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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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* JUL 35. - 187$. S.'i'lÜtM' Jahrgang Wscht«-Schrif1 fit die religiöse» «k foeialm Interessen des J»deuth»ms. »Ich»»» j«b« VNN«»ch. Petit ai«trfJI|c(U| «>/. «rösche». |tl Mi $wij$iilrt$t »Mt bmn Kaum r e«r. 9trcnw>rtlieMi «ttbaftaw «nb Hemus^e Rabbiner I)p. X Smqjftlf in Stettin. —" -G» ' ’H Magd<ebl»rG, 8. y*pt< 1878. Au aqtt$m tut« aOt vuchtzanbdmgm »Mb Pvüanftilte». UM »xpebitton b«r Jtiaeli». Wachens chris» in Ragbedurg. Inb«lt. gri»«Mb« Hrtidll «i» »,eb«sch»b«n *rt«m focfclai »Htzälmtfi«. - «»eicht« MMb C«mfMt»tommt Deutschland: etttiin. »rotolchin. Stmtl. ettafebutg w^Pr. Samt», Dan»stabt. R. chchr. — Oesterreich: «in». — Nußlanb: v»terä>urg. Warschau — m«e«ischt< u»b neAbst« MachrichSb«!! istarN». Stuttaart. Tzenwwttz. Wien, «u« Inbten. Re».p»rk. «afi.'n — UbnUtb»»«, Unsichtbar» Aesseln. - SmftMtt. ’r ffht Krebsschaden unsrer foctoltn Oder» HLltnIsse. Habt »cht aus bi« Linder brr »rm«n, bmn von ihnen wird bi« Lehr« «utgehen. lalmub U«bl»r. ei, ». In unsrer Gemeinde — so erzählte un» unlängst ein «olleg,: — haben wir einen Verein zur Unterstützung armer Gymnasiasten. Bor Kurzem wendete ich mich nun in de» Direktor untre« GymnafimiN/ um für einen von uns unterstützten Secundaner, den Sohn ei«re« armen jüdischen Lehrer« in der Nachbarschaft, freie Schule zu erlangen. Ich konnte mich zur Unterstützung meiner Bitte auf die vorzüglich« Begabung und die glänzenden Zeugnlffe de« Empfohlener, berufen. Der Direktor meinte, e« gebe immer viele Bewerber um Freischul«, und wir hätten ja eben einen Verein, an« dessen Kaffe wir da« Schulgeld bezahlen kännten. Ich erwiderte natürlich, daß wir wohl genug thären, wenn wir den jungen Menschen in Hinsicht aus Wohnung, Kost, Bücher u. s. w. ganz unterhielten; mir wurde wenig mehr al« unbestimmte Zusage einer Befürwortung, und im Uebrtgen wurde ich an den Magistrat, al« Patron der Schul«, gewiesen. Beim Bürgermeister erfuhr ich dann eine vollständige Zurückweisung. Er sehe nicht ein, warum der Jung« da« Gymnasium weiter besuchen müsse, wenn er kein Geld dazu habe; müsse d.-nn jeder Bei ähigte studtren? E« müsse sich ein Jeder nach der Decke strecken, da« gehe auch un« nicht ander«, und «er seine r Sohn nicht durch Gymnasium und Universität bringen könne, der möge ihn Haiidwerker u. f. w. werden lassen. Die Sta it habe da« Gymnasium nicht für Bettler gegründet, weder f>lr einheimische noch für fremde. Soweit unser Referent. Lassen wir e« dahingestellt sein, ob sich nicht etwa« Mißgunst und Abneigung gegen den Iudenjungen eingemischt haben mag; wir halte« un« ganz im Allgemeinen an die Ansicht de« Bürgermeister«, der mit derselben durchaus nicht allein dasteht. Der.Spruch talmudischer Weiöheü, den wir al» Motto » vorangestellt haben, bildet zu der de« Bür gern trister« den schärfsten Gegensatz, und wir erblicken in der Nichtbeachtung jener enen Krebsschaden unsrer socialen Verhältnisse. ■ Arme mb Reiche hat e« von jeher gegeben; must an» diesem Gegensatz ein Klaffenkampf, eine Erbitterung entstehe», die bi« zu der ingrimmigen, tödtlichen Feindschaft de« »Proletariat« gegen di« Besitzenden führt, von der wir schreckt nerrc- -ende AuSbiAche gesehen haben und täglich erleben würden, Denn nicht sin starker Arm sie niederhtelte? Im Altettbum jjkb im Mittelalter wurden zeitweise.Wuchatztzbrüche, blutige Aufstände der Sklaven,'der Plebejer, der Armen, der Leibeigenen, Bauern u. s. w. durch da« Benehmen der höheren Stände provoctrt; da« ist heutzutage durchaus niht der Fall. Der Proletarier, der „Arbeiter", ist im Bollgei ust der bürgerlichen Freiheit, der polittfchen Rechte, er wirb nicht gedrückt, nicht unterdrückt, nicht mißhandelt; au« eigene.' Kraft und durch die moderne Gesetzgebung begünstigt, vrrbciscrt cr seine Lage r.nd Stellung von Monat zu Monat; e« fehl* ihm dazu nirgend an Wohlwollen, Theilnahme, kräftiger Unterstützung; privat« und öffentliche Pflege der Humanst,-' geben dem Armen sowohl täglich, wie bei besonderen Notr'.ändc» thatsächltche Beweise :on Fürsorge, Nächstenliebe, Ane: Innung seine« Mewchenrecht«. Der Klassenkampf liegt nicht so sehr in den äußeren Verhältnissen, wie in der innerliche» Feindseligkeit, welche durch die Agitation communisttscher u :b socio - listtscher Theorien, Lehrer und Aufwiegler genährt wird. Unterricht, Btldurg, richtige Einsicht find daher die einzige» Mittel, um den Annen zu heben, um rohen Ausbrüchen vor nt enge», um den Hejereien die Spitze abzubrechen. Ist dieser Satz allbelann! und wohl kaum bestritt.», so stellt sich nun die Frage ander«, sie tritt auf ein aytzerc? Gebiet. Wie komnlt e«, daß die Massen auf die Sttmme wü .cr Agitatoren hören und nicht auf die ihrer wohlwollenden, Gewährten Freund«, auf die Sttmme der Vernunft? Weil iene den Leidenschaften schmeicheln, ihnen nach dem Herzen « den? — Da» ist e« keineswegs allein. Es ist da« tiefe Äi'straucn. welche« die unteren Stände den Gebildeten gcgenül.: cn'ülst, die tiefe Kluft, welche, social wie gemächlich, die Ungebildeten von den m«)r oder weniger wissenschaftlich Gebilde en trennt, und durch in« edelsten Bemühungen, durch die r.'itsie Hin-

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