Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Lrakau. tkrakan. »u«: «atftim (Strpi. vr,«zan. Drohobycz) Wilna. London Agram. — Keutstetonr Unsichtbare Fesseln. Original- Nooelle von I. «.Licht tenbeig. — Di« erste «augesellschaft. — Istserat«._ Krise«. Obgleich man bei der Urberschrist „Ärifen" alsbald an bic Börsenkrisis denken wird, so brauchen wir doch nicht zu sagen, daß uns nicht« ferner liegt al» die Idee, über diese - Krisis einen Leitartikel zu schreiben. Dagegen können wir ff" immerhin eingrsirhen, daß sie uns den Ausgangspunkt zu dem . Gedankengange gegeben hat, auf dem uns zu begleiten wir . den Leser einladen wollen. Vri rein materiellen Dingen, bei A denen es sich wohl mitunter um sehr imaginär« Werthe, ' aber doch imnur um meßbare und dem Zahlengeietz unterworfene Größen handelt, laffen sich Ursachen und Wirkungen leichter erkennen, sie pflegen rasch und übersichtlich zit verlaui. ftn. Daher bieten sie ganz brauchbare Ausgangs- und Anhaltspunkte für Betrachtung ideeller Verhältnisse und — £ ■ «risen. \ Was ist eine Krisis? Tine Entscheidung. Im medicinischen Sprachgebrauch bekanntlich eine Wendung, oder d i e Wendung (die bekannte, regelmäßige) im Verlaufe einer Krank- > beit, melche entweder zur Genesung oder zum Uebel führt. Das paßt nun auf Börsenkrisi« nicht ganz. Ergibt jetzt wohl Jeder zu, daß der Zustand der Ueberspeculation und / schier schrankenloser Gründerei ein krankhafter gewesen, cs gehörte wenig Weisheit dazu, um voraus zu wissen und zu sagen, daß eine Krisis eintreten müsse und zwar nach kurzer Frist; aber tin Entweder-Oder, wie bei einer Krankheit, war nicht möglich, die Krisis konnte nur zum üblen Ausgange führen, wenigstenfür di« Betheiligte». — Für die Geld- und Geschäftsverhältniff« überhaupt mag sie zu einer Genera jung führen, soweit haben wir aber hier nicht aus die Sache £ eiuzugchen—Warum haben nun dennoch so viele kluge Leute ' sich zu ihrem Schaden bethören lassen? Viele, weil sie da« Siutreien einer Krisis wohl vorausgesehen, aber die Zuversicht gehegt haben, zur rechten Zeit sich herauszieben zu können; aber das paßt durchaus nicht auf Alle. Biele kluge Männer haben gemeint und demonstrirt, daß die Geldxrhältnisse jetzt, d. h. nach dem Kriege, so lägen, daß eine Krisis ,, und rin Zusammensturz nicht rintreten «erd«. Es sei t-: jetzt soviel esfecttves Gelb im Lande, daß.für die weitt jetzt soviel esfecttves Gelb im Lande, daß.für die weitj greifendsten Unternehmungen wirklich Fonds, Deckun.; vor Hän den sei. man sei auch jetzt in der Entwickelung der Industrie u. s. w. sovel weiter vorangeschritten, die Einsicht in der Geschäftswelt sei soviel größer, daß die Fehler früherer Zeiten nicht wieder gemacht werden, kurz, daß die Krisen älterer sSchwindel-Werioden sich nicht wiederholen würden. Daraus ließ sich min nicht viel erwidern — es hieß: abwarten! Wäre man aber solchen klugen Männern gar mit alten Sprüchen, jn mit Bibelversen entgegengetreten, wie: ^Vermögen au« dem Luftigen geschaffen schwindet, wer aber langsam sammelt, wird viel haben," »schnell reich werden, führt nur zum Mangel," oder: »jage nicht reich zu «erden, aus eigener Einsicht unterlasse es, denn kaum läffest du deine Augen darüber stiegen, so ist der Reichthum geschwunden" u. s. w. — so würde man nur geringschätziges Achselzucken gesehen habe». Wenn also darüber gestritten wird, ab in einer gewissen Zeit der Fortschritt auf irgend einem Gebiete dahin geführt habe, daß die früheren Verhältnisse, Regeln, Erfahrungen, Mahnungen u. s. w. keine Anwendung mehr finden können, wenn der Streit mit Gründen für und wiver zu keinem Resultate führt, dann tritt zuweilen eine Krisis ein, welche mit der unabwendbaren Wucht eine» Naturereignisses rinhe.schreilend und sich vollziehend, e« festftellt und entscheidet, daß die Verhältnisse sich wesentlich uic^t geändert haben, daß die Regeln, Lehren, Erfahrungen u. s. w. alter Zeit noch immer ihre volle Gültigkeit besitzen, der Fortschritt aber noch keine wirklich neue bessere Welt geschaffen Hab«. Jetzt können wir von dieser Definition die Anwendung auf ideeller: Fragen machen Gehen wir um zwanzig Jahre zurück. Der Sturm und Drang de« Jahre« 1843 hatte sich beruhigt, das Kaiserreich hatte sich als der Friede proelamirt, Europa fing an die« für wahr zu halten, man lehrte und bewies wieder mit Vernunftgründen, daß der Fortschritt der Bildung, de« Bölkerverkehrs, da» Bewußtsein der Solidarität aller Eulturvölker, den Frieden für ewige Zeiten sichere, daß ein großer Krieg aus hundert Gründen unmöglich sei, dazu hätten wir es jetzt viel zu herrlich wett gebracht. Auch sei, ließ e«, die alte Feindschaft zwischen de» Ration«» geschwunden, es habe soeben die erste Weltausstellung ge-