Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JK 46. -1873. J[lttt8flt(ifd|l 4. Jahrgang. Nochen-Schrift fftr die religiöse» «ad sorialm Jatereffe« des J»de«1-ams. «^I-t j«» MItWilh PmE «tsUkstheüch ti</, Er,schm. ^|RffKOrlV|CVM* »»- Petitzelle ibx Uta Rau» L 6gr. ver«Uw»>Nlicher Xckaftoit «nb Herautzcirr Rabbiner I*r. X CrmaftU in Stettin. - Hh- Magde b«rg, 26. -kov. 1673. z» tun« •0« S»chtza»dl»»-«» »ich PosiMlsallr». 3«frtttw «mm(m I» ka Spfbition der Israelit. Wochenschr ift in Waideburg. Inhalt. £*U«K>« Nrttkelr Das Sründerthum in der Gemeinde. vericht üb«r die Freiherr v. Nothschild'schen tzumantrlt».Anstalten in gerusele«. — Woricht« *»d l Deutschland: Stettin, «erlin. Berlin. — Oesterreich: Wien. Leniberg. — Franlreich: Pari». Pori«. — N««>»ie«: vukaref^ — Amerika: Rord-Ameiika. — ««d «euest« N«chrtch1e«r watzdeburß. Oel«. Älah. wetz. Lemberg. Seulberg. Senf. «mistaminopel. — K««i Not»« r Minister Stein und di« Juden. — J,»f«r»t«. G. D«»» Grüuderthn« in der Gemeinde. («Ir« Stimm« au« Ungar».) Seitdem man durch den vor einem halben Jahre erfolgte» kläglichen Zusammensturz de» künstlich emporgcschraubten Finanz- »ad GeschäftSwesen» gegen alle Gründungen zu Vorsicht gemahnt worden, wird, wie e« scheint, auch gegen die »»ter de« Mantel der Religion einhergehenden Unterneh. »»»ge» eine gewiffe Scheu, ja selbst ein ziemlicher Grad von Msttnwm bekundet. Sir meinen hier nicht etwa die von einer Ltique organistrte« Hetralh«au»stattung»verein«, welche i» verschiedenen Gegenden de» Lande» »zur Ehre Gotte»" ' und z»r Unehre de» Judenthum», zum Schaden der Aktionäre und zu sstutz und Fromme», später aber zum Verderben, der L«r«altrng»rärhe einige Zeit hiadurch geblüht habe». Such tan» e» an dieser Stelle nicht unsere Absicht sein, di« mehr oder minder scandalüsen Historien von verspeculirten Geureinde- und Tempelbaugeldern aufzusrischen, derartige Thatsachen sprechen ^aut »nd vernehmlich genug, und bedürfen keiner Erläuterung. Wa< aber nicht oft und nachdrücklich genug besprochen «erden kann, da» ist die seit der Eongreßepoche bi» zur Leidenschaft gesteigert« Sucht nach Gründung „frommer" Gemeinden, da» Bestreben, di« gesund« Kraft der jüdische» Religion»geiellschast durch Zersplitterung zu untergraben. Sr ist wahr, und da» gestehen selbst Freund« de» Eongieffe» zu, diese Versammlung hat sich auf Gebiete begeben, die außerhalb ihrer Eompetenz lagen, hat Gegenstände zur Besprechung gebracht, die bei der verathung über rein adniinistralive Angelegenheiten durchau» keine Stelle finden sollten. Aber wenn wir die» ohne Rückhalt bekenuen, so ist e» noch iuiuler nicht aufgeklärt, auf welch« Weise durch die vorläufige Verhandlung über einige Fragen auf religiösem oder besser rituellem Gebiete der Bestand de» Glauben» und der religiösen Gemeinschaft gefährdet werden konnte, so daß ein Theil der in Pest tagenden Versammlung sich al« Retter der Gesellschaft und de» Judcnlhum» zu gertren Veranlassung gefunden hat. Der seit langer Zeit schon glimmend« Funke de« Widerstreite« zwischen Dunkeimännerthum «nd de« Streben nach BUdung und europäischer Ordnung hat offenbar hier nur Anstoß erhalten, um zur vollen Flamme emporzulodem, die aber leider nicht wohlthätige» Licht, sondern verzehrenden Feuerbrand verbreiten sollte. Wrnn e« bei obwaltender Meinungsverschiedenheit nur zu wünschen ist, daß di« einander entgegenstehenten Ansichten klar m.d bestimmt zum Ausdruck gelangen, um ein« Verständigung oder wenigsten» «in« Vermittlung Herl eizuführen, so muß um so «ehr bedauert werden, daß bei dem 6u*ite4it Ungarn gerade über die eigentlichen, wahren Ursache» und Ziile der Bewegung, vielleicht gar absichtlich, ein dichte» Dunkel gebreitet wurde. 8» hieß nun freilich allerorten auf der ganzen Schlachtlinie, die Religion sei in Gefahr, man mü fe dem Zusammensturze de» durch Jahrtausende treu gehüteten Baue» vorzubeugen suchen, aber unter dieser geschickt angebrachten Devise bargen sich nur zum allergeringsten Theile eh, licht Absichten, da« vorherrschend« Elem, nt war Herrschsucht urd persönlicher Ehrgeiz, auch wohl manche» ander« Motiv, dc.» da« helle Tageslicht zu scheuen Ursache hatte Und sonderbar, gerade da» bedeutendste Resultat de» vielangefeindeten Ermgreffe» machten die Gegner zum Anhalt »punkte für ihr Borgehen, die Autonomie der Gemeinden, welche zum Princip erholen worden war, diente ihnen zur Grundlage für di« Operation, die so vielfach mißbrauchte Phrase von der GewiffenSfreihcit wurde zur Anwendung de» ärgsten Gewiisen»zwangr« benutzt. So daun sich au« der Unwahrheit und Heuchelei da« Glaubenswächt-rthum auf, von deffen Begründung und Bestände folgende wohlverbürgte Einzelheiten bekannt zu werden verdienen. Da» Recht zur Bildung separatistischer Gemeinden wurde von gewiffrr Seite mit Freude begrüßt und so ungefähr wie die leicht zugänglichen Eoncessionen zur Gründung voir Banken weiblich cn.Sgenutzk. Hier stehen mitunter Leute in erster Reihe, die e« mit den Vorschriften de« Ritualgesetze» gar nicht im Gerirgsten genau nehmen, gerade wie mamhe Helden der modernen Hanbeltwelt mit den Begriffen vott Recht und Eigenthun > auf gespanntem Fuß« leben. E» wurde in sehr schönen Phrasen au»einandergesetzt, daß e» um die heilig« Sach« zu thun sei und e« darum ganz gleichgiltig bleibe,