Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 249 — S«. Majestät hat zu aller Zeit die Sorge für die Wohlfahrt ihrer llnterthanen ohne Unterschied des Standes oder Glaubens erwiesen, und Sie will Bedacht nehmen, daß keine Ungerechtigkeit oder unverdiente Strenge an der jüdischen Gemeinde geübt werde, von welcher Sie mit Recht sagen, daß sie loyale, sriedliche und betriebsame Bürger sind. Ihre Majesiät dankt Ihnen für die guten Wünsche, die Sie betreffs Ihrer ausgesprochen haben. Malcom." Soviel uns, bekannt ist demnach Montefore unter denen, welch« dem Schah Adressen in Angelegenheiten der Juden überreicht haben, der Einzige, der eine direkte schriftliche Antwort erhalten hat. (Wir fügen hier als Curiosum an, daß die von uns gebrachte Notiz über ein Schreiben der persischen Juden an de» Ehief Rabbi, Dr. Adler, jetzt als deni „Jüdischen Grenzboten" entnommen, die Runde durch die politischen Blätter macht, und zwar wörtlich. Red.) — 25. Juli. Baron Mayer v. Rothschild liegt an der Zehrkrnnkheit sehr bedenklich darnieder. (R. F. P.) Feuilleton. Unsichtbare Feffeln. Original-Novell« von I. R. Lichtenberg in Rewyork. (Fortsetzung.) Vierzehntes Kapitel. Da werben Weiber zu Syitnen Und treiben mit Entsetzen Scherz. Schiller. Im Staate Louisianna, am Bayou Le fourge, einem Arme deS^aters der Ströme, liegt Donaldsonvillc, ein unbedeutende», aber malerisch gelegenes Städtchen. Unweit desselben lag zur Zeit uiiserer Erzählung eine der größten i nd schönsten der vielen Zuckerplantagen jenes reichen fnlchtbaren Delta, die Planiage »La belle Gabriele“ genannt. Man gelangte in das Innere der Pflanzung durch ein ungeheures Thor. Jeder Ein- und Auspassircnde mußte an den OsfizierShäuschen fein Begehren angebcn, sich gleichsam ivie am Thore einer Festung legitimircn. Hatte man beim Eintritte diesen Formalitäten genügt, so sah man vor sich ungeheure, on regelrechten Straßen durchschnittene Felder von Zuckerrohr, da» in einer Höhe von zetm bi» 12 Fuß den Wanderer wie ein Zwergwald umwogte und ihn den Blicken völlig entzog. Nachdem man nun nach einer langen Wanderung auch diese Felder hinter sich hatte, gewahrte man recht» und link» in grader Linie Reihen von Blockhütten, vor deren Thüren sich schwarze, in den meiften Fällen ganz nackte Binder, oft bi» zu zweihundert, unter Aufsicht altersschwacher Negerinnen tummelten. Bon den Feldern herüber kann e man die barschen Msehlc der Aufseher, oft auch das Singen der Neger mit ihren komischen Weisen, oder das einem Juchzen gleichen Lachen dieser unglücklichen Menschen hören. Wenn man auch diese Blockhütten, deren Anzahl für sich selbst eine kleine Stadt bildete, hinter sich hatte, sah man durch die Bäuine eine» herrlichen, mit BoSquet», Wasseranlagen und Statueil verzierte. Parke», da» Herrenhaus liegen. Ein breiter, mit feinem Kiese gewalzter Weg führte bis zu der schöne«» Beranda, auf deren Geländer aus großen Marmorvasen sich allerlei Schlinggewächse bi» zum Dache des zweistöckigen Hauses emporwandcn, dem hinter dieser grünen Wand behaglich unter der Beranda Ruhenden einen Schutz gegen jeden neugierigen Blick gewährend. Bon der Beranda gingen drei große Spiegclsenster in, den untern Salon, der ein Au'enthalt für Götter genannt werde» konnte. Marmor und Gold, Erystall und Seide, hat- I ten da» Möglichste gethan, um der hier wohnenden Fee einen angenehmen Aufenthaltsort zu bereiten. Es war inmi ten Decembers, einem beinahe zu loarrtüt Tage für diese Ja'sreszeü, als in dem eben gedachten Sa!.on» auf einer prachtvollen Chaiselonge, eine Dame den Bormittag verträumte. Sie »oar so müde vom NichtSthun, daß sie einmal über da» and re gähn e. Die Dame, rie das Gesicht nach dem Plafond richtete, war von wunderbarer Schönheit. Ungefähr zwanzig Jahre alt, ein Teint, der Alabaster beschämte, griechische Rase, kleiner rolhcr Mund, rie Wangen wie angehaucht von Rosmfarbe. Was aber ihre Schönheit zu einer wahrhaft wunderbaren machte, war eine Fülle blonder Locken, die einen scharfen Contrast zu den große » schwarzen Augen bildeten, die voll Feuer waren. Blickt men lange in diese Augen, so glaubt inan einen grünlichen Schimmer, wie in den einer Katze zu bemerken, »velcher sich ir» Zorne steigerte und dieses Auge rächt allein grün eriche:n>n, sondern sogar Schrecken einflößen ließ. In» Zustande der Ruhe jedoch oder der Schwärmerei verstand die Besitzerin dieses Auges einen wahren Schmelz and ein Herz hineinzulegen, welches sie durchaus nicht besaß. Man diese Dame aufrecht stand, war sie eine ebrfurchtgebietende junonisäw Elestalt. Bor der Chaiselongue, auf »velcher die Schön,' ruhte, befand sich ein Tischchen von »vundervoller Arbeit, auf welchem, »eben verschiedenen Zierarten und Nippsachen, eine silberne Glocke stand. Daneben lag eine kleine niedliche Peitsche, von der Länge einer Damen-Reitpeitsche, mit goldenen» Griffe, deren Spitze oder oberes Ende aber eine ganz neue K onstruktion verrieth. Nährend diese niedliche Geißel bis in die Mitte das AnSjehen aller gewöhnlichen derartigen Marterinstrumente hatte, zweigte sie sich hier in vier Theilen ab, und zivar jeder Theil von der Dicke einer Stecknadel; jede» dieser Theile stellte sich beim Betrachten deffelben als ein biegsames, vierecki zes Stahlbändchen oder dünne Feder heraus. Nachdem die vorerwähnte Dame sich eine Weile gelang- »vcilt, dann einig« Male gegähnt hatte, sagte sie zu sich selbst: DaS ist eine langweilige Welt! ich wollte, Papa hälte mich mit .»ach Rew-Aoek genommen, oder er wäre schon wieder znrück, nm niir a I die hübschen Sachen zu zeigen, die er »nitgebracht. Wenn ich doch nur ein klein wenig Unterhaltung hälte, aber gar nichts, — selbst Mama läßt heute Morgen lange auf sich warten. Sie ergriff die silberne Glocke, und ein schriller Klang ertönte, den man bi» in den entferntesten Winkel des Hauses hören mußte. Beinahe im selben Augenblicke öffnete sich die Thüre, und der Wallkopf eines pechschwarzen Negers blickte in das Zimnier. „Miß haben gerufen," sagte der Neger etioa» ängstlich. „PumpkinS "online einmal hierher," befahl die Dame. Auf den Zehen schlich der Neger bi» in die Mitte deS ZinunerS, wo er aber »vieder stehen blieb. Ein leichte» lächeln flog über die Züge der jungen Danie, und sie sagte frei«ndlich: „Weiter hierher, guter Puinpkin», weiter hierher." Di« Freund! ichkeit der Herrin jedoch schien dem Neger ein Grauen einzuflößen, denn er rollte und verdreht« die Augen furchtbar, öffnete und schloß seinen großen Mund in lächerlicher Schnelligkeit. Doch wagte er nach einen Schritt, ohne sich jedoch in Bereich der Dame zu dringen. „Weiter hierher! guter PumpkinS," sagte da» Mädchen, und »vurde im,ne: freundlicher, griff aber wie spielend zugleich nach der Peitsche. „Aber Misst»! erhabene Misst»! lasten Sie armen Pumpkin» gehen, nicht schlagen, arme Reger fürchten kteii»e, goldene Peitsche," krächzt: der Reger. „Narr! we» sagt Dir, daß ich Dich schlagen »vill, kämme hierher und beartworte meine Fragen." (Forts, folgt.) *•'-