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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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139 — W Ä* ich»» allx Mglttder unsere, pmtia^t ch» »rnwttptr« dtU anzehüren, so daß du Gemeinde al« solch« ihrer Berpsitchtung der Wohlthätigkeik genügt und die Bedürftigen durch all« ihcc Mitglieder unterstütze« läßt. So lauge nur ein Thetl sich für den Bettrag zur Passe erklärt, hätten wir kaum dst Berechtigung, dem Armen zu wehren, «in Hau« aufzusuchen, da« ihm vielleicht selbst «ine Spende zufiirhen lassen möchte." Frankfurt ll. M-, 12. März. (Or.-Torr.) Lu« dem soeben »eröfftirlichten neunten Recheuschast»berichte der ,^vkava", de« Verein» zur Unterstützung Hilf«bdürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witt wen und Waisen in Deutschland gewinnen wir wieder die Ueberzeugung von dem immermehr wachsenden Gedeihen und segensreichen Wirken diese« wohlthätigen Verein«. Am Schluss« de« Jahre« war die Verwaltung im Stande, den Betrag von fl. 3135 unter 23 Mitgliedern, theil« Familien, theils alleinstehende Personen — zusammen 30 Theile —, sowie st. 111 15 kr. au« dem Reservefond zu venherlen, nachdem sie im Laufe de« Jahre« bereil« di« Summe von fl. 451 30 kr. au« letzterem an Unterstützungsbedürftige verausgabt hatte. Es war der Verwaltung somit möglich geworden, vom Januar 1873 di« dahin 1874 die Gesammtjumme von fl. 8697 85 kr. an Hilfesuchende zu verabreichen. Dabei hat sich der Kapitalgrunvstock von fl. 18,755 auf 23,250 gehoben. Auf Grund dies;« erfreulichen Ergebniffe» wiederholt in dem Vorwort zu dem Berichte die Verwaltung ihre dringende Aussorderung an die israelitischen Lehrer Deutschland«, durch Beitritt zu dem Vereine sich sowohl selbst die Aussicht auf Unterstützung in Tagen der Roth zu eröffne», al» auch ärmeren und bedürftigeren BerufSgenossen dadurch einen erwünschten Beistand zu leisten. Di« Verwaltung inacht ferner noch daraus aufmerksam, daß dl« geringen Mugaeber-Beiträge tu keinem Verhältnlß zu den Leistungen de« Verein« stehen, daß mit dem verzögerten Eintritt die Höhe der Einkaus«>umme sich steigert, und daß bei vorgerücktem Lebensalter die Aufnahme unmöglich wird. Zur beffern Kennzeichnung de« Zwecke« und der Wirtsamktlt de« Verein« ist dem Berichte ein Auszug aus den Statuten deigefügt. Di« Verwaltung hat tyrui ständigen Sitz in Frankfurt am Main. Der Vorsitzende Herr Adolf Tedlär, Lehrer an der i«raelirische,t Realichulr daselbst, ist zur Annahme von Beitrittserklärungen und Geschenken für den Verein, sowie zur Erlhrilung jeder gewuujchtrn Auskunft jederzeit bereit. W»r machen angelegentlich auf di« humanen B»strebungen diese« Verein« aufmerksam und empfehlen dessen Fürdederung und Unterstützung allen hochherzigen Menschenfreunden auf« Wärmste. fllkarktrch. (Sie Maire aux Minea.) Der Sladtrath hat auf Antrag de« Maire einstimmig beschloffen, einen Platz an der Spitze einer neuen Straße zu einer neuen Synagoge kerzugedrp iyit> ferner eine Subvention von Frc« 6000 zu bewilligen. Diese Handlung ist umso verdienstlicher, al« wie bisher hier ncch nie etwa« erhalten hatten. (Un. J«r.) Amsterdam. Herr S. H. visier, Kaufmann in Gürinchen, feierte am 11. März seinen 101. Geburtstag. Derselbe ist noch jederr Tag thätig in seinem Geschäfte. (R. I. W.) Jerusalem. R. Aslruc (Jakir) Giron, ehemals Oberrabdiner von Eonstantinopel, welcher auf diesen Posten verztchrel hatte, um seine Tage in Jerusalem zu beschließen, ist daselbst gestorben. Rie har ein Ehacham Baschi Ehren von Seüen der Pforte gleich rhni genoffen, der Sultan verlieh ihm hohe Orden und hatte ihm hohe Stellung angewiesen. Er hat kein hohe« Alter erreicht. S. A. Ujheltz. Der „Pestcr Ll." meldrt den am 4. d. M. erfolgten Tod de« Oderradd. Irrem. Löw. Er starb t» 68. Lebensjahre nach kurzem Kranksein. Er gehörte zu den anerkanntesten Talmudgelehrten Ungarn» und znr streng» orthodoxen Richtung, aber von de« Partetlreiben der Schomrr tzqstejh hqt er sich fern geholtem T. verlad, 10. April. (Or-Eorr.) Die Hoffnung, der ich, gestützt auf die Verheißungen de« Ministerpräsident«»» im vorigen Schreiben »»»gesprochen habe, hat sich nicht b» stätigt, der tz. 8 ist nicht aufgehoben und auch nüht «etter vertagt worden. (Wir bringen die kurz vor Schluß de» Blatte» eingm gangen« Torr, im nächsten vollständig.) C*Bfta»ttl»|cL Eine Beilage der „Levant. Time»" brin^ un» (ftanzüsisch) einen Hirtenbrief de» Erzbischof« »oN IWf stantinopel und ökumenischen Patriarchen Joachim, mituntetzzeichnet von den Erzbischöfen von Sifttu», Thesialornch, Sa» ret, Lemno«, Derkon, Arta, Maronea und Belgrad. Nachdem einlettend die der Nächstenliebe al« erst« Pflicht uud bestes Kennzeichen eine« wahren Ehriste« «mpfohlxn wort«», heißt e» weiter: Bon diesen Grundsätzen beseelt, hat bi« große Kirche nie aufgehört, zu verschiedenen Zeiten durch Rundschreiben an die, ihrer geistlichen Gerichl«darkeit unterstehenden Ehristen ihnen anzuempfehlen, mit den Israeliten und andern unter der Aegide unsere« Souverän« stehenden Völkern in Frieden zu leben und hat laut die ärgerlichen Demonstrationeu und Eonflicte mißbilligt, welche zuwellen in verschiedenen Gegenden zwischen Ehriftrn und Judo» staltgefundcn haben, Demonstrationen, die dem Geiste de« Evangeltum«, der christ» lichen Civilisation und den Ansichten der Regierungen voll» kommen entgegen sind." Da da» Osterfest herannaht, haben «>r e« für unsre Pflicht gehalten, eure Sorgfalt anzurufen, damit keiner von unsern christl. Pflegbefohlenen, al»Aufhetzer oderAufgehetzter, sich zu Handlungen hinreißen laffe. welche den Religion»haß zwischen den beiden Rationen erregen können .... sondern mit Allen in Frieden und Liebe lebe." (So der Oberhirt in Eonstantinopel — und bei: Earvinal Rauscher in Wien? Sein die«j. Fasten-Hirtenbries bildet mit seinem Hetzen gegen Juden einen befremdlichen Kontrast zu vorstehenden.) MiScelleu. Die Macht der Gewohnheit. Der Ingenieur P. in Wien, der vor circa «tnein Jahre seiner jetzigen Frau zuliebe den Glauben wechselte und zum Judenlhum übertrat, vermag sich nur sehr schwer in di« Rolle eine« Angehörigen de» auSerwählten Volke« zu fiirdrn. Gar häufig pajstrt r« ihm, daß er in der Zerstreuung seine neu« Religion vergißt und sich selbst nach alter Gewohnheit noch für einen Kathollken hält. So erging «» ihm auch, alb er jüngst al« Zeuge vernommen, wurde. Nach seiner Religion gefragt, antwortete er unbefangen: katholisch, und legte auch, ohne seinen Jrrthnm gewahr zu werden, den Zeugeneid vor dem Eructfix und bei brennenden Kerzen ab. Erft bet einer späteren vrrhandlung kam der Jrrthum zu Tage. Herr P., der sich inzwischen schon besser an sein« ueu« Religion gewöhnt hat, beantwortete diesmal die übliche Frage nach seiner Religion mit: „mosaisch." Präs, (erstaunt): St« haben ja in der Un"ersuchung angegeben, daß Sie katholisch sind? Zeuge: Entschuldigen, Herr Präsident, ich habe mich damal» geirrt; ich war jo gewöhnt daran, weil ich immer Katholik gewesen und erst im August übergelreten bin. Präs.: Erinnerten St« sich daran nicht, al« Sie den Eid nach katholischem Ritu» ablegten? — Zeuge: Rem, erst später, al« ich da» Bureau de« Untersuchungsrichter« verlassen, fiel mir der Fehler ein, doch wußte ich mir nicht mehr zu helfen. Der Gerichtshof erübrigte nicht«, al» nach dem Anträge de» Staat«anwalt« de« geschwornen Eid für nichtig zu erklären und Herr« P. nochmal«, diesmal auf di« Thora und mit bedecktem Haupte, zu beeiden.

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