Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■m 87. - i«?s. Asrsrlrtrschi» *• s**«**« Wochen-Zchrist für die religiösen «ud sorialen Interessen deS Jndenihnms. GtscheliU >«»« DNtnoach. O«i« MertrijLM» Ti'/, «rosthe,: 3*(MUn|iMkr . »»» koil^altifi Vftitpilc Otts btm» Kau« 2 «gr BeranlwocNicher Ktkafttur und Herautzei er Rabbiner Dr. A. Lreneafel» in Stettin. -hh- Magdeburg, 9, Juli 1878. •$u BqK^tn outs> alt Buchhandlungen und paftanftalle». 3 nftraten-Anna dm» U> k€t Lxpediiiou der ^«aeiit Ktodienfcferift in Magdeburg. Inhalt. K«U««d« Metteur Deutschland, Frankreich und da« Judeuthum. — (triAtt und Lorrespa »»««>««i r »utschland: Stettin. Magdeburg. Berlin. Lu« dem Großbrrtogthum Hessen — Oesterreich: Wim. Lemberg. Lemberg. Au« Mikren. — Italien: Parma. — Kußland: Petersburg. — B «mutscht« «»» «««efte Mach richten. Allein«. ttratau. Lemberg. Pari«. Bordmux. London. Bukarest. c-nea. sheutNetaur Unsichtbar« Fesseln. — Juserate. Deutschland, Krankreich und da» Juden» thu«. E» ist wohl ein seltener Fall, wenn wir un« mit einer in der „Kreuzzeitung" ausgesprochenen allgemeine», reltgiö»- politischen Ansicht in Urbereinstimmuntz befinden. Die» gilt nun in Beziehung auf folgenden Satz, der dieser Tage in sraem Blatte zu lesen war: „daß wir Lutscheidungikämpsen entgegengehen, von denen da» gesammte politische, kirchliche Lnd sociale Ringen Deutschland» bi»her nur Vorspiele gewesen sind, dürften wohl nun jene Politiker nicht sehen oder sehen «ollen, welche sich augenblicklich in einem so süßen Rausche de» politischen Wohlbehagen» befinden" u. s. w. ES ist aber auch nur eine Insinuation, wenn die Kr.-Ztg.' ihren Gegnern unterschiebt, daß sie da» Bevorstehen von Kämpsen nicht sehen oder sehen wollen; in der That wird da« wohl von keinem UrtheilSsühigen verkannt. Un» fällt beim Zeitungslesen, gax oftider-.Rückert'sche „Mann im Syrerland" ein, der sich im Brunnen geborgen har, über ihm da» wüthende Kameel, unter ihm der Drache, und neben ihm „ein Mäusepaar, schwarz eine, weiß di« audre war, er sieht die schwarz« mit d«r weißen, abwechselnd an der Wurzel beißen", an der Wurzel dr» Strauche«, der ihn hält. Die un» hier oörschwebend« Anwendung de» Gleichnisse» wird unfern Lesern verständlich sein; sie kennen die Mächte, welche den Bestand re» deutschen Reiche«, die ganze social« und staatliche Ordnung der Ding« um un« her bedrohen, die Parteien und Zettelungen, welche an den Wurzeln nagen und wühlen. Dir Beveutung der schwarzen Mau» erräth schon jeder Knabe, auf die andere paßt die weiße Farbe nur in Frankreich, auderSwo und in anderer Beziedung mag man sie rolh oder in die Farbe eine» parttcularistischen Banner» gekleidet sehen. Die Rollen de» Kamee!» und de» Drachen vertheil« der Leser nach Belieben; da» Gleichniß braucht nicht vollständig zu passen, und am wenigsten wollen wir angedeutel haben, daß un» die Lage de» deutschen Reiche» so gefährlich vorkomme, wie e« die de» Ranne» im Brunnen ohne Zweifel ist. Politische Erörterungen liegen un» hier fern, und zu einer solchen stillte da» Vorstehende keine Einkeilung liefern. Die bevorsteherden Entscheidungskämpfe betreffen aber Deutschland nicht mehr, al» die übrigen europäischen Staaten, Kr Schwerpunkt der Entscheidung, da» wesentlichste Rüstzeug liegt und besteht üb wall in den religiösen Fragen und Gegensätzen, und da' um dürfen wir wohl auch einige Bemerkungen hier a«»sprechen. Deutschla id hatte sich an die Spitze de» Kampfe» gegen Rom und srinr Bünde»- und Slredenögenosse« gcstellt und war der vorn hmste Schauplatz der religiösen Bewegungen; seit 4—5 Wo-Hen aber marschirt Frankreich wi der an der Spitze — jedoch nicht an der Spitze der Cioiüfa: ion. Darüber sind w r Alle einer Meinung, unsre französischen GlaubenSgrnofen nicht an-geuoinmen. Er kümmert un» hier nicht, wie viel oder wie wenig dort die Religion al» Marke für andere Bestrebungen benutzt wird, un» genügen die Thasache»; di« Wundererscheinunge» und di« Wallfahrten, die lärmenden Demonstrationen, die Dreistigkeit, mit der nicht nur die eigentlich klerikalen, sondern jetzt auch die Blätter der Regierung uni» verschiedener Parteien der „Orrnnng", den Kr.uzzng für den Papst, gegen alle Principien t»er modernen Gesellschaft, für den Syllabu», gegen die Errungenschaften Kt menschlichen Geiste» predigen. Za schon die all« Scham verläugnenden Maßregeln gegen die „Etvilb-gräbnisse" *) zeigen auf« deullichst:, weh man sich von den Leuten zu versehen hätte, welch« cugenblicklich in jenem Lande da» Heit in tic Hand bekomm« n haben; mährend die Frechheit, l.iit txt dann wieder im Helen Lichte, vor der ganzen Ration, behauptet wird, jene Maßregeln berührten die Religionsfreiheit nicht, und diese „stel,e gar nicht in Frage", an die Virtuosität im Lügen erinner., die un» so oft, allen bittersten Ernste» ungeachtet, zum Lachen gezwungen hat. Wir hab»n auch in Deutschland uttrankontane und reactionäre Blälter, Parteien, Strebungen und Hetzereien, aber •) Wir friltn '*11 Leser ju bedeuten, baß im Judeuthum der Begriff eine» Livil» ad* eine« „kirchlichen" Begräbnisse« ganz unlvßbor lit; au« «ine Beispi-t wird da« am Schluss« diese» Lriitel« Gesagt« bestätigen.