Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M L9. - 1873. 1. Jahrgang. 4. Isrsrlilrschr Wochen-Schrrft für die religiösen und sorialen Interesse« des Judenthnms. Erschedtt jeden PttUwoch. Prei» »terteljLhrllch 22'/, Groschen. stk Mt Petitzeil« «der deren Rau, 2 ««r. BeranrwocUicher Redakteur und Hrraudgebei Rabbiner vr. A. Lreaenfel» in Stittin. — —*» Magdeburg, 23. Juli 1873. Zn oepehen ouid alle Buchhandlungen und Poftunftalten. Inseraten«Aunado,, t» der Expedition der Israelit. Wochen christ in Liagdeburg. Inhalt. Leitend« Artikelr Da« Hedrllisch« in der jüdischen Reli«Ion«schute. — Gericht« ««» Terresp»«»e»r«n» Deutschland: UnfUu. Posen. — Oesterreich: Dien, «rakau. — Frankreich: Pari«. — Ru hl and: Petersburg, «an der russischen «r,n,e. — Rard-Rmerita: Slbanp — vermischt« nn» ««««sie Rachrtchte«r «»« dem «rohherzogthum Heffen. Braunschweig. Rbeydt. tzamdurg. «Ilona. Die«. Lemberg, «olomea. Pest. Floren». Pari«. Pari«, vordea»?. London. Lu« Rumänien. Lonstanlinopel. Stocktwlm. PhilDelphi«. — geniNet«»» Unsichtbare Fesseln. — «eistrtqegenwart. — Inserat«. Da» Hebräische in der jüdischen Religion» schule. Bon Rabbiner vr. Li. Lahmer. Bor etlichen Monaten — Anfang- März — gingen durch die Königlich« Regierung. Abtheilung für Kirchen und Schulwesen, mehreren Dirigenten jüdischer Religion-schalen folgende fragen zur Beantwortung resp. zur Berichterstattung zu: „Der Herr Minister der geistlichen Unterrichts- und Me- . , dicinal-Lngelegenheiten fordert Bericht '». über die Zahl der wöchentlichen Religionsstunden in den jüdischen ReligionSschulen, b über da» Berhältniß, in welchem in denselben der hebräisch« Sprachunterricht zu dem eigentlichen Religionsun erricht steht, c. ob er einen Theil desselben bildet, oder neben ihm hergeht, oder ob die Rinder darauf gewiesen sind, ihn außerhalb der Schule zu suchen. Ter Berichterstattung ist der Lrctions und Stundenplan der jüdischen Schulen bei ulegen." Beim ersten Einblick in diese auch uns zugegangenen Fragen mußten wir unwillkürlich an den talmudischen Ausspruch denken: Aus den Fragen eines Menschen kannst du erkennen, weß Geiste» Kind er ist. Die Fragestellung ist oft ein Kriterium für die Tendenz des Fragenden. Aus den obigen Fragen erkennt man in der That sofort nicht blos, daß man p im preußischen Cultusministcrium sich eingehend mit der jüdi- " scheu Religionsschulfrage beschäftigt, sondern vor Allem, daß man bei dieser Beschäftigung die voni Ausschuß dcS deutschisraelitische» GemeindebundeherauSqegebenen, in dies. Bl. «Rr. 36—39. vor. I. u. Rr. 12—15 dies. ausführlich besprochenen „Thesen und Gutachten über die Einordnung des isr. Religionsunterricht» re." vollständig gewürdigt, ja — und da» ist das Erfreulichste an der Sache — daß man an inaßgebendcr Stelle über den wichtigsten Punkt, der in jenen „Thesen" offen gelassen worden, nämlich über das Berhältniß, in welchem das Hebräische zu den übrigen Lehrgegen- - ständen der jüdischen Religionsschule sieh-, sich durch diese . ministerielle Umfrage Licht zu verschaffen sucht. Bevor dieser Kernpunkt des gesammten jüdischen Religionsunterrichts, durch den dieser schon nach formaler Seite so grundverschieden vo>n christlichen ist, nicht in» klare Licht gesetzt ist, ist die lrinordnung dejüd. Religionsunterricht» in den allgemeinen Lehrplan und die damit zusammenhängende Forderung, den Unterricht in der jüd. Religion gleichzeitig mit dem in der christlichen stattsindcn zu lasten, fast gar nicht zu realifiren. Denn die Forderung der Gleichzeitigkeit hat zur BorauSsctz mg die Glcichheit der Stunde rzahl, sonst decken sich ja die Unterrichtszeiten nicht. Run ist es aber jedem Israeliten bekannt, daß äer jüdische Religior-unterricht metzp Stunden wöchenilich ersordert, als der chftstliche, und zwar, wie wiederum Jeder weiß, der hebräischen Unterrichtsgegenstände wegen. Aber was in jüdischen Kreisen Jedem als selbstverständlich erscheint, ist e» darum nicht auch in den betr. christlichen; Gymnasial- oder Realschuldirectoren z. B. sinken es ganz unbegreiilicr, taß die jüd. Schüler mehr als 2 Stunden wöchentlich für den Religionsunterricht brauchen. Darum kann es nicht oft genug wiederholt und nicht laut geuug betont werden, das silbischer Religionsunterricht nicht blos Religion (im enger« Sinne» und biblische Geschichte umsaßt, fanden daß vor Allem der Unterricht ,m hebräischen Lesen, und im Uebersetzen der Gebete und der Bibel dazu gesört. Es ist eine bedauerliche Lücke in den erwähnten „Thesen", daß dieser unterscheidende Pu,ft darin nicht besonders hervorgeholen worden. Diese Lücke fudit der Herr Minister durch die geflederte Beantwortung der Eingangs aufgeführten Fragen folgerichtig zu ergänzen. Wir geben im Folgenden die allgemeinen Gesichtspunkte an, die für unsere Berichterstattung an da» Ministerium leitend gewesen. A. Um die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden in der jüdischen Rcligiousschule angel cn zu k.nnen, müssen erst die obligatorischen Unterricht-gegenstände sestgestellk werden. Diese sind: 1) Hebräich Lese». 2) Gebetiwersetzcn. 3) Bibclül ersetzen igw hebräische Grammatik.*) *) Di« da« tlebersetzen erleichternde bebr. Formenlehre wird südlich am besten in den Uebersetzungdstunden gelehrt und a'lib».