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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton. Da» Mädchen vo» Langer. (Fortsetzung.) Er stöhnte dumpf. Ader wa» dann, ml »mm? »Er preßte die Hände gegen den Kopf, al» könne er durch "den mechanischen Druck einen rettenden Gedanken zu Tage fördern. Aber Alles blieb dunkel. Sr stand noch im Hinbrüten versunken, als die Aufseherin hereinkam. Es scheint, Dir gefällt e» bei un», sagte sie lachend, Lyade, daß Du kein Frauenzimmer bist. Aber nun komm, <» ist 3cit. > Mx ghr ifchweignch. ' GuteKiiub, sagte er, alt die Maurin die Pforte auffchloß und chm empfahl, sich ja nicht von der Wach« ertappen zu lassen, wenn Du einst auf Erbarmen hoffst, so erbarm« Dich meiner armen Schwester. Wa» kann ich thun? entgegnet« dt« Me, die Achseln »uckend, meine «Befehle sind streng. Wenn bekannt würde, daß ich ihr jede Rächt mein eigenes Kiffen und meine Decke bringe, verlöre ich meinen Posten. Sieh, sagt« sie auf ein Bündel fccfcuoanb zeigend, damit will ich jetzt dem amten Ding sein« Feffein umwickeln, damit sie nicht zu sehr leid«. Er drückt« ihr dankbar die Hände. Ader, fuhr sie fort, was hatte nur der Taleb? die,Thränen standen dem frommen Manne in den Augen, als ich ihn hinausließ. Wa» ist de»» vorgegangen? Du hast ja zuge- E» zuckte chm durch den Kopf. Der Taleb, ja, der konnte sie retten. Tiefe Still« lagerte über die Stadt. In allen Häusern waren die Lampen erloschen, nur der alte Hachuel saß noch neben seinem Weibe, die von Zeit zu Zeit unruhig aufstand und hinausgiug, um vor die Thür zu blicken. Sie warteten auf den Sohu. Büdlich ließen sich eisige Schutte vernehmen. '' ^tr'isiH, sagte Smkcha,' indem wieder ihren Platz etnnahm. Jsachar kam herein und begrüßte seine Estern. Ein freudige» Achtln erhellte fein Gesicht. Du bringst gute Nachricht, mein Sohn! rief die Mutter. Der Alte blickte überrascht auf. So ist'», entgegnete Jsachar. Ich komme von Moham- >«ed, dem Schreiber de» Kaid. Er ist für unsere Sache ge- «onnen und wird seinen ganzen Einfluß für uns aufbieten Ihr-wißt/er'ist die rechte Hand de» Gouverneurs. Wa» kam er thun, sagte der Alte, da der Kaid selbst »ben iivorstAlungen Don Jose Nico'» kein Gehör gickt? ° Auch er, erwiderte der Sohn, fürchtet den Eigensinn seine» .'Herrn. . Er Hat deshalb vorgeschlagen, nach 3«) an den Sultan zu iappelliren Da» macht er sich anheischig, morgen beim 'Kaid durchzusetzen Dann ist zweierlei möglich, sagt der Ta- 'lrb. Entweder der Kaiser verfügt Esther'» Entlassung, dem lmch in Fez schützt er unser Volk und duldet keine gewaltsame Bekehrung, oder er verweist die Sache vor ein geistliche» Gericht. Und auch in diesem Falle ist der Taleb seiner Sache sicher. Sr hat mir bei seinem Barte zugeschworen, daß kein Mullah in Tanger wagen soll, wider seinen Willen zu stimmen Und wa» wird e» kosten? fragte der Alte. Fünfzig Mitzakel*). Bist Du von Simm? rief Jener, nicht dm zehnten Theil davon besitzen wir. Er forderte die fünfzig Mitzakel nicht für sich, aber ohne da» Geld könne er nicht» auSrichten, sagte er. Ich habe sie versprochen, und wir müffm sie schaffen, fügte er fest hinzn Müssen, sagt« der Alte seufzend. Sivcha war ausgestandm «pch Lotte -qpt,einem in der Mauer verborgeom Schranke einige silberne Becher und Schalm, sonn: zwei goldene Kettm und ein Paar Ohrgehänge hervor, die sie vor ihrem Sohne niederlegt«. Sie warm -ja doch für Esther bchimmt, sagte sie leise. Laß Mutter, entgegnete Jsachar, dm kleinen Familienschatz surüüjchtebend, da» soll da» Letzte fein. Koch habm wir KrritNdr -und reiche Verwandte. Wir wollen doch «in Mal sehr», ob fünfzig Mitzakel Geld sind, wem es dc rauf ankommt, ein jüdische« Leben zu retten. Aber mm laßt uu» zur Ruh.: gehm. Morgen in aller Frühe müffm wir an die Arbeit. Unt so trmnten sie sich. Jsachar voll froher Hoffnung und die Mutter voll Verträum auf dm Sohn. Nur der alte Hachuel wiegte zweifelnd dm Kovf. Aber er wagte sein Mißtrauen ,licht einzugestehen, um sein« Lietm die kurze K:mde nicht zu trüben. Man erzäblt, daß Esther, nüt schwerm Kettm geßPest, acht Tage im lichtlosen Kerker zugebracht hatte, al» «» dem viel vermögend« Einfluß de« Spanisch« Sonsul» gelang, den Gouverneur zur Nachgiebigkeit zu bewege». Er «rülärte sich bereit, di« Sache fallm zu lassen. Denn Tahara war verschwunden; Niemand wußte, wo sie gebliebm sei; die Juden lehaupteten, die falsch« Zmgt« habe sich ein Leide« angethan. Si, wird noch heute frei, sagte Don Jose zu dem altm Hachuel, den er, in sein Hau» tretend, wie gewöhnlich an der Thür sener harrend fanb; geh hi» und fordre Dein Kind in meinem Namm Hachuel war außer sich Er warf sich vor dem Spanier zu Boden und wollte sein Füße küssen. Pfui, .Hachuel, sagte der edle Mam, mach e» mir nicht leid, das, ich Amhetl an Dir nehme. Uedrigm», erst sei Dein Kind fr« i, nachher ist e» Zeü, sich zu freuen. M,in Herr hat Recht, erwiderte der Alt« aufstehend, möge er einen, Vater oerzeihen. Gut, gut, sagte der Eonsul, ihm auf die Schuster klovfend, und melde mir, ob der Ungläubige sein Wort gehastm hat. Al; Hachuel vor dem Hause de» Gouverneur« ankam, saß dies rr wie gewöhnlich zur Mittag»z«st in der Thür«, um Recht zu sprechm- Er hielt ein Schreibm in der Hand, da» er mit zusammengezogenen Braum studtrte; wahrscheinlich hatte e» der laiserliche Soldat überbrachl, der ebm abgestiegev war, und ein:n dampfenden Grauschimmel am Zügel hastend, auf Befehle zu wartm schien. Guaoiger Herr, sagte der Jude, sich zitternd bi» zur Erde verneigend, der angesehene Herr, der spanische Consul, wünscht dem mächtigen Kach Heil und Friedm und schickt Deinen unwürdigen Knecht mit der Bitte — Dr Gouverneur blickte auf; dem Alten blieb da» Wort im Hal e steckm. Muß sich der Nazarener eine» solchm Hundesohnes btdienm, w<»n er mir eine Botschaft schickt? Allah verlirerme Deine Großmutter, wa» willst Du? Meine Tochter — stammest« der Erschreckte — Eli ist zu spät, sagte der Kaid; ich habe Befehl« vom Sultan (Gott haste ihn gesegnet) Morgen früh schick ich sie »ach Fy. A .-mer alter Mann. Er bedecke sein Gesicht mit den Häuden und brach , lautlo» zusammen. Der Kaid, nach!>em er ihm eben gleichgüstigen Blick zugeworfen, oertteste sich wieder in da» Pergament, dessen Lectüre ihn nicht zu erheitern schien, denn ei fing an,vor Zorn an der Unterlippe zu nagen und stecke ,» endlich unwillig, aber nicht ohne «» vorher ehrfurchtsvoll an die Lippen geführt zu haben, in die Fast« seine» Gewanl>es. Tann wintte er bedeutungsvoll-dem Thürsteher. Ter trat hinzu und berührte den am Boden liegenden Hachuel. mit seinem Fuße. (Forts, folgt.) *) SUa>{!«aif4<* »oldsttue.

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