen Aber dieser war nicht uuthätig. Er hafteeiuMajestäts- «such au de» Kaiser gerietet und um die Gnade gebeten, Güter erwerben zu dürfen. Den» damal» durfte» die Jude« in Galizien keinen Grundbesitz erwerben. Er war sflbst nach Wien gereist, sei» Gesuch zu unterstütze». Aber t». war vergeblich „$df ich «im» Mord begangen," sagte Schaufle, al» er zurüLam, „ich hätte «ich vielleicht frei mache« können. Aber diese» Sine ist nicht zu erreichen." Daun ging er lange Tage brütend umher, er kämpfte einen schweren Kampf. Endlich war sei» Entschluß gefaßt, er trat vor sein Weib hin, «flehe» er sehr liebte, und sagte zu ihr: „Ich bin entschlossen, «ich taufen zu lassen und Christ zu «erden. Erschrick nicht, weine nicht — hör« «ich ruhig an. Ich muß es thun Mein ganze» Leben wäre sonst et« Lüge, ei« Narrheit, eine verfehlte Spekulation. Ich muß die After des Polanski erwerben. Ich Hab« entbehrt und gearbeitet, wie vielleicht noch nie et» Mensch auf dieser Erde. Aber ich will nicht meinen Loh» dafür, ich will nur mein Recht. Mo — es ist keine Frage, daß ich e» thun muß. Aber Dir stelle ich e« frei. Wie schr Du mir lieb bist, brauche, ich Dir zu sagen Aber dennoch erklär« ich Dir — ich füge mich, wie Du es entscheidest. . ." Auch sie liebte ihn schr, aber sie konnte den Glauben»- wechsel nicht über'» Herz bringen. Sie schieden. Schmule trat zur katholische» Kirche über und nah« de» Rame» Sigismund Ronnicki an. Auch sei« eben herangeblühte Tochter au» erster Eh« ließ sich mit dem Later tauft» uftd erhielt den Namen Maria. Welche« ungeheure Aufsehen diese» Ereigniß i« ganten Lande erweckte, läßt sich gar nicht beschreiben. Am Tage »ach der Tauft macht« Schmule all« sei« Forderungen gegen Wladislau« geltend. E» geschah, wa» vorauszusehen war. Die Güter käme» zur Feilbietung, und Schmule erstand sie. Der Baron verschwand — mau «ußte nicht, umhin er sich gewendet hatte. Schmule zog auf da» Schloß bet Z. und lebte dort mit seiner Tochter Maria. Im Jahre 1854, al» der Staat rüstete und sehr viel Geld brauchte, kaufte sich Schmule um ei« ungeheure Summe die Freiherrenwürde. Aber noch, sagte er häufig, habe ich nicht mein ganze» Recht — e» fehlt noch etwa». Auch diese» sollte der seltsame Mann erlangen. Man erfuhr eine» Tages durch die polnische« Zeitungen, daß der unverbesserliche Vagabund und Trunkenboll» Baron Wladirlau» Polanski durch einen edlen Wohlthäter für Lebenszeit versorgt worden sei. So war e» auch. Der „edle Wohlthäter" war der Baron Sigismund Ronnicki. Er hatte de» Vagabunden in Lemberg im buchstäblichsten Sinne de« Worte» von der Straße aufgelesen und gab ihm auf seinem Schlofft ei« Zufluchtsstatt. Rur keinen Schnett»« bekam er. Und warum? „Wenn er Schnap» trinkt," sagte Schmule, „so denkt er nicht nach Neid er soll Nachdenken. Ich will mein Recht habai." Aber der Trunkenboll» that dem neuen Herrn seine» Schlosse« nicht lange den Gefallen Im Hochsommer de» nächste« Jahre» war auf dem Schlöffe ein große» Fest. Baron Ronnicki verheirathete sei« einzige Tochter «it einem magyarischen Adeligen — einem Husaren-Rittmeister. An dem festliche» Abeich gelang e» Polanski, Schnap» zu bekommen Er trank sehr viel und taumelte dann zum Thore hinaus und da» Weg hinab, auf dem'er einst, vor fünfzig Jahren, dem Judenjungen begegnet. Er ist nie wieder ins Schloß zurückgekommen Am nächsten Morgen fand man ihn unten am Fuße der Bergwand zerschmettert siegen Ob er in seiner Trunken'eit de« steilen Abhang hinabgefallen, ob er sich selbst hinabgestürzt, da» bleibt für immer unentschieden Gehst — auch solch« Geschichten geschehe» zuweiftn auf Erden H. Freimund. l»ii« tan „Strl. ZagcH.'O