Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 1» — Z-~:?{p> + , ■ portfut von Tractätlein int Dienste der Gesellschaft befindet. Da» Gebüude allein koste!« 7500 Pf. St. MtiaphiS. Dahier ist feit einiger Zeit dar gelbe Fieber au»gebrochen. Diese schreckliche Krankheit forderte in der israel. Gemeinde bereit» 90 Opfer. Der Nothstand unter den Armen hat eine» hohen Grad rrreicht. Zn allen großen Städten Nordanicrika'S haben die jud. Gemeinden Sammlungen für sie veranstaltet. (Jrio. Mess) Süd Afrika. Einer Korrespondenz an „Jew. World" au» den Diamantseldern entnehmen wir da» Curiosum, daß e» auch dort schon „polnische Schnorrer" gibt. Sie siild freilich nicht „von Schnorrwegen" dahin gewandert, sondern um Diamanten zu suchen, wa» allerding» rentabler wäre, aber sie fallen den dortigen Glaube i»genoficn zur Last. Pari». Bei Schluß de» Blatte» erhalten wir Nr. I de» Arch. Z»r., welche» unter der gewiß wohl berechtigteil Uederschrist „fondation saus prdcedent — eine Stiftung, wie noch kein« gemacht worden ist" die Millheilung bringt, daß Herr Baron von Hirsch in Pari», Chef der türkischen Eisenbahnen, der Alliance Z»r. U»iv. die Summe von einer Million Franc» zum Beste» de» Unterricht» der 1-»raelitisch«n BevSlkernng in der Türkei überwiesen har. Nähere» soll im nächsten Blatte der „Archive»" uiitgetheilt werden. (Herr von Hirsch ist Schwiegersohn de» Herrn Bischoff»- h«i»> ln Brüssel und gehört der in Süddeutschland wohlbekannte» Faniilie v. Hirsch in München und Würzburg an.) Feuilleton. Der Bauer.') (Fortsetzung) Acht Tage nach dem eben Erzählten saß Mirjam Nachmittag« mit einer Handarbeit beschäftigt am Fenster ihre« Zimmerchen», da» »ach der Straße ging. Plötzlich legt« sie dies« weg; der bisher auf der Schwarzwälderuhr ruhig stehende Schmied hatte sechrmal mit dem Hammer an die Glocke geschlagen. Wen mochte Mirjam wohl erwarten, daß sie das Fenster öffnete und spähend di« Straße entlang blickte? Diese war menschenleer — nur ein Bauer ging langsam seine« Wege»; den erwartete sie wohl nicht, denn mißmuthig schloß sie da« Fenster und ging auf die Gaffe. « Al» sie vor die Thäre trat, war der Bauer bereit» hier angekommen, bei deffen Anblicke Mirjam halb erstaunt, halb lachend, die Hände zusamnienschlagend, auSrief: „Aber Ephraim, ist denn heute „Purim," da» Du Dich maSkirst?" Ephraim, der, seinem Borsatze getreu, dir französische mit der ungarischen Bauerntracht vertauscht halte, sagte: „Ich treib« keinen FaschingSpcffen, Mirjani, von heute an werde ich diese Kleider inimer tragen." „Was Du komisch bist! Die —" „Ich wiederhole Dir, daß e» kein Scherz ist," unterbrach . sie Ephraim. „Jetzt konim, ich habe mit Dir zu sprechen." Mirjam folgte ihm in ihr Zimmerchen, wo ihr Ephraim feinen Entschluß anseinandersetzte. Je länger er sprach, desto «ruftrr und trüber wurde ihre Miene, und al« er schließlich fragte, ob sie unter solchen Berhältniffen sein Weib werden wolle, bedeckte Mirjam ihr Gesicht mit den Hände» und — schwieg. „Run?" fragte Epraim nach einer Pause. Schmerzvoll zu ihm ausblickend, sagte Mirjam: „Du , weißt, wie ich Dich liebe und wie ich e» al« mein höchste» Glück betrachte. Dein Weib werden zu können. Aber wenn .■* ■ *) Nevhäizußetretene Ifcoimrittcn «halten «nf Wnnsch di» den j Mnfnnß der -qaytung eoth-Utenden Xummmi »rati» Du e» mit Deiriem Vorsatz« ernst «einst, dann machst Du mich und Dich nnglüälich, denn darein willigt mein Later nimmer!" „Und Du? —" * „Ohne Einwilligung meine» Batrr» werde ich Dein Weib nicht, und sollt« ich darüber zu Grund« gehen." „Er wird nicht so hart sein, wenn aber doch, dann möge Gott mir und Dir beistehen, — ich kann nicht ander». Mirjam im iate an seinem Halse. Nach einer Paus« entfernt« sie Ep-raim mit sanfter Gewalt: „Ich will wiffen, woran ich bin. Ist Dein Later zu Hause?" „Ja, e» sind fremde Kausteute da." „Rufe ihn." Mirjam thit wie ihr geheißeil, und im nächsten Augenblicke trat Hirsch Leeb ein. Mirjam entfernte sich, aber — wer könnte e» ihr verargen — vor der Thürr blieb sie stehen und horchte. Sie hörte wie Hirsch Leeb, gleich ihr, anfang» ob der Markerade lachte, wie er aber stille ward, al» Ephraim redete. und nicht! mehr sprach bi» der Letzter« geendet hatte. Eine Zeit lang herrschte Tovtenstille, — die dann durch einen wilven Fluch ihre» Later« unterbrochen wurde. — Meder lautlose» Schweigen. Mirjam» Herz pochte hörbar, al» endlich ihr Later zu sprechen begann: „Höre an," sagte er, „ich habe mich von Deinen Kin» derjahren an giwöhnt, in Dir den Mann meiner einzigen Tochter zu sehen, ich Hab« Dich stei» lieb gehabt wie einen Sohn, und wie Mirjam denkt, wirst Tu wobl wiffen. Sir hat manche» reichen Freier abgrwtesen, weil sie Deiner wartete, und ich h»br r» ihr nicht gewehrt. Wärst Du heute gekommen und hättest gesagt: ich will mich um ein Amt umschauen, oder ein ehrliche» Geschäft anfangen, nteine erworbenen Kenntilisse verwerthen darin »nb trachten, daß ich e» zu Etwa» bringe, ich hätte mit Freuden ja gesagt. Aber einem Manne, der sich selbst erniedrigt, der, anstatt dchin zu trachten, daß er sein Bermögen vergrößere und sich ein anständige« Auskommen verschaffe, die Thorhcit begeht, sich zum Bettler zu m.aihen, — einem solchen Manne gebe ich mein Kind nicht." „Aber —" „Ich bin noch nicht zu End«! Willst Du also da» thu«, willst Du ein Geschäft, sei er wa» immer für eine«, anfangen, so sollst Du wie bisher, ein willkommener'Gast bei mir sein, veharrs: Du aber bei Deinem Starrsinn, glaubst Du al» G'studirter" da» Recht zu haben, Dummheiten zu begehen, so begehe sie für Dich selber, — aber meine Schwell« betrittst Du nicht mehr. Jetzt entscheid:!" „Ist denn da» Ihr letzte» Wort?" „Mein letzte»!" „Dann haben wir mit einander nicht» mehr zu sprechen. —" Ephraim entfernte sich. Al» er die Thür« öffnete, lag Mirjam vor derselben bewußtlos. Hirsch Leeb ballte die Faust: „Fluch über Dich," rief er, „Fluch über Dach, Du hast nieinem Kinde die Lebensfreude geraubt!" So endete Ephraim» Freiergang. Seine Braut hatte er verloren, aber sich deffen, wa» er wollte, bewußt, blieb er seinem Vorsätze dennoch treu, und eh« einige Wochen vergingen, war derselbe auSgeführl. Er kaufte die, damals allerd ng» sehr verwahrloste „Tanya," auf der wir ihn Eingang» dieser Erzählung getroffen. Der Ankauf diese» Grundstück» und da» theitweije Herrichten der Baulichkeiten hatte sein kleine» Kapital ausgezehrt. Aber al» er mit einem Knechte und nit einer Magd dort emzog, fühlte er sich doch so glücklich, al» ob er von einem Königreich« Besitz genommen hätte. Sein kleine» Befitzthum bestellend, lebte er dor: einkach und zurückgezogen, »ur seiten kam er in« Dorf, unt Einkäufe zu besorgeil und — auf Umwegen Etwa» von Mirjam zu erfahren. (Schluß folgt.) '