Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 10. -1874. IsrSrlittsHp 5. Jahrgang. Wochen-Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judeuthnms. S)cbenil. 1—Nj, Baßen. Preis tnri. UrteraturM.* Mi S§r. aierteU jdbrl. bei alle» Postämtern «. Vuchh«ndl»«-e». Dtrecre AusenbNnß: Im tnKdlink 10 9Urf, veArrretch 6 fl, n. ftrantrrfcb 10 Pres., «. Pmerikn »> / Daü. ISHrl. ardnumeronbo. Beraunoonlichex Redakteur und 4,vuu*ntfM Rabbiner Dr. X Treueufets in Stettin. — —«.- Inserate »erben Mit 1 Lgr. für bie breigefaaUen« Petit»eile über ber«n Raum berechnet. Ve, vievertzoUmßkn Rabatt, — Die bis Ganntag früh bet ber Exaebitton in Magbedarg ein« treffenben finben H ber ndchften Nummer Nufnatzme. Oxaebtttan ber Isr. Sachenfchrtft in Magdeburg Magdeburg, 8. März. -für ben Buchhandel: Nadert Griefe in dieiazig. Inbalt. Letten»» Urttkel: Ein iwut« Todrsurtbril über die Juden. — Berichte ««» Sorresponprnze«r Deutschland: Stettin, Rürnderg. «tünchen. — Oesterreich: Wien, «u« Nnqarn. — Italien: Sion — Rumänien: «erlad. — Bermtscht« »«d ««»««Ne Nachrichten r Berlin. Leipzig. Württemberg. Dschanlower. Belforl. Rotterdam. Lonson. Constanlinopel Algier. — Aeutklei»Mt Meier Hirsch.lSchlutz.) — Inserate. Hin neues Todesurtheil über die Juden. Purim erinnert unS an das älteste über die Juden verhängte TodeSurtheil (von Pharao abgesehen). ES ist nicht daS einzige geblieben, aber eS ist sozusagen das großartigste. Schon seine markig« Fassung: „leliaicluuid, laharog uleabbed, auSjutilgen, zu würgen und zu vernichten alle Juden von jung bis alt, Kind und Weib air einen« Tage" — hat etwa» Jinponirende«; rS ist eiil ökumenisches, umfassendes, allgemeine» gewesen, während alle späleren mehr oder w>Niger lokale und partielle waren; eS war ei» deeretum urbi et orbi, rin Befehl für die Stadt (Susa) und den Erdkreis, denn außerhalb de» PerserreicheS gab eS damals keine Jude», und so würde HamanS Urchcil wirtlich vollzogen und daS Andenken Israels auSgelöscht worden sein. Dänin, feiern wir noch daS Gedächluiß der Rettung; die Verheißung deS Buche» Esther, daß die Purimtage nicht aufhören und nitir vergessen werben sollen, ist zur Wahrheit geworden. Wir brauchen u»S nicht zu schämen, wen» wir noch an Hanian denken. Man rühmt sich nicht deS Sieges über einen Feind, den man geringschätzl; Beleidigung, Kränkung, Angriff von Seiten eines gemeinen Menschen wird ein Vernünftiger cnttveder ganz ig-orireu, oder doch bald vergessen. So sind in der That die Namen eine» Apton oder FlaccuS aus aller, eine» Pfefferkorn oder Bincenz Ferrer aus mittlerer, eiinS Rühr oder Hundt-Radowsky au» neuer Zeit nur noch den Echriftgelehnen bekannt, die eine» Sebastian Brunner oder Bratiano werden sehr oald verschollen sein. Anders Haman; er ist ein respcctabler Gegner, er ist ein Genie gewesen. Schon ein Umstand genügt, um dies zu beweisen. Seine Anklageschrist gegen die Juden (Esth. 3, 8) enthält im Hebräischen nur 23 Worte; wenn wir die drei zur persönlichen Rurede gehörigen: bechol medinoth inalchuthecha weglassen, so haben wir nur zwanzig Worte, also die Kürze einer telegraphischen Depesche — und doch umfassen sie, wie schon :Oft «achgewiesen worden, alle» war seildem und je gegen > Juden gesagt und geschrieben, declamirt und erklügelt worden I ist, enthalten Ix» vollständigen Text und Inhalt von zehntausend Pamphleten und dickleibigen Büchern. Soviel — de» PurimfesteS halber — über das älteste Tooesurtheil i.brr die Inden; war ist rS denn nnt dem nenen, d. h neuesten, von dem hier berichtet werde» soll? Der Leser wird sich sicherlich nicht geängstigl haben; e» ist nicht von einem wirklichen TodeSurtheil die Rede, aber eS gilt auch nicht etwa einen Purimschwank", sondern wir haben un» mit dem Urth.il eines sehr ernsten und großen Gelehrten zu beschäftigen. Wir erlauben unS nur, zur Erläuterung de» JdeengangeS und UebergangS, noch eine Bemerkung vorauSzuschicken. H,.man erließ ein wirkliche» und unbedingte» TodeSurtheil, r» folgt keine Clausel, keine Bedingung, unter der die Juden sich von dem Verderben hätten erretten können, er wollt« ihr Blut, la mort San» phrase. Die Zeiten und die Sitten sind aber milder geworden. Schon Antiochu» verorduete: Tie Juden müssen sterben, wenn sie nicht von ihrer Religion lassen. Ganz ebenso lauten unzählige Dekrete geistlicher und weltlicher Machthaber mährend der ganzen Mittelalter». Im weiteren Fonschntt stellte man die Jude» nicht gerade ror die Wahl zwischen wirtlichem Tode und Religiourwechsel, man wollte nicht immer ihren Leib tödtrn „am ihre. Seele zu retten," man begnügte sich mit allerlei Mittel» sanfterer Gewalt, Berlreibung, Beraubung u. dgl. m. Immerhin ab:r wollte man die Juden als solche faktisch vernichten, sie sollten aufhören, als Juden zu existiren. Dann ging mail zu solchen Tovesurtheilen über, welche wir, im Gegensätze zu den faktische» und praktischen, theoretische nennen können. Man bewies, daß die Juden längst todt seien, daß dar Judenihum nur noch eine Mumie sei, ein Scheinleben führe, oder daß sie kein Recht hätten, ferner zn leben und sich selber begraben lassen sollten, versteht sich immer nur als Genaflen der jüdischen Religion, den Leibern uni» Individuen ivollte man damit kein Leid zusügen. Endlich, und dar ist Im» Neueste, hat man bewiesen, daß Jude,« und Judenthum demnächst sterben, auSsterden müssen, unrettbar verloren seien. Also wie wenn die conferirrnden Aerzte am Krankenbett« mit weisem Kopfschütteln einanderzuflüstern: