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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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/ tn — ßolgode» neuerlich oorgdommnui hex tzt» genannt« Verwaltung in ihre« wahren LW» zwtztn'mag, «r Oeffentüchkeft ti übergebe»». Bor einigen Tagen bat ein armer, chmnker Rann, besten Kräfte ans« Aeußerste erschöpft waren, nnb der da« Mtttetd eine« jeden ftlhlenden Menschen erregen «nßte, in gmanntem Hoepitak um Aufnahme, wurde aber mit den Worten, al» deutsch « r Jude fände er kein« Aufnahme, «baewiefen. Durch gütige Hand gestützt, wurde er in ein christliche« HoSpttal gefübrt, und hier, wo man weder konfessionellen »och nationale« Abneigungen Raum gab, wo man in ihm n«r den kranken leidenden Mitmenschen erblickte, hier fand er E' ige Lufnahmk. Zu dem (mild gesagt) engherzigen Berten der sranzöfifchen Judenschaft steht da» Berfahren der tscheu Israeliten in erfreulichem Eontrast. Die letztere» find soelien im Begriff, einen WohlthätigkettS-Berein in» Lebe« zu rufe», welcher der großen Armuth der unteren israelitischen (französischen) Bevölkerung in etwa» abhelfen soll. (Metzer Zettrmg.) Lemberg. vr. Phil. Fruchtmaim (Land, der J-raeliten) wurde bet der Nachwahl in Stryj zum Abgeordneten gervählt. In Softer »> wo vordem und jedenfalls feit uralter Zeit «ine sehr bedeutend« Anzahl Israeliten wohnte, ist jetzt nicht mehr eia einziger JSraeltte ansässig. Di« letzte Israelitin fiedelte vor rialgeu Wochen nach Frankfurt über. Der Friedhof der J-raeliten zwischen Homburg und Seulberg wird nun wohl ganz geschloffen werden, wie längst der i-raelitische Friedhof bei Holzhausen. (Tannu»-B.) . Vrnf. Der hiesig» Rabbiner, Herr Wertheimir, ist zum Profrffor der Philologie an der hiesigen Nniversiliil ernannt »vorder- . Ännstanttnopel. „El Tiempo" veröffentlicht ein Dankschreid«» der J»raeiiten an zwei renommirt« griechische Kausleute, Christaki Zographos und Carapanos Effendi, für deren hochherzige Spenden zum Besten de» israelitischen Wohl- «hütigteit»verein» in Eonstantinopel. Feuilleton. Mirristsr Stet« »nd die Jtrden. Da» Folgende ist mir von dem seligen Herrn Moritz Wasserzug au» Thorn, kurz vor feinem Hinschiiden, erzählt »vorden. Er nannte mir die meisten Betheisigten mit Namen, wa» ich leider, wie die ganze Erzählung, damals nicht gebührend beachtete, da ich nicht daran dachte, daß der gute, liebe Erzälsier so bald sterben werde. Auch ich habe da» Niederschreiben der, wie mir scheint, bedeutungsvollen Erzählung viele .Jahre unterlaffen, und hol« da», alt und schwach werdend, nun »ach, wobei ich auf da» Ailergenauste bestrebt bin, nur da» wtederzugeben, wa» ich damals gehört habe. Bor 1806 waren die damals so vexatorischen. Handel und Wandel torquirrnde» Zoll- und Accise-Angelegenheiten eine,» Minister Stein umergeben. Er soll ein arger Judenfeind gewesen sein, worin er nur noch mehr bestärkt wurde, als «» öffentliche» Geheimniß war, daß die Juden in kaufmännischer Durchtriebenheit, die Beamten z» kirren, mit viele« Erfolge eifrigst bestrebt waren. Der Minister wurde dadurch immer mchr wider die Judo ansgebracht. I» Fvrdon b«t Bromberg war damal» ein große« preußische« Hauptzollomt, und ein jMscher Kaufmann, <der selige Wafferzug nannte ihn Reb Schmuü.) wußte sich mit den Zollbeamten so zu stellen, daß Zoll und Acrise dabei verkürzt «mrden. Da» bedurfte auch de» Einverständniffe» der Zollämter tu Thorn. dt» Rlawa u. s. w., an di« damalige Grenze Rußlaud», am» aber auch eingefiwelt «nrde. Ci» armer Fordoner Jude wurde zu der Zeit in Brombag zu Gefängntpraf« vernrtheilt, wo er viel lverühruug «ul > einem ebenfalls pipaesperrte» chrsstlh-e« Schnster chatte,.dabei kam e» auch „um Erzählen de, Pka^ichq her ZvWeavtte» mit de» Juden, neiche de« einen Sofangene» sehr berwiut nzar. Da« nrerfte sich der Schuster sehr genau, und richtet« an den Minister Stein einm BeguadigungSantrag mit dem itrbteten, wen» jenem Fol?« gegeben, werde Petent bereit sei«, aste Durchstechereien der Zollbeamten uüt den Juden aufzudecken. Der Schuster wurde deshalb vernommen, und der Minister ordnete einen Ueberfall der Bureaux und der Kaufleute an, um die Beweise und corpus delicti in Hände» zu bekommen Doch auch blrf« Maßregel wurde erfolglos, da die iSetheillgten frühzeitig von dem Vorgänge Kennmiß erlangten Reitend« Bolen wurden von dem genaimtea großen Kau'mann in Fordon auf Ixt» Eisigste nach Thorn rechtzeütg expeoirt, und etapemveise «eitet hinauf zu den andern Zollämtern, wo dann -Alle» beseitigt ward, wa» irgend nicht vorschriftsmäßig war. Und so blie» die große Untersuchung ganz erfolglos. Stein durchschaut« den Zusammenhang, merkte, daß die Juden neuerdings ihm Pt entschlüpfen gewußt, und wrrde argen die « um so bttterer mfgeregt. Kurze Zeit darauf wohnte Stein mit Frau und zwei Töchtern auf dem Lande. Mtt Waarenpacken hausirende Juden sind damal» ganz besonderm Maßnahmen umerworfen gewesen, und mußten auch unter gewissen Berhältniffen üre Päcke von den ZolleMnehmern zuschnüre« und durch Ploniöiren schließen lassen. Ein so haufirender Jude mtt plombictem Packe kam in die Billa d«S Minister» und bot den Fnuen Maaren zum Kauf, welche diesen Damen sehr zugesagt haben mögen. Der Jude wurde mtt seine« Packen in» Zimmer gerufen, wo aber auch der Minister sich befand, »nd Jener öffnete in kunstgeübter Weise den Packen derart, daß die Plrmbirung unverletzt blieb imb kramte seine Waaren au». Da t.at der Alle» beobachtende Minister dazwischen, und in seiner Ä rt, aufbrausend und schimpfend, rief er dem Inden emrüstet zu: „Ihr Judo kaust meine Beamten und verführt sie und kommt roch mtt dergleichen mir in» Han» vor meine« Angen!?" Bediente wurden «rufen, welch« den Juden arrettrten »nd im Kellergeschoß der Billa einstweilen bewachten, «ährend nach der. nächsten Siadt zum Zollbeamten gesendet wurde, um di« ConsiScation der Waare und die Bestrafung de» Haufirer» zu bewirken. Im Keller weinte der ruinirte Mann unt> klagte den Köchinnen und sonstigem Frauenvolke dort sei» Leid; wie er mtt Weib und Kind nach vieljährigen schweren Stützen und Arbeiten um ein geschlagener, elender Mensch sei, wa» freilich wahr genrg sei« «acht. Da« wurde auch der Frau Ministerin und!>eren Töchtern vom mitleidigen weiblühen Dienstpersonal hinterbracht, und auch di« Damen gingiu nach dem Kellergeschoß und ließen sich von de» Hausirer all' de» Jammer klagen, welcher nun auf ihn gekommen war. Die Frau Minister und die beiden Töchter gingen in Thränen gebadet zurück zum Gemahl und Vater, baten Stein um Gnad: für den Juden und stellten Alle» Tlögliche vor, und auch, daß sie ganz unglückselig sich fahlen, biß im Hause bei ihnen dieser Haufirer unglücklich gemacht iverde» solle. Der Minister kämpfte lange, aber die Frauen beilegten seinen Wiederstach nnd er willigte endlich darein, (denn «»lag eigentlich nur Zormverletzung vor,) den Juden ungefährdet ziehe» zu lassen. Che ließ den Man» vor sich rufe« uw) sagte ihm: „'bisher war ich «in Judenfeind, weil ich glaubte, daß Ihr nur schmutzig durch Geld meine Beamten kaust und mich niederträchtiz bekämpft; jetzt sehe ich, daß Ihr mit Suren Thränen känpst: gehe, nimm dein« Waaren, ich bin kein Judenfeind me pt!" Vielleicht siegt in dieser kleinen Siejchichte, wie ich zu deren Niederschreiben auch deshalb geschritten bin, bei: Keim mit zu manch großem Gedanken, welchen Stein wohlthätig ir die Weltgeschichte eingreisen ließ, und vielleicht ver dankt den kleinen Ereigniß mtt der Waare de« jüdischen Haufirer« Preußen mit da« fteifinnige Zollsystem, welchem der Zollverein und deffe» weitreichend« Wirkungm gefolgt find. Jnowracla«. Michael Levy.

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