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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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schlachtenreich«» Kriege statt: vor Pari«, im Norden Frankreich- und an der Südgrenze deeben entstandenen neuen Deutschland-; und zehn Tage später, an eben dem Sabbath, da die Synagoge den Wochcnabschuitt Bö (Komme!) la- und die Erzählung von dem unter wiederholten Schlägen endlich gebrochenen Trotz »nd Starrsinn, da beugte auch dastolze Pari» da- Haupt und sprach zu dem Sieger: „tritt ein!" — Wunder, die die Hand Gotte« erkennen ließen, gleich denen, welche in den Synagogen in jenen Wochen gelesen wurden, halten wir wieder gesehen. Wunderbarer aber in Wirklichkeit al» alle- Zusammentreffen äußerer Umstände war die innere Wandelung, di« sich hatte vollziehen müssen, bigerade die Männer die Einigung Deutschlands vollendeten, welche vorden» diejenigen verfolgt, eingekerterl oder doch gehaßt und geniieden halten, welche von jener Einigung geträumt hatten. Und wieder einen Tag später, da hieß es: Waffenstillstand! und dann: Friede! Der Jubel ist noch unoergesien. Wir hallen alle-, was wir ersehnen konnte», und halten ein Reich de- Frieden-, »ach außen und innen. Seitdem sind drei Jahre verstrichen, Jahre ungetrübten äußer» Frieden-. Alebenso ein paar Jahre nach den „Befreiungskriegen" verflossen waren, da sang Uhland da» Lied, welches mit der Frage beginnt: „Wakann dir aber fehlen, mein lheures Vaterland?" Er zählt alle- Gute auf, was da- Vaterland in reichster Fülle besitzt, es fehlt — „daalte gut« Recht." Die Fragt ist gewiß heute wiederum nicht unberechtigt, die Antwort aber wird von unnicht als die treffende anerkannt werden. Die Weltgeschichte wiederholt sich nie buchstäblich, darum braucht die Uhlaud'sche, einst richtig«, Antwort nicht wieder zu paffen. Der Kummer derjenigen, die heute ,»ach dem seufzen, wasie daalte, gute Recht nennen, wird unkeinen Kummer bereite«. Aber da ist noch ein anderes Zeilgedicht von demselben treuen ächten Freunde seine- Landes und Volke», einige Jahre nach der Leipziger Schlacht gesungen: „Wenn heut ein Geist hernieder stiege, zugleich ein Sänger und ein Held, ein solcher, der im heil'gen Kriege, gefallen auf dem Siege-seld." E« ist ja bekannt genug, was Uhland den Geist reden und de» Fürsten, den Völkern, den Weisen und den Käthen Vorhalten läßt. Wiederum wiederholt die Weltgeschichte sich nicht wörtlich; wir bedürfen auch keiner so hochpoetischen Einkleidung, wenn aber heute ein Geist herniederstiege von denen, die vor drei Jahren gefallen, so würde er sagen: „Wie! damals haben wir zusammengestanden, Nord- und Süddeutsche, Katholiken, Protestanten, Jude«, Adel, Bürger-, Bauernstand, der Meister und der Handlanger, der Gutsbesitzer und sein Tagelöhner, der Fadrikherr und sein Arbeiter, man kannte keinerlei Unterschied mehr; wir hatten so oft in allen Variationen da» Thema von dem „einigen Volk von Brüdern" besprochen und besungen; alle-, alle- Trennende sollte mit den Leichen der Gefallenen auf ewig begraben sein — und nun steht die religiöse Zwietracht in voller Blüthe!" (Bon der socialen reden wir hier nicht ) Und endlich: Wenn heut ein Geist herniederstiege, nicht der Krieger von 1870, nicht von 1813, sondern von den in der Schule der Lesfing, Göth«, Herder und Schiller Gebildeten, in den Gesinnungen der vollsten Toleranz Erzogenen, so würde er au-rufen: „wohin ist die Saat unserer edlen Meister gekommen? woher der Fauati-mu-, da- Schüre» de» Glaubenshasses, den sie auf ewig verbannt zu haben glaubten? „Deutsche in zwei Feldhaufe» geschieden^ daist aller» ding« seit Jahrhunderten so, aber dawar ja daerfolggekrönte Streben der Geifte-heroen unserer Glanzepochc und der tief in« Volt gedrungene Segen der freieren Geistesbildung, daß ter Unterschied der christlichen Coufessionen als etwa« einmal Bestehendehingeiwmmen, aber durchaus nicht «ehr als Trennendes, oder gar in feindselige Haufen Theilendebetrachtet werden konnte!" Wir haben noch ein paar Worte hinzuzufügen, die unnäher aus unser eigentliche- Thema zurückführen werden. Nach den Befrciun-Skriegen folgte eiu Aufschwung religiösen Leben-, hervorgcgange» auder Noth der Zeit, audem Gefühle der Dankbarkeit gegen Gott. Er führte zunächst wetter auf der Bahn der Einigung, der Versuche, Einigung zwischen den christlichen Coufessionen zu fördern. Den christlichen Con» fessionen! — Die Inden aber wurden in Folge der „Befreiung" und der neu erwachenden christlich-religiösen Gefühl« weit zurückgeworfen. Heißblütige Freunde der neuen christlich-urgermanischen Freiheit und StaatSform hätten die Judei« am liebste» au» Deutschland hinweggewieseu, kaltblütige Diplomaten «nd StaatSwcise schacherten überall mit dem Buchstaben eine» Artikel» der BundeSac:e, wiesen die Juden auS Bremen und Lübeck fort, beraubten sie in Frankfurt der obendrein noch für baare» Geld erkauften Rechte. Bald nachher steckte man Die Urgermanen in die Kerker, hetzte auf jeden altdeitlschen Rockkragen die Polizei — auch die Kirche zog au» dem Geschehenen keinen bleibenden Nutzen. Nach 1870 ist eine, von dem Einen oder dem Anderen nach Analogie der früheren Zeit befürchtete politisch« Reaktion und Restauration nicht erfolgt, wir, die Juden, haben nicht» dem vor 50—60 Jahren Geschehenen entfernt Aehnlichr« zn befürchten oder zu beklagen; die Religiösität, auf die di« KriegScreignisse, die Zeichen der göttlichen Leitung und Vergeltung so vielfach hingewiesen haben, hat nicht zugenommen — der religiös« Hader ist zu einer Hölie angeschwollen, von dem mau vor zwanzig, vor zehn und noch weniger Jahren gar keine Ahnung gehabt hat! Widersprüche, unzus immenhängend« Erscheinungen, gleich wohl Thatsachen! lassen sie sich nicht in Zusamnienhang bringen und erklären? Zwei Denkschriften über die Bersaffuug der Synagogen-Gemeinden in Preuße». Ul. (Schluß.) Auf die weiter besprochenenZweckmäßigkeit-gründ« für die Aufrechterhaltung der Gemeinde-Einheit brauchen wir hier nicht näher einzugehen. E» kann wohl von keinem Verständigen in Abrede gestellt werden, daß die Freigebnng de» beliebigen Au-tritlS ein gefährliche» Experiment sein würde; gegen denjenigen aber, der un» entgegen hält, eS müsse nur versucht werden, es werde schon gehen, ja sogar besser werden als bisher — läßt sich mit Gründen nicht streiten. Lr will durch Erfahrungen widerlegt sein, und wir haben ihm keine solch« «ntgegenzuhaiten, möchten auch nicht, um ihm fa dienen, bedenkliche Experimente vornehmen. Ewird wetter in der Denkschrift angeführt, daß ei» Abgeordneter in brr

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