Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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«steift Mische« ftBrifm fich ftihSar «acht, dafür, daß di« begründete Angst der Eltern, welch« au» de« Händen der chirrchtigkeit ihre Tochter fordern^ nicht mehr lange dauern «trd. (Die Rückgabe de« Kinde» ist, wie wir nach dem April« Heft der Alliance i»r. un. in Nr. 18 berichtet, bereit» erfolgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Ueber di« in der Sitzung vom 12. d. M. ge» haltene Rede Laster'» bemerkt die Kreuzzeitung: „Man wird zugeben müffen, daß der Abg Laster auch mit dieser zweiten Gründer-Philippika sein ganz besondere« Geschick zu moralischen Berntchtungsreden wieder bewiesen unv namentlich auch selbst den leisesten Schein eine» Mangel» an Objektivität so zu wahren gewußt hat, daß selbst der Finanzniinister die Andeutung einer möglichen persönlichen Rancüne al« Ueberetlung zurücknehmen mußte. Aber Eine» befremdet un« doch: der Hr. Abg. Laster greift bei seinen Enthüllungen mit besonderer Vorliebe in jene Kreise hinein, die ibm politisch und gesellschaftlich sernstehen. Doch warum in die Ferne schweifen? — Sieht er die „Korruption" nicht auch in den Kreisen gerade seiner politischen Gesinnung»- und Glaubensgenossen? — Wie viel Material würde er dort finden zu weiteren Enthüllungen, und wie vielsachr Gelegenheit zur öffenllichen Kundgebung moralischer Entrüstung, — und dann wollten wir den sehen, der r» wagen könnte, von persönlicher Rancüne zu sprechen. Seiner früheren Rede vom „illegitimen Gewinn" an der Börse fehlt e« heute noch an dem lebendigen Hintergrund«, und an Figuren dazu, und an wiederholter Gelegenheit, si, zu verwenden, mangelt e» doch nicht. Der Abg. Lasker würde seine Objectivität auf eine Über jeden Zweifel erhabene Weise documenliren, wenn er sich auch einmal in diesen Kreisen umsähe nach den Menschen, für die e» nur di« eine Frage gibt, wie viel Procent sie verdienen kömien, wenn auch „mit den Thränen, mit dem Blut, mit dem Ruin Vieler im Volte." Diese hämische Beiaerkungen der „Krruzzeit." erinnern an da» Verfahren der Kleinen auf der Schul- und der Großen auf der Anklagebank, die, wenn fie schon gar nicht» zu ihrer Bertheidigung vorzubringen haben, dann wenlgsten» so viel al» möglich mit hineinziehen wollen. Berlin. Am 14. April feierte Herr H Lewe Nt, ein Mann, der eine lange Reihe von Jahren hindurch sehr thätige» Mitglied fast aller hiesigen WohlthätigkeitSoereine gewesen ist, seine» SO. Geburtstag unter wohlverdienter herzlicher Theil- »ahm, zahlreicher Freunde und Verehrer. — Am 19. desselben Mona«« erlebte dasselbe seltene Glück Hr. M I. F r a n k. Er hatte sein« Jugendnnd ManneSjahre in Berlin, al» Mitglied der grachtetstrn Familien- und Freundeskreis« verlebt, war dann al» Siebziger nach Stettin gezogen, wo er al« langjähriger erster Vorsteher de» i»r. Waisenhauses unermüdlich thätig und frisch wahrhaft Große« geleistet hat. A» ihm hat sich der Weisen Wort über den Ber»: „Du wirst einen Ausspruch lhun, und er wird sich Dir erfüllen," buchstäblich erfüllt. Er hatte oft gesagt: „Ich möchte wohl gern noch solange leben, bi« ich die ersten 20,000 Thlr für unser Waisenhaus voll zusammengebracht hätte", und so ist ' die bestellte Summe, an der damal«noch sehr viel fehlte, von ihm zusammengebracht worden und noch ein paar Thlr. darüber, dann führte ihn Gotte» treue Hand nach Berlin zu seinen Kindern zurück. An seinem Geburtstage begrüßte ihn eine Deputation vom Stettiner Waisenhause und von der verliner Gesellschaft der Freunde, deren älteste» Mitglied er fett 1816 ist. — Haben so beide Männer sich durch Wirken für Wohlthätigkeit ausgezeichnet und wohlverdiente Popularität erworben, so ist es eine Freude, deu Satz, daß „Wohlthun vom Tod« errettet und da» Leben verlängert", auch einmal tu buchstäblichem Stuue erfüllt zu sehe». Au» dem Mund« de» Hru. Frank hat der Red. t« Jahrgang« 1872 di« „Ertzä-luugeu eine» Reuuztgjährigeu" milgühellt. Fileßue. Deu Rabbiner Dr. Isaalfnhn hat et« entsetz« liche» Famillen-Unglück betroffen. I« Zelt von wenig»« Tagen find ihm sech« Kinder (bi» auf ein», welche» nach Altona gebracht wurde,) an Diptherfti» gestorben. Wie wir au« dem „Weekbladet f. R. H." ersehen, ist in Rotterdaia, der früheren Gemernde de» schwer Geprüften, eine Veiletdsadreffe zur Unterzeichnung aufgelegt. Schwacher Trost, dlch haben auch wir nicht« Andere» al» den Zuruf: lorm DTO' 'OfT K. Au» Oberhesse», 7. Mat. (Or.-Eorr.) Unlängst starb in ... (aus Rücksicht auf die un» befreundete Familie müffen wir jede Andeutung von Ott und Personen w«glaffen. Red.) ein Mann, welcher tetztwillig verfügt hatte, oder dessen Angehörige begehtten — denn darüber gehen verschiedene Versionen. — daß er nicht nach jüdischer Weise beerd gt werden solle. Er wurde in elegantem, schwarzem Anzüge, einen Sylinderhut in der Hand, beerdigt, der Rabbiner lat die Leichenrede gehalten und stillschweigend diesen Bruch mit dem uralten, ebenso weisen wie hundertfach von Ehttsten Ix» lobten jüdischen Herkommen fanktionitt. Was sage» Sie dazit? (Au« dem angegebene« Grunde für diesmal gar nicht». R«d.) Alt»»«. Der seit einigen Jahren nicht mehr benutzte Fttedhof der pottugiefisch-israelitischen Gemeind« in der ,'königstraße, an welchem bekanntlich auch die Hamburger <stemeinde participitt, wird, nachdem die bisherige Einfahrt n,dst dem daran brlegenen Gebäude behuf« Aufführung eine« Neubau» verkauft ist, mit einem neuen Zugang versehen werte». Gleichzeitig soll der vegräbnißplatz, welcher vor der Zeit ingelegt ist, al» Altona da« Stadtrecht erhielt, — 1664 — restaurirt. die theil» zertrümmetten, theil« versunkenen Leichensteine aufgettchtet und die Wege begründet werden. Wies. (Stiftungen.) Vom Vorstand« der tsraelitisihen Eultutgemeinde in Wien werden di« Zinsen au« der L. G. Goldstein'schen Stiftung zur Ausstattung armer israelitischer Mädchen im Betrage von 110 st, ferner die Zinsen der HeirathsauSstattung» Stiftung von vr. Max Fttedländer für ein arme» Waisenmädchen im Betrage von 63 fl.; die Zinsen der von Moritz Ritter v. Pollak begründeten Rosalie Polakschen vlindenstistung im Betrage von 42 fl. an eine ertlindeie oder durch schwache» Sehvermögen erwerbsunfähige Frau oder rin Mädchen i»raelitischer Eonfesston (Gesuche bi» 16. Juni); endlich die Zinsen von der Matte Daffinger'schen Armrnstiftung für vier arme Familien im Betrage von je 21 fl. (Gesuch« bi« 31. Mai) verliehen. Brodh, 12. Mai. Nach dem Vorgehen in Mo»«i»ka wurde in Botti, Bezitt Tarnopol, wegen de» Verhalten» bet den letzten Wahlen die Excommunication der mit Juden umgehenden Ehttsten publicirt, so daß die TranSportirung «ine» Kranken nach Tarnopol unterbleiben mußte, weil Nieniand ttnen Wagen dazu vermiethen wollt«. (Telegr. der „N. F. P.") Rom. Der Hostapellmeister Profeffor Juliu» Srlzer wurde am 8. d. vom König Victor Emanuel zur Privat- Audienz geladen und ließ sich baih darauf vor demselben u«d dem Hofe auf einem eigen» au« Wien beschafften Piano hüren. Sulzer's Borträge und Eompositionen fanden so bttftllig« Anerkennung, «ß sich der König unmittelbar vor dem Schluff« derselben bewogen fand, dem Künstler unter den schmeichelhaftesten Aeußerungen da» Ritterkreuz de» italienische« Krc nen- Orden» rinzuhändigen. As» Pole». Die Sesammtzahl der Juden im frülxreu Königreich Polen, dem nunmehttgen Generalgouvernement, beträgt laut amtlicher Zählung von 1871: 814,923, (bei ttner Gesammtbevölkerung von 6,193,712). Hierzu eiste Beilage