Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 30. - 1873. 4. Jahra-M. H-ksrUtischr Wochen-SchristG für die religiösen und sociale» Interessen des JndeuchrM Erschein» jeden Mittwoch. Prei» »ierteljL-rllch 22'/, Erojchen. 3«fcrti»SH<Mfrt (t> Mc drrijpaltt-e Petitzetle »feer deren Raum 2 Cgt. Verantwortlicher Redakteur u* (aaidgcta Rabbiner Dr. X Lrenenstls in Stettin. — hk - Magdeburg, 30. Juli 1873. An oepeyen durlall, vnchhandlungm und Poftmftalteu. Inseraten-Annnhn« la Ml Expedition der Israelit. Wochenschrift in Magdeburg. Inhal«. N«t1e«»s Artikelr Reminiscmzea. — Berichte nn» Tnnref»»n»««,mr Deutschland: Berlin. «u« dem «ros.her,o«. thum Sachsen. Münster, «u« Oftsriesland. — Oesterreich: Lemberg. — «rankreich: Part«. — Italien: Verona. — Nord.«me rita: Rnv-Nork. — B«r»ischt« nn» nenest« Rach richten: Lemberg. Lemberg. Lemberg. Krakau. London. Bukarest. — s^nistetanr Unsichtbare Fesseln. — Da« Zion«lied Iehuda tzaleoi'« (««dicht). — Inserat«. -ke»1nifcenzeu. in *) Wir nehmen den Faden unsrer Erinnerungen au« dem Jahre 1848 einmal wieder auf und widmen den heutigen Artikel dem fünsunzwanzigjährigen Jubiläum der „Grundrechte dr» deutschen Balte»," insbesondere dem Paragraphen, welcher die Recht»unt«rschi«de zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen aushob und so nach langem Streiten und mühseligem Ringen die Frage der „Emancipation der Juden" endlich löste. Emancipalion! wie lang« war da» Wort im Mund« aller J»raeliten Deutschland» gewesen, nicht einmal di« kurhessischen, die „eigentlich" schon seit 183! reap. 1833 — auf dem Papier — emancipirt waren, ausgenommen. Reden, Schriften, Kämpfe für und gegen die Emancipation; der unwissendste Jude im abgelegenstril Dorfe la» oder hörte und nahm Kennlniß von solchen, jetzt ist da» Wort schon manchem unter dem Heranwachsenden Geschlechte fremd. Er sind jetzt eben 25 Jahre, al» die letzten Gegner im deutschen Parlamente zum Schweigen gebracht wurden, unter ihnen M. Mohl, der freilich auch von vornherein erklärte, daß ihm sein Votum gegen die Gleichstellung der Juden „gemüthlich schwer falle," weil er dadurch seinen verehrten Freund Riehen persönlich verletzen müsie. So war denn zum Sabbath vkuson (5. August 1848) die Frage noch nicht endgültig formell entschieden, aber da» Resultat nicht im Mindesten mehr zweifelhaft, und an jenem Sabbath konnten wir nicht umhin, über da« Schlußwort der Hastora, „Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst werden," zu reden. Wa» wir damal« gesagt haben, erscheint jetzt theilweise mehr al» einfach, bei andern Stellen mußten wir dagegen selbst, al» wir sie wieder lasen, un» einen Augenblick besinnen, ob wir nicht übertrieben hätten, wa» jedoch nicht der Fall; und so mögen Bruchstücke au» jenem Bortrage eine Reminiscenz bilden, für ältere Leser eine Erinnerung, für jüngere ein Mahnwort, denn e» ist vielen unter ihnen da» heiße Sehnen nach der „bürgerlichen Erlösung" bereit« unverständlich und ») vgl. «r. 17 und 2t. daher da» Gefühl der Dankbarkeit gegen den „Trlösir Israel«" sehr schwach geworden. Wir schick:» nur noch die Bemerkung voraui, daß wir in der bürgerlichen Erlösung nicht etwa die ganz« Erfüllung der prophetischen Verheißungen und in der „Emancipation" nicht ,den Messias" erblickt, auch den 9. Aw jene» Jahre» ganz sn wie im vorhergehenden begangen haben; e» wurde auch die« in jener Predigt hervorgehoben und motivirt; wir brauchen aber di« betreffenden Stellen nicht milabzudrucken. Wir sckhten: „Biele Jahrhunderte lang ist am heutigen Sabbath die Hastora In-lm Tönen der Klagelieder vorgelesen ioord>m, aber bei den letzten Worten erhö^ der Maftir seine Stimme, und Zuversicht erfüllte die Herzen unserer bedrängten Borfahren .. . Wie ist e» in diesem Jahre? Heute lesen Dausen)« in Baterterland« die Hastora mit ganz andern Gefühle», und da» Auge deffen, der da versteht, wa» er liest und hört, erhebt sich dankerfüllt zum Himmel. Ja die Erlösung naht, eine Borstufe sollen wir ersteigen, da» Wort „Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst werden" will in Erfüllung gehen! Jetzt, heute, in diesen» großen Jahre, sehen die Israeliten Deutschlands die volle Wahrheit jene» Worte» ein, jetzt erst verstehen wir e», Israel hätte erlöst »verden können ohne Recht auf d,in Wege der Gnade von Menschen; wir habeu lange Ze.t darauf gerechnet. Israel hat oft nur Gnade erhofft und erfleht; es hat nicht sein sollen, denn Zion soll durch Gerechtigkeit erlöst werden. Die Borzeit konnte da» nicht fasien; ob all de» Unrecht», welche» f-c erlitt unv üben sah, war ihr das Bewußtsein de» Recht» schier abhanden gekommen. Alle», wa» Israel zu erbitten wußte, war Gnade, Milde, Barmherzigkeit. Die Autsprüche der Schrift, wie z. B. da» Wort: „Du, o Gott, bist unser Vater, unser Erlöser ist vin Ewigkeit her Dein Name," oder: „hoffe ans Gott, meine Seele, denn noch werde ich ihn pi eisen" — sie waren wohl bekannt, aber in den Gebeten, welche die Vorfahren selbst verfaßte», hieß e» nur: „»lögst Du, König aller Könige, in da» Herz unsere» Landesherr» und seine: Räthe uno Beamten Erbarmen legen, daß sie un» Gut<» thun! Der Wunsch ist nicht allzuoft in Erfüllung gegangen, denn er