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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 23. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 23.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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•9 — 189 — Ri Lsltimsre. Bor uni liegt der Bericht des Israel. Waisen Haufe« vom 1. tJannar d. I. Wir haben im vor. flbtkdie Gründung dieser Anstalt berichtet, zn der Hr.''Wiii lltam Rayncr durch Schenkung eines Hauses den wesentlichsten Wtundstein gelegt hat. Seit kaum einem Jahre erst ist« «den getreten, übertrifft das Institut an Vermögen bereits viele europäische Schwesteranstalten, welche seit einem Jahrzehnt und länger bestehen. 15 Linder, 9 Knaben und S Mädchen, ßnd in, der Lnftali; die Einnahmen haben 31,280 Doll, betragen, ungerechnet das Haus mit großem Garten u. s. w. Schon die, Rückseite, des Tüylblatte« zeigt uns ein Pröbchen amerikanischer 'Großartigkeit. ' Wir lesen da die Namen der Borsteher und ihrer Beigeordneten des Waisenhauses, dann den der Aerzte, des Augenarztes und des Zahnarztes, welche am Institut angestellt sind. In der Ueberstcht der Ausgaben, welch«, im Gegensatz« zu unfern deutschen Waisenhausberichten, überaus detaillirt ist, -> finden wir keine Renumeration der genannten Herren Aerzte, sie fungiren also bonorio causa, aber dennoch — wer denkt bei uns an einen Extra-Zahnarzt für Waisentnaben! Eine Kleinigkeit allerdings, aber bezeichnend. i. Feuilleton. Da« Mädchen von Langer. (Schluß.) Er reicht nicht über die freien Kinder der Wüste. Ein Mol dort, verlachst Du die Wuth des blutgierigen Mauren. Im Zelt des Arabers sollst Du wohnen und glückliche Tage sehen Du träumst, Tahara. Wie soll ich dort leben ohne meine Eltern? - SU« ob sie Dich nicht schon in Kaaf erwarteten, erwiderte jene, sich abwendend, ich habe an Alle» gedacht. Fort müssiges Besinne», wage es frei zu sein! Ich soll sie wiederjehn, rief Esther, mit leuchtenden Augen in die Hände schlagend, ich soll leben! O Tahara, edle, theurr Tahara, ich unterwerse mich Deinem Willen. O, wäre die Nacht schon da! Still, sagte die Maurin, aus sich nähernde Schritte lauschend, sei vorsichtig, und laß unfern Plan nicht merken. Leb wohl, auf Wiedersehn! Esther blieb zurück wie betäubt und außer Stande einen klaren Gedanken zu fasten. .Freiheit,'Freiheit, murmelte sie, während sie erhobenen Hauxles im Zimmer aus und nieder ging — und: Ist eS wahr,'Ich'soll sie wieder sehn? 'i > Gut, saß mau > sie allein ließ; ihr freudige« Lächeln, ihre glänzenden Augen hätten sie verrathen. So erwartete sie die Nacht. Die Zeit ging langsam dahin. Endlich wurde es dunkel, die Sterne erschienen am Himmel, prächtig erhob sich der Mond am südlichen Horizont und ergoß sein Licht über die schweigend« Stadt. Sie stand am Fenster tmd zähste die Stunden nach seinem Steigen. Mitternacht war nach ihrer Berechnung längst vorüber, als sich die Thür geräuschlos öffnete. Bist Du bereit? flüsterte ein« sanfte Stimme. 'Sie blickte'auf. Es war ei» junger Araber von edler Gestatt im Turban und weißen Hack; er trug zwei Pistolen tm «ariel und ein Schwert im Ledergehenk. •* Die sehnsüchtig .sie den Retter erwartet, überfiel sie Zittern bei seinem Anblick. Wie soll ich hinauskommen? sagt« sie verwirrt, die Wachen «erden mich sehen. Der Thürhüler ist bestochen, erwiderte er, fürchte nichts, o hold« Blume. Komm, was zögerst Du? Ist Mohammed Bttiwt, der sein Leben für Dich «insetzt, nicht Deines Vertrauens «erth? Ich habe geschworen. Dich »u retten, nie brach «ehtzSohn der Bini-Angad im Guten. «toii*i« Do"t. ^Dkasißen harrt mein Steinzerlkektr, 'mems mMffchittlle Stute; ich setze Dich ayf ihren Rücke», und Du bist gerettet. O Sidi Mohammed, Du. vergißt die gtschloffenen Stattthore. Du, wertb, eines großen Schecks Gemahlin zu heißea, sorge nicht. Meine vierhundert Männer sind um das Thor gelagert; e« wird erstürmt, und wir sind frei. Mein Herr ist tapfer und mächtig, eutgegnete sie nech kurzem Besinnen, aber fern sei es, daß da« Blut von Männe rn fließe, um daS L-bcn eine« Weibe» zu retten. Wunderbare, sagte er ihr näher tretend, 'wat liegt an dem Blut von Sklaven? Bist Du nicht werth, daß Männer für Dich sterben? Komm, und sei mein. Meine Seele ist für Dich entbrannt — seit ich Dich gesehen, gehöre ich mir selbst nicht mehr. Er sprach'« mit dem dumpfen Ton der Leidenschaft. Sie fuhr zusammen und sah chm wie gebannt in das blitzende Auge. Dann wandte sie sich langsam und legte die Hände über das glühende Gesicht. Komm, Geliebte, flüsterte er, seinen Arm um ihren Liib legend. Sie machte sich los und trat zurück. Genug, o Scheck. > Geh, und laß' mich alleiir. Hast Du vergessen, daß ich eine Jüdin bin, zu schlecht für Dricki <temahlin, zu gut Dein«« Wkkbes' Scthvin zu feilt? Wb rette Dich. Nimmermehr folge ich ,Dir aus diesem Haßft- Grüße meine Eltern, ich bckte Dich, Fürst, und verzech Deiver Magd, derm es ist besser, daß sie sterbe. "• ” Was weiß ich von Deinen Eltern? versetzte er finst.i, soll ich lügen, weil Tahara es verlangt«? Für Dich wog« ich mein Leben, für Dich und mich.' '• E« ist beschlossen, entgegnete sie fest. Leb wohl. Er trat näher und faßte seinen Mantel; es schien, als beabsichtigte er sie hineinwickelnd mit Gewalt fortzutragen. Esther beobachtete ihn aufmerksam. O Herr, sagte sie, warum willst Du sterben und meir en Namen mit Schande bedecken? Sieh, ein Ruf von mir, und die' schwarzen Sklaven, die im Hose schlafen, find zur Stelle. Sei großmüthig wie Deine Absicht und scheid«. Du hast Recht, sagte er schmerzlich das Haupt senkend, e« wäre Wahnsinn Dich zwingen zu wollen. Allah sei Dir gnädig, Du Blume de« Paradieses. Leb wohl, o Scheck, der Du mit dem Geschöpfe Gotte« Mitleiden hast — und darf ich noch eine Bitte thun? Sprich. Tahara soll nach Tanger zu meinen Eltern gehen und chnen melden, daß ich mich mit ihr versöhnt, und daß es mein Wille ist, daß auch sie mit ihr sich versöhnen. > Sie soll chnen sagen, daß di« Liebe meiner Eltern, meines Bruders bi« zuletzt die Beruhigung meine« Herzens war, und, fügte sie mit gepreßter Stimme hinzu, sie jckll ihnen den letzten, dunkeln Tag genau verkünden, damit ich w<iß,' oaß man mein gedenke. Ich selbst werde zu der Stadt am Meere niedersteigen, Deinen'letzten Willen zu überbrtngen. Der Allerbarmende nehme Dich in seinen Schutz. Und Dich, mein edler Herr. — Es ist wenig mehr zu berichten. Auf dem jüdischen vegräbnißplatz zu Fez zeigt man ein einfaches Denkmal von Marmor, zu dem auch Mauren und Araber wallen um zu beten. Es ist da« Grab der Märtyrerin Esther Hachuel. Eie ist würdig ihres Gottes, ihre« Voltes, ihrer sechst würdig gestorben. Dichter preisen ihr Andenken. Der Fanatismus der Mohätnmedaner verstummt, die Brust de« gebeugt«« Jüdrn hebt sich höher bei dem Namen der Tochter Hachurls.

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