Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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et» Exemplar anch »ach de« StLdtchen Fraureuth im Fürstenthum Reuß-Sreiz, und da daselbst di« darauf angegeben« Adresse de« „Borstand«» der Synagogen-Gemeinde" nicht existirt, so nah« da» Bürgermeisteramt Frauenreuth'» die Angelegenheit wohlwollendst in die Hand, veranstaltete bei den Bewohnern de» Orte» eine Sammlung und sandte da» Er gebniß dieser mit S Thlr. 12 Sgr dem Unterzeichneten franco mir folgendem Begleinchreiben zu: „Beifolgend empfangen Sie Thlr. S auch 12 Sgr. für Ihre hungernden GlaubenSbrüoer in Palästina, al» Ertrag einer von mir veranstalteten Sammlung unter der hiesigen ausschließlich protestantischen Bevölkerung, mit dem herzlichsten Wunsch«, daß auch da» Wenige reichen Segen bringen möge! Fraureuth, 7. Juni 1874. Ehr. Partsch, Gemeinbevorstand. Eine solch' edle und bumane Denk- und Handlungsweise verdient, ul» ein sehr erfreuliche» Zeichen der Zeit, die weitest« Bekanntmachung. Ich ersuche daher hiemir die wohllöblichen Redaktionen aller pfälzischen Zeitungen, nm gütig« Veröffentlichung de» Obigen. Dürkheim, a/H, 12. ^uni 1874 vr. Adolf Salvendi, Bezirk»-Rabbiner Aus Holland. Ein im „Israelit" veröffentliche» Schreiben bezeichnt oje von „I. W," gebrachte Nachricht, daß die Israeliten in Zütphan zum Königsjubiläum «ine Matze-Maschine geschenkt hatten, al« pure Erfindung. Der Schreiber de» Priese» beschwert fich darüber, daß besonder» auch in Deutschland viele Borurtheile gegen die holländischen Juden herrschten uud durch solche Erfindungen befördert würden. Part» Vom verstorbenen Pariser Rothschild erzählt ein hiesige» Blatt: Der Baron war eine» Tage» bei einem feiner Bekannten, einem Bankier, zum Besuch, der durch seinen Geiz sprichwörtlich geworden war. Während dieser Zeit erschien im Hofe de» Hotel» ein Armer und begann mit näselnder Slimmme ein Bolttlies zu fingen. Dex, Bankier nahm 2 Sou», um Ke dem Bettler durch da« Fenster zuzuwerfen; b-vor er aber da« letztere öffnete, suchte er auf seinem Tisch« herum. — „Wa« suchen Sie, Lieber?„ fragte Rothschild — „Ein Stück Papier, um diese Kupferstücke etnzuwickeln," antwortete der Bankier. — „Ich habe welche» bei mir", sagt« Rothschild, zog ein Billel zu fünfhundert Fr. hervor, wickelte di« zwei Eou» hinein und warf da» Ganze dem Bettler zu. (Verl. Tgbl.) ftiaiakl. Während im „Jüd.Grenzb." einEorresp. au« Ia s s y fich Über die Nutzlosigkeit der Misfion de» Hern: Smoiensky, in Rumänien Schulen zu errichten, auSläßt, und seine Reise al« verfehlt betrachtet, — der Lorivurf, «arunl man nicht mit rumlkstischrn Juden selbst über Berbefferung chrer Lage eoiiferirt, ist hinfällig, denn der Brüsseler Eouferenz wohnten auch intelligente Juden an» Rumaiti« bei — berichtet „Hamagid" von l>ea überaus glänzenden Erfolg, von dem Smolensty'» Auftreten in Bukarest begleitet war. Da» von chm daselbst eingesetzte Somit« habe in wenigen Tagen Zeichnungen in Höh« von 82,000 Frc». zum Fond« für Errichtung von Schulen und Seminarien aufgebracht — In vraila wurde am 24. Mai «ine jüd. Gemeindeschult eröffnet, in welcher die Knaben außer im Hebräischen auch im Rumänischen und Deutschen unterrichtet werden. Feuilleton. „fBmtou Sch««le." Eine wahre und nachdenklich« Geschichte. Wenn »an au» Podolien in die Bukowina fährt, oder in die Moldau, so sieht man gerade an der Grenze, wo Me Straße bet Z. den Dutefter überschreitet, auf einem'Hügel «in stolze» Schloß lieg« mtt hohen, weißen Rauer« und blinkend« Fenstern. Ein prächtiger Garten umgiebt e» und zieht sich deN Hügel hinab und weit in die Ebene hinein. Da» ist Relleicht der schönste Herrenfitz in Podolien und sicherlich der reichste. Er gehört dem „Baron Schmule", wie er überall genannt wird, dem Manne, der einst Schmule RuMstein geheißen uud jetzt der mächtige Freiherr Sigismund von Ronnicki ist. Der Mann hat ein« großen Weg gemacht er ist wit ein Pfeil nach seinem Ziele geschaffen. Da» gelingt nur wenigen Menschen. Denn die meist« find wie ein Kreisel, sie bewegen fich viel, laut und rasch, aber sie dreh« sich immer um sich selbst herum und komm« nicht von der Stelle. Der Pfeil macht nicht mehr, nicht lautere, nicht raschere Bewegung, aber schießt immer auf sein Ziel los. So Baron Schmule. Er hat sein Ziel fest in» Auge gefaßt und ist sicher darauf zugeschrittm, obwohl er nur — ein Auge hatte. — Aber — auch er war ursprünglich ein Kreisel und nur durch ein Ereigmß ist er zum Pfeil gewordm: dnrch ein« Peitschenhieb. Es ist eine ganz sonderbare Geschichte . . . Bor mehr als vierzig Jahren war'», da lebte in Z. eine blmarnre Wittwe, die sich und ihr« Sohn durch ein Gewerbe ernährte, von dem zwei Mmsch« in einem so klein« Städtlein schwerlich satt werden — sie war eine Zuckerbäckers«, Diese Fra« hieß Miriam Runnstein. Der Sohn Hali der Mutter, kamn, daß er geh« und rechnm konnte: er war der Berkäufer der Waare. Unermüdlich lief der kleine Schmule durch die Straßm und rief: „Kaust Flad«! Flad« und Zuckermandeln! Kaust! Kaust!" Aber e» giebt wmige Rascher in der „Gaffe" und Hochzeit« und Beschneidungen, wo man eine Zuckerbäckerin ins .Hau« nimmt, kommen auch nicht täglich vor. Die Kreuzer stoffen nur sehr spärlich in die kleine Wirtschaft, und der Hunger thut weh, und der arme Schmule weinte oft bittere Thränen über sein« süß« .Kram. Di« beste Kundschaft, di« er hatte, wohnte eine hälbe Meile vom Städtchm, hoch oben auf dem Schlöffe. Diese» Schloß gehörte damal» dem Baron PolanSki, Alfrt Polanöv, der überaus reich war und trotz seiner Verschwendung fenm mehr verbrauchen konnte, al» da» Erträgniß seiner ungeh«- r« Güter. Er lebt« fast nie auf dem Schlöffe, weil e« ihm da zu still und zu langweilig war, sondern entweder in Pari» oder in Baden-Baden. Und zwar lebte er in Baden-Bad«, wenn seine Frauen Pari» war, und ging nach Pari», wenn seine Frau nach Baden-Baden kam E» war da« ein« friedliche Bereinbamng zwischen dm Gatten, und sie vertrug« sich im Uedrigen ganz gut. Auch der einzige Sprößling au« dieser Eh«, junge Baron WladiSlau«, lebte nicht auf dem Schlöffe, sondern wurde in einer berühmten Jesuttm-Schule bei Krakau erzog«. E« hauste ob« also nur da« Gesinde. Run kennt Ihr wohl da» Sprichwort der Polen: Er ist faul und genäfchhg wie ein Lakai." Da« traf auch diesmal zu. Der kleine Schmule fand immer feine Rechnung dabei, wenn er mtt seinem Korb« hinaufgekmchz kam, und machte daher unverdroffm in Sonnenhitze und Winterkälte den weit« Weg. Freilich bekam er schier zu jedem Krmzer auch ein« Puff, aber darttn «itd ein jüdisch Kind in Podolien mit der Zeit gewöhnt. So war er allmählig dreizehn Jahr alt geword«, und wer weiß, wie lange er noch mtt den Flad« und Zuckennaitdeln seiner Mutter herumhausirt hätte, wäre «lcht fine» Ereigmß eingetrei«, welches ihn au» Knem Kreisel zu eine» Weile machte. Da« war im Angut, an einem sehr heiß« Tage und gegen die Mittagsstunde. Da keuchte Schmule wieder ein»«! dm steil« Weg zum Schlöffe empor und lies fast, trotz der groß« Hitze. Denn diesmal hatte er e« besonder» eilig: '«» war Freitag und im Hause kein Krmzer, den Sabllath zu rüsten. Und wenn der Hunger an jedem Tage «eh tijm, am Sabbath thut er doppelt weh. (Fortsetzung in der BeUoge.)