Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 39.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 39.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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l'.t’ä'i'-rl; ■■■';i- Mage zur Israelitischen Wochenschrift. H Vf .1, Rt. 30. Magdeburg, d»m 1. October 187>'t. L. Jahrgang. Feuilleton. Unfkchtbare ftfefTeltt. •'* Vrigtnal-Novklle von I. 1t. LI cht«»b«rq in Ani'-orr. (Zonsetzung.) " -Ein Wort gab da« ander«, er bewunderte di« seltene Bildung bei ihrem Anstande, ohne es jedoch laut werden zu lassen und' erfuhr, baß die Herrin da« arme Mädchen Kmol» so zu gerichtet und zwar nur darum — um eine neu« -'-ritsche »u probirrst' — Die Entrüstung de« Doetor» stieg auf» jZSchste, er hätte gern dieser Furie in Engelsgestalt seine bittere Mei» ickng gesagt,-sah aber sehr wobl ein, daß diese« nur bcj Loo« der Sklavin -di« zum Unerträglichste« verschlimmern würde. Jetzt sah Moritz, daß dt« Quadrone etwa« ängstlich unter ibrer'Schürze verbarg und war neugierig, da« Gelximniß za'erfahren. Sr deutet« auf ihre Hand und ftagte: „SEBa« verbergen Sie hier?" i „Verzeihen Sie, gnädiger Herr!" bat da« Mädchen ängstlich," und lassen Sie mich fort, Sie dürfen nicht sehen, wa« ich hier Hab«. Oder doch, Sie schon — aber um Gottetwillenl verrachen Sie mich der Herrin nicht, wenn ich Ihnen sag«, »a« ich hier verberge, denn sie brachte vtich darüber schon einmal in die Durstkammer." Diese Benennung hatte Moritz noch nie gehört, und da« Geheimntß de« Mädchen« für den Augenblick verg.'ffenli, fragte er: „fBo» ist da«, die Durstkammer?" ..Hennen Sie di« noch nicht?" fragte di« Quadrone. „ffi» ist eine Anstalt, um dt« Vrlaven zu peinigen, nenn Besuch im Hause ist,, und man da» Geschrei der Geschlagenen vermeiden will." „Sie haben," fuhr sie fort, „wohl am Wasser unten einen kleinen Pavillon von recht unschuldigem Au«sehen bemerkt, welcher beständig geschlossen ist?" Moritz bejahte. „Nun, der obere Theil ist al» Gesängniß für zu verkaufende Sklaven bestimmt, «ährend da» Parterre, di« eigentliche Folterstube für Leibetstrofen ist; dort brstnden sich alle möglichen Sisen und Bänder, sowie Handschellen und Ketten mit einem Borraihe von Peitschen, von diesem Parterre jedoch steigt man eine klein« Treppe hinab, in ein kaum 8 Fuß große«, gewölbte« Gemach, welche« bei unleidlicher Hitze einen angenehmen kühlen Aufenthalt gewähren würde, stände nicht darin «in großer eiserner Ofen, der «in Drittel de» ganzen Raume» einnimmt und stet» vor der Aufnahme «ine» zu Strafenden tüchtig geheizt wird; inmitten diese« Raume« steht ein Sessel mit verschiedenen Schrauben und Bändern von Eisen. In Arme«länge, aber auch nur in ungefährer Arme»- länge davon befindet sich eine Fontaine, die bfftänoig einen Strahl silberhellen kühlen Wasser« bi« zur Decke diese» kleinen Gemache« wirft, der dann murmelnd in ta« «Zecken der Fontaine zurückfälll, ohne einen Tropfen auf Ixn im Stuhle fitzenden zu spritzen. Man zwingt nun den Sklaven, ein Getränk von salzt- §en, durstmachenden Ingredienzien zu sich zu nehme a, befestigt >n in dtesqn Zimmer auf den Stuhl im Angesicht »er Quell« und läßt ihn so nach Maßgabe seine« Vergehen« von 6—86 Stunden den fürchterlichsten Durst leiden. Zwölf Stunden habe ich in diesem schreckliche» Orte die größten Qualen de« Durst«» schon »»«halten müssen, und ich will-lieber bi» auf» Blut-geschlagen, al» nochmal« dorthin geschickt werden,* setzt« die Quadrone seufzend hinzu. . ,, „wem schreibt man denn diese herrlich« ikrstndung zu?" fragt« Moritz mit verdtssenem Grimme. ' "l,Dte jung« Herrin hat den Plan dazu angegeben, wie I mir Pumpkin» gesagt," flüsterte Susanna. Moritz ballte die Faust und murmelte etwa«, da» wie I ein Fluch kta-ig. ^Aber wä» hatten Sie denn verbrochen?-". - fragte er neugierig weiier. - ‘ „Dasselbe Verdrehen, dessen Geständntß Sie von" mir verlangen/ agte Susanna, „ich la« in einem Buche, da« der jun»kn ietriu gebört." Hur zcg die Quadrone den Gegenstand »iner ihrer' Schürze hervor, Moritz ergriff da» Buch, öffnete «» und fah> mit Erstaunen, daß e« Moore» herrlich« Gedichte waren. „Könne r Sie denn diese« Buch verstehen?" fragt« «t erstaunt. - „Leider ja!" versetzte da» Mädchen, „und daß ich französisch und englisch lesen und verstehen kann, ist el«en mein- Unglück." „Ihr r.nglück?« „Ja, ei ist;in Erdtheil meiner früheren Herrin, die mich, denr Gebrauqe im Süden entgegen, unterrichtet und mich dadurch elend gemacht, indem sie mich empfänglich für meine Lag« und mir da« schreckliche Loo» der ewigen Sklaverei schwer gemacht, weil ich durch Wissen and Bildung di« ungeheure Lost der Sklaverei, den Abstand zwischen mir und Menschen erst recht begreifen lernte. Freiheit, die für meine Genossen eir unbekannter Begriff, ist für mich die hohe erhabene Göttm, nach deren Gewand ich weinend hcsche, ohnee« je, je erreiche« zu können. Ermessen Sie, wir unglücklichünd unautstirechlich elend mich also da» Erkennen meiner Lage tnachen muß; wieverhängnißvoll da» Gute, da« nieine verstorbene Hercin für mich zu thun vermeinte, für m.ch wurde.' Sie können e« begreifen, Herr Doetor I denn Sie sind au» einem Land», in dem r» keine Sklaven giebt. Ich würde ßerne oll' mein Elend.tragen und mich in den Willen Gotte« fügen, der e« duldet, daß «in Mensch den andern wie «in Thier behandelt, aber daß mich da» Mißgeschick einer Herrin überliefert Imt, der di« Qualen anderer vergnügeil bereiten, da« ist zu zart, ja'unerträglich," und die Quadrone brach in Weinen am». Moritz hatte mitleidig die Hand der Quadrone ergriffen und sprach ihr Trost zu. Da« Schicksal de« armen Mädchen» hing ihm so nah«, daß er darüber hätte weiiien mögen. Sr versprach ihr unter Anderem, daß er mit jtzerrn Normann sprechen «olle, und diesem reichen Mann« würde e» wohl nicht darauf ankommen, «ine Sklavin frei zu geben - „Ich selbst, sagte Moritz seufzend, bin leider zu arm, sonst würde ich Sie frei kaufen." > „Spa ren Sie sich unnütze Müh«, Herr Docto» l" versetzte Susanna traurig, „mein Fräulein würbe mich um Berge Gol». de» nicht hergeben; — da» hat sie mir selbst verpcherr, — da ich die einzige Sklavin bin, di« st« bi» j.-tzt gekannt, welch» da» Herbe ihre» Loose» zu wlirdtaen mußt,; also ein« neu« Quelle de« Vergnügen« für di« Herrin." „Dock» mein Gott!" setzte str hinzu, „och vergaß mich, und meine Herrin wird meiner bedürfen. Geben St« mir schnell da» Buch, Herr!" „Lassen Sie «» mir, sagt« Moritz, ich werde e» in die Bibliothek zurücklegen; in Ihrer Hand könnt« «» die Quelle neuer Schmerzen für St« «erden; für dt« Folg« sage« Sie mir, wrn»! Sie glauben, unbeobachtet lesen zu könne«, ich werde Ihnen dann Bücher besorgen." Snscnna ritt« hinweg, und der Doktor blättert« einen Augenbltck in dem Buch« und trat dann gesenken Haupte» den Rückweg nach dem Herrenhaus« an. " Im selben Augenbltck« verließ auch Fräulein Bellona die Rückwand der Land«, in der diese« Gespräch stattgefunven hatte. St« war bleich wie der To», und ihre Auge« sprühten Flamme«, ihre Zähne btttzten wie dt« eine« Wolfe» und bissen sich f »st in dt« klein« Unterlippe. „Sr ltebr. sie," murmelte sie gepreßt, jt liebt «in« Sklavin, einen Rigger und verabschert mich." Sie warf dt« geballten Hände zum Htm-