Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Fe»Met„. Wltiet Hirsch. (Fortsepng.) w®* aber drr verewigte 1» Iah« WU in einer Pro- »eßsache M km Kamm*gni& gegen eine« Beamten J»jG4«a üaßerte,*) Halle bte» die Folg«, daß er ein« Zeit lang in« Ha«»voigtei-Gefängniß kam, dann zur Abbüßung der festgesetzlen Straf« »ach Stettin zu« Festung»« rrest abgrsührt nmrde. Obgleich «an e» chm freisteutt. dahin zu fahren, be- Jand er darauf, de« Weg zu Fuß zu machen, und legte chu Iß Begleitung eine» Sea»darmeu zurück. Nach llberstandener Strafzeit lehrte er wieder nach Berlin znrück, aber tnnerlich Erbrochen. Luch zeigte er bald eine so feindliche, mißtrauisch«, «rgwöhnisch« Besinnung gegen Welt und Menschen, eine solche Abneigung gegen alle» WistentschafUtche, daß er kaum noch »kn Buch auch nur zur Hand nahm. Er verfiel in «in förmlicht« Brüten und ein« starre Lbgeschloffenheit, so daß er auch Bin« seinen eigenen Büchern weder etwa« HSren »och misten wollte. Hatte er schon früher sehr einfach gelebt, so entsagte er nun fast alle« nicht unbediiigt Nothweadigen und führte «in «ehr al« stoische» Leben. Setneu verwandten und Freu»- de» überließ er die Sorge für Obdach und Nahrung, »er» schmähte in Krankheittfällen jeden ärztliche» Beistand und verlebt« so 87 Jahr« in Abgeschiedenheit und ohne alle Beschäftigung. Al» vor etwa 35 Jahren die Lnioersttät Erlange, ihm da« Doctordiplom au» eigenem Antrieb« übersandt«, hoffte «an, daß diese Ehrenbezeigung ihn au» seiner Lethargie «rwecken und der »iffenschaft wieder zurückfiihreu würde — aber vergeblich " Sv bestimmt auch dies« Mittheilungen Hingen, so läßt sich doch von einigen die Unrichtigkeit Nachweisen. Wäre Meter Hirsch 1785 geboren, so hätte er unmäg» lich schon i« fieberen Lebe»«jahrr, also 1773, die jüdisch« Kreisch»!« besuchen können, da diese notorisch erst 1778 gegründet wurde. Wahrscheinlich besuchte er da« Gymnasium de» Granen Kloster«, da« schon damal« in rahmen»werther Toleranz wuch jüdische, armen Schülern den Unterricht in hilfreicher weise gewährt«. In der Hauvtsach« aber war er wohl Autodidakt, wie mehrere seiner jüdische« Berliner Zeit» venoßeg, wie Meter Kornick, der verfaffer eiue» System« der Thronotagi«, wolff »Necheameifter", der nach Danzel da» Vorbild zum Derwisch in Leising'» Nalhan gewesen. Di« Promotion betreffend, so findet sich i» den FakultKtsqcten H Universität Erlange« vom Jahre 1834 kein« Spur von einer Ehrenpromotion »an« riaenem Antriebe." Ein einzelne» Blatt (e» fehlen Meldung, Dissertation, Diplom) ««hält nur di« Abstimmungen einiger Faknltälümttglieder über «tu« Dissertation »über verstand und Vernunft und da» Ber- Sltniß beider zn einander." Dem Doetoranden, der bald t-yer, Meier, Hirsch Meier, Meier Hirsch genannt wird, so daß di« Jdnetttät der Person gar nicht feststeht, wurden nach den gesetzlichen Bestimmungen noch mehrere Fragen zu schriftlicher Beantwortung aufgeg-ben, die nicht« weaiger al» mathematischen Inhalt» waren, wie hätte Meier Hirsch sich p dergiatchen umstanden» und vollend» in der Zeit, al» er vemtbtz.in »Fa« Adgeschioffenheit" »ersallen war. Arago erwähnt in seiner Gedächlnchrrde auf Monge, de« gefeierten vekfaff« dez desstsivtiven Geometrie» de« merkwürdigen Ex. Pmimegth an dem Akademiker Lagny, de« tn schwerer Geiste«- trubygg sang« Zeit kripr Sylv« abzugrwinnen war, der «per» «ist ihm ein Freund plötzlich hie Fragt zurtef: »Wie gzvß ist dag Quadrat von 13?" augenblicklich antwortete j44,".r- Wahrscheinlich war dse »ngediich« Ehrenpromotion Mch« -Hchschs« nur ei» ähnliche» Erperune« der Freundschaft. Dt« msi« gnaerickisige Nachricht über einzeln« seiner Lrb»nöA«Masift find« sch 1> fttnr» aa» vorliegende. Brich« em seine Schwister tn FriesaL ck. +. WmcktN. j)l. Felftunr 1805. Der v.'nf in sehr schöcker jildffchtt Inrrrntjchrift lautet: »Lieb« «ksthwester! Deine vermnthnng ist leider au zn sehr gegründet. Mein mir ewig thenrtt »üd UüBTgeß' ltcher Onkel (vl-ner Httdeshrim) Ist »ichl «ehr Uten dm Lebend««, er fterb an eine« vrnstkrampf im sünsztguon jsahr« seine» Leben» n^ch einer Krankheü von nicht «ehr al» 17 St»«den, ruhig and gelaffe«, wie er immer war, und nachdem er «ährend dieser Zeit di« uuerträgllchfie» Sch werten gelitten. Wie sehr «ich dieser VMlN» «tschüttckt» Mi» heftig -Mt**. durch erregte Schmerz auf die Zerstörung meiner Gesundheit wirkte, kannst Du Dir leicht denken. In ihm vertar ich meinen Vater, meine« Erzieher, meine» Krennd, knrz Alle», «a» mir da» Lrbe» werth machte." Wir übergehen, wa» unser Thema weniger interrssirt und bemerken nur, Meier Hirsch war Testamentikoollftreckei: »nd Legatar. Er erbt« einig« hnndert Thaier baar, da» gaqc Mobiliar und sillte auch ein Kapital von 7—8000 Thal», di« zu« lebenslängliche« Nießbrauch für di« Schweste c de» Erblasser« sicher gestellt waren, nach ihrem Tode «bm. Dia» irr Todesfall trat schon im Jahre 1813 «in, vermickelbr ihn ab» in eine« Prozeß, der chm bei sein» leichte» Reizbarkeit verhängnißvoll «urd«. Zu« Schluß heißt e» in de« Briese: »Ich lebe nun h glücklich, al» ich nur immer oh« »leine, Onkel Iftat kann, Hab« eine Anfwärteri» bei mir, die ab« nur kommen darf, wenn ich zn Hanse bia, eff« Mittagt und Abend» in meir« Nessour« und lebe anständig, frck und unabhängig, in!»«» man «ich um «eine« Unterricht bitte» muß. Bis Osirm wohne ich noch da, wo ich bi»h« gewohnt habe, da», ab« oeräuderr ich nrei» Logi» und ziehe nach d« neue« 'Nünzstraß« Nr. 38, m» ich et» zwar erchere« Loai», aber gnöumiger« Zimm« erhalte, von den mir zngefallenen Mob.iea behalte ich da» Buke, da» Schlecht« «rkanft ich und l„ffr mir da« Fehlend« neu mache». So »erd« ich mir Alle» biss« einrichte«, al» ich tf bi»h«r gehabt Iptfec." Dies« beste« SUuatio« in seine« äußeren verhäst nisten gab seinem geistigen Weien erhöhten Aufschwung und beseelte kräftig seinen Stndienrts«. Die nächsten fünf Jahr« ivare» in d« Thal seil fruchtbar« Thätigkeit. Der Vers, giebt hi« eine genane Aufzählung d« späteren Werke M. Hirsch'« <1804—10 und spät« «rschieaea« Auflagen) »nd bespricht den Jrrthum «der di» ihebv-eilnng, durch «eiche Ht^ch eine von >h« gewacht« Entdeckung angekündigt hatte, lv« « bald nachher selbst als Täuschung erkannt« und berichtigte. Dies« Uebereilung, fähn Löannberg fort, scheint seine« Denkvermögen, seinem Gemüthe, seinem Stolz rin schwere» Lrrhängniß gewesen zu sei». Hierzu sok.m noch zwei Ereignisse gekommen sein» die sein Gemüth vellend« bedrückt und seine» Geist umimchtet haben. Met« Hirsch, so wird berichtet, wäre geraume Zeit Lehrer d« Mathematik au d« königlichen äootv mUitrmv, der jetzigen Krb-asschuie gewesen, sn ab« ütterwartsl an» de« Amt« euliaffen worden, west.« al» Jude zn bcmfcAta keine Berechtige»» hätte. Diese Entlastung habe cha tief gekränkt. I» tlüßmuth und Verbitterung Hab« « sich in dem schon erwähnte, Prozeffe wegen sein« Erbschaft Aenßerungen gegen da« Kamiarrgertchl zu Schulde» kommen laste«, di« " eine läng«« Strafhaft znzogen, zu d«en v«büßung er t» unbeugsamem Starrsinn bei ftrrn»em Wmtrrsrvsi M ' nach Stettin trinsporttrrn ließ. Ütchellbarr, schmechiicht f übel waren dd> Folgen hi«von, und « hat «ährend seine» »och lange» 8 den« Schnhzeng nicht «ehr trage« können. Seit drr S,tles>u» an« d« Strafhaft breitet« d« Trübst», iww« dunkle«! Schatte« üb« seine« Geist. Einen Ei »blick ln dies« traurig« Lag« de» bedanera»- wrrthen Aanivk» gewährt uit» bn jüdisch« Malhemattk« Eentnerschw« Warschau, d« Anfang» 8« |waip04<( 4a Berlin MallnmatE studirt hatte. Ans eftir Nach fr»»«, ob n nicht dawal l «et« Hirsch »«Galich kmun gelernt Hab», antwortet« d« Hochbejahrt«: »Met« Hirsch lob»» zu Zeit Hl M