Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 14-15.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^ri4-is.i874. Zsrsrtttischr 5. Jahrgang. Wochen-Zchrist für die religiösen und foeialm Interessen des Judenthums. Sbchentl. 1—1> , «Ofen. Prri« tnd. „(fl*. SiUrmturtL" M'6ft. viertel* ' tfkrt. tri ftflni P«ftL»ter« a. DuchtzandluNOen. timtt Aufatauii; in Deutschland 10 9Urf, Lerannoorrlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. A. Treueofrl» in Stettin. Aaserate »erbe« «tt % Sgr. fit Me breigefpalteu« fetttteUe «der Wrta »au« berechnet. Bei »iebertzslaagea Rabatt. — ftie Mft Saaata« frätz bei der GrpevEcu t« Aagbeburß ein- Vefterretch f, a. RrtnfreUl 1» fttc*., a. Amerika $i j% Dast. tätzrt. vrinttmeraaW. -Hhtreffeabea stade« la eee Nächsten Kammer Lnfnatzate. «(»ckttitn btt I«r. «acheaschrift ia SUgkckurf. Magdeburg, 2. April. Wtar *n MtnM: «ilirl Fries« i» äeipitt. Inhalt. Kettend« «rtiffls »eichicht« und Satzung de« Peßachfeste«. Di» Wallfahrt«« nach «rätz. — Bericht« «»d C«r< Mf)»M»(«l|rat Drutfihland: Gtcttin. Magdeburg. Nürnberg. (Schluß.) Zittau. — Oesterreich: «u, Böhmen. — Frankreich: Pari«. — Niederlande: Brüssel. — Vermischt« und neueste Nachrichten: vretlau. Frankfurt a. N. TepUtz. Smyrna. Lorsu. Jerusalem. Padua. New-Pork. — Lalmudische Senden,en. (Gedicht) — Lest« Beilage t Stwa« ,ur Peßach-tzagada. — Ae»tklet««r Da« Mädchen von langer. — Anserate. — »xtra-Beilager In »ngelegenheit der Palästinensischen Waisenhäuser. — Inserate. Geschichte und Satzung de» PesiachfefteS. Der Auszug aus Egypten ist nicht nur der Ausgangspunkt für die Geschichte de» israelitischen Volke- und seiner Religion, sondern auch der Grundstein für den Ausbau dieser Religion. Da» zeigt schon da« erste der zehn Sinaiworte, in dem an den Ausspruch: „34 bin der Ewige dein Gott", unulittelbar erläuternd und gleichsam die Persönlichkeit festst.llend, die Bezeichnung sich anschließt: „der ich dich aut Egypten geführt habe." So ist sehr vielen verschiedenartigen Geboten und Verboten in der Torah als Mahnung oder Begründung hinzugefügt: „der euch au» Egypten geführt hat." Daher ist in unserm Ritual nicht nur da» Peßach-, sondern e» sind auch die andern Feste, und selbst der Sabbath al« „Andenken an den Auszug au» Egypten" bezeichnet. In Hinsicht auf den Sabbath ist diese Verbindung schon in den zwerten Zehngeboten, im fünften Buch Mose», ausgesprochen. Der Gott, der au» Egypten die Sklaven erlöst, er ist e», der uns Sabbathruhe gewährt und gebietet, der am Sinai sich offenbart (Wochenfest), durch die Wüste die Befreiten geführt hat (Hüttenfest), der zum Gericht un» ruft (Reujahr) und von Sünden erlöst, wie er einst erlöst hat (versöhnungstag.) Also beziehen sich die fünf Feste auf jene erste Thatsache zurück. Wie aber steht e» mit der Beglaubigung und Bewahrheitung dieser Thalsache, steht da« historische Fundament selber noch fest? Jahrtausende hindurch ist die Erzählung nicht in Zweifel gezogen, die Glaubwürdigkeit der Thatsache nicht bemängelt worden. Wir wiffen, daß da» ander« geworden ist; «» ist nicht nöthig, die Zweifel, die Kritiken, die mehr oder weniger vollständige Läugnung de» historischen Charakter» der betreffenden biblischen Geschichten anzusühren. Wa» haben wir dem Läugnrr zu antworten? Nicht» als ein: „Wir glauben e»" l? Allerdings sind die vorlautesten Kritiker, di« in unsinniger NegotionSlust Alle» für Fabel Erklärenden zum Schweigen gebracht worden. Abbüdunge» auf altegyptischen Monu- , menten, Entzifferung von Hieroglyphen und PapyruSrollen, j tiefe Erforschung der altegyptischen Geschichte, Alle» bringt unS Bestätigung d«S Aufenthalt» unserer Vorfahren in Egypten, der Geschichte ihrer Unterjochung und ihrer Auswanderung. Aber damit ist nur der „historische Kern" der Erzählung beglaubigt, und damit ist unS nicht gedient. Wenn dieser Kern sagenhaft auSgeschmückt wäre, so hätten wir eben nur eine Sage. Ein historischer Kern liegt auch in der Geschichte vom. trojanischen Kriege, von den Königen Rom», vielleicht sogar in den Mythen von Herkules und dem Argonautenzuge. Unserer Religion kann aber nicht eine Sage zu Grunde liegen, und nur ein geringfügige« Interesse hätte e» für uni, daß unsere Vorfahren einst in Egypten gewohnt, Ziegel gestrichen und Lehm gebrannt haben. Da» wäre eine antiquarische Notiz, nicht« als eine solche, gleich jeder andern. Die Religion J-raelS geht von der Thatsache au», daß G o t t unsere Väter erlöst, daß er sein allmächtige», freie» und befreiende», gerechte» Walten kundgethan, sichtbar gemacht hat, sichtbar den Erlösten und sichtbar ihren Unterdrückern. Daß eS einen Gott gebe, möchten wir auch ohnedies wiffen, begreifen, ermitteln oder glauben; hier aber heißt eS: „Dir ist gezeigt worden, daß du wissest, daß der Ewige Gott ist, keiner außer ihm!" Nicht Forschen und Wiffen ist Hauptsache, sondern da» Thun — da» gilt auch hier. Um einer nackten historischen Kunde willen hätten wir kein Fest zu feiern, nicht Mazzah zu genießen, da» Gesäuerte hinwegzuschaffen. Und daß wir die» thun, da« ist die Beglaubigung der Thatsache. „Ihr seid meine Zeugen," spricht der Ewige. Wir bezeugen di« Geschichte durch die Satzung, also daß hier, wie überall im israelitisch-religiösen Leben, nicht die Lehre und die Kenntniß de» Schiverpunkl bilden, sondern da» Gebot. Wohlan, wie wäre da» Beobachten der Peßachsatzung zu erklären, wenn die Tlmtsache nicht vollständig wahr und al» Wahrheit überliefert wäre? Da müßte also einmal Jemand zu unfern Vätern gekommen sein — natürlich nicht Mose» zu seinen Zeitgenossen, da» wäre ja Wahnsinn gewesen — sondern trae<o Jemand viel später zu einem jüngeren Geschlechte, und er hätte zu