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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 16.
Article
Beilage zu Nᵒ 16.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mage zur Israelitischen Wochenschrift. -kr. 16. Magdeburg, den 16. April 1874. S. Jahrgemg. Pest, 8. April. Im ungarischen Judenthumc besteht ein Streit, welcher diese ReligtonSgemeind« in zwei Lager spaltet und der von der nächsten Session seine parlamentarische Au«- tragung erwartet. Die orthodoxe« Gemeinden verlangen nämlich in ihren an den Reichstag gerichteten Gesuchen die Auftheilung des ungartsche» israelitischen EchulsondS „nach Maßgabe der schulbesuchenden Linder oder der Seelenzahl der beide« mosaische» Glaubensbekenntnisse"; st« wünschen, daß der Eultuömtaister angewiesen «erd«, einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vor daS Hau« zu bringen und bi« zur Durchführung diese« Gesetze« die Interessen de« Fond« in zwei gleichen Hälfte« an di« beiden ReligionS-Senoffenschaften zu vertheilen. Dt« Entscheidung der Legislative ist im Augenblicke noch zwei, felhast, da eine«theil» eine den Orthodoxen nicht ungünstige Strömung durch da« Hau« geht und die Regierung andererseits entschieden zu dem aufgeklärten Theile der Judenschaft hält. Die« geht in unzweideutiger Weise au« der „Denkschrift" hervor, welche der Secliontrarh Jacob Ranntcher im Aufträge de« inltutministerium« au-gearbeitet hat. Die Denkschrift weist in klarer Auseinandersetzung nach, daß der ungefähr zwei Millionen Gulden betragende Fond« ai« unthetlbarer Staatsfonds zu betrachten sei, welchen die Regierung im Sinne der für öffentliche Fond« bestehenden Normen zu verwalten hat; daß ferner die Jntereffen desselben zur Förderung der israelitischen Schul- und Unterricht«- Lngelegeahetten, insbesondere zur Errichtung eine» Rabbiner- Seminar« und israelitischer Lehrer-Präparandien verwendet «erde» müsse«. Die orthodoxen Gemeinden beriefen sich zwar in ihm» Petitionen auf einen Beschluß de« Unterhauses vom 10. März 1870, welcher den Bestand zweier von einander verschiedenen gleichberechtigte« israelitischen ReligionS-Genoffenschasten anerkennt. Aber der Beschluß de« Unterhauses könne nach der Meinung der Denkschrift ein« solche Tragweite nicht besitzen, ««il der Bestand einer ReligionS-Genoffenschaft im staattpolUischen Sinn« nur auf dem Wege eine« formalen Gesetze«, keineswegs aber durch «inen einfachen Parlamentsbeschluß rechtSglltig constatirt werden müffe. Ebensowenig dürfe man vom Standpunkte de« Junenthum» dem Beschluffe de« Unterhauses die Deutung geben, alt hätte diese« irgend «elchen konfessionellen Unterschied im dogmatischen Sinn« de« Worte« conftatiren wollen; denn abgesehen davon, daß e» noch eine in der jüdischen Theologie unentschiedene Frage ist, ob da« Judenthum «in Dogma kenne oder nicht, wird in der ganzen Welt «meine jüdische Religion, die den Begriff de« Judenthum« volltommen deckend« mosaisch« Religion, gekannt. Uazweifelhast gibt r» auch im Schoße de« Judenthum« verschieden« mehr oder minder von einander abweichend« Riten und religiös« Gebräuche, welch« da» Entstehen verschiedener Stznagogen und Secten zur Folge hatten, aber ein« Trennung in selbstständig« geschloffen« ReligtonS-Brkenntniffe, wir sie in der chrisUiche» Kirche vor sich gegangen, kennt da« Judenthum nicht. Dir Denkschrift weist hierauf den niederen Bildungsgrad derjrnigen nach, wrlche auf «ine Theilung de« Schulfond» dringen. Al« da« im Jntereffe der Aufklärung so dringend nothwendige Rabbiner-Seminar schon an der Schwelle der Errichtung stand, wendeten sich zur „Abwendung der dem alten Glauben drohenden Gefahr" 92 Rabbiner mit einem MajestätSgesuche an den Kaiser. Aber nur sieben Unterschriften diese« Gesuche» waren echt, dt« übrigen rührten von einer und derselbe» Hand her. Dann wurde Alle« in Bewegung gesetzt, um da« begonnene Werk zu hintertreiden. Im Jahre 1888 wurde zu Ragy-Mihalv ein« neue Radbiner-Bersammlung abgehalten, welch« de« Bann über diejenigen auSsprach, die an mm reformtrte« Gottesdienste theilnrhme«. Der aufpBfctt Rabbi von Betzpri» nannte die Beschlüsse dieser «ersammlung eine Exkommunikation» Bulle, und ein anderer jübischer Theologe taust« sie al« Syllabu» voa Nagy-Mihaly. Die Denkschrift räumt jeder jüdischen Gemeinde da« Siecht ein, ihre Rabbiner und die Lehrer ihrer Talmud-Thorasözule zu wählen, ohne an die Eandidaten de« Seininar« gebuiwen zu sein; aber ebenso dürfe man, von denselben Motive« der Religion«- und Gewissensfreiheit ausgehend, den zahlreichen fortschritt-freundlichen Gemeinden nicht die Wohlthat eine« auf mosaisch-rabbtnischer Grundlage, gleichzeitig aber auch auf dem Niveau wissenschaftlicher Forschung stehenden Semiitar« entziehen. Die« — so schließt die Denkschrift — waren bie Gesichtspunkte, welche den Eultu«- und llnterricht«minister veranlaßt haben, in der so lang« verhandelten Angelegenheit de« ungarischen Rabbiner-Seminar« den letzten Schritt zu chun, welchem auch S«. Majestät mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Mai 1873 di« «ndgiltige Sanktion ertheilte. (R. F. P.) 8. 8. Newyork. (Or.-Eorr.) Rev. I»r. Jona» Bondi, dieser treue Kämpfer für Juden und Judenthum, hat am 13. v. M. nach Bollerümng seine« 70. Lebensjahre« seine irdische Laufbahn al» Redakteur de« in Newyork erscheinenden „Hedrew Leader" vollmdet. Sein Leben, sein Wirk«, war in Treue und Wahrheü. B., der früher einem bedeutenden Bankhaus in Dresden Vorstand, verließ vor 16 Jahren seinen Wohnort, sein deutsche« Vaterland und «änderte au«, gleich Vater Jacob, mit dem bloßen Wanderstabe in der Hand, nach dem Lande der Täuschung und de» Trug«. Dort übernahm er zuerst die religiöse Leitung und Führung der Gemeinde Ansche Ehesed. — Rur «in Jahr war e« ihm vergönnt, al« Rabbiner bei dieser Gemeinde zu wirken. Waren auch alle seine Bestrebungen nicht mit dem erhofften Erfolg« gekrönt, so gelang e» ihm doch, den religiösen Fortschritt in Synagoge und Schule anzubahnrn. B. übernahm hierauf muthvoll die Redaktion de« obengenannten Blatte«. Wer, roie Schreiber diese«, ununterbrochen seine Zeitung aufmerksam la», der muß e« bezeugen, daß weder Gewinnsucht noch Heuchelei li» Amerika Hauptartikel) seine Bestrebungen leiteten, sondern daß er nur au» wahrer Reltgtösttät und «armer Lieb« zu seinem Glaub«n»stamme seine literarische Thätigkeit begann und bi« zu seinem letzten Augenblick sor'.setzte. B., au« einer tbfat Familie abstammrnd, ein jüdischer Gelehrtrr im echten und wahren Sinne de» Worte«, konnte sich in t«m großen t.ad«l nie wohl fühlen. Di« Verkehrtheiten der «tngewanderten jüdischen Aufkömmlinge behagten ihm nicht; und doch ermüdete er nicht, bi« zu dem Augenblick, al« dt« NeÜahZett seine« Leben« plötzlich hereinbrach und seine Lebensform« dem Untergang« sich nabte. Al« Mensch, wie al« J»raelit war er ein treuer Rathgeber und Helfer. Durch Wort und Schrift half er, wo zu helfen war, und hat er auch vielfach Urämir geerntet, er blieb fest und unerschüttert. Wie der biblische Jona» kehrte er immer in da» große Ninive zurück und mahnte und mahnt« wiederholt, zu dem Gotte der Väter zurüch,ukehren, und forderte seine GlaubenSgenoffen oft und schonungslos auf, den Prinzipien de« Judenthum« treu zu bleibe». Dt« allgemeine Theilnahme bei der Kund« von seinem Tod«, und die letzten Ehren, welche ihm bet seinem Begräbniß zu Thetl geworden, legen Zeugniß ad von der vorzüglichsten Hochachtung und Verehrung, welch« ihm von allen Parteien gezollt wurde. ' vr. Bondi ist tobt, doch sein Geist Mw sein segensreiche« Wirken lebe fort in der amerikanischen JutenheitI Nickst ein Deakmal von Stein braucht sein Grab zu zieren, andere Denkmäler haben ihm die seltenste Krone, die Krone der Eotteöfurcht, da« Diadem der Wet«hett auf sei» Haupt gesetzt, Kronen, die «immer enrwerthet werde» könnet«. Wer so ,zelebt, s

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