Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Zwei Spaziergänger, in eifriger UnteHältung begriffen, schlenderten durch die Menge, hier und da, rasche aber scharfe Blicke auf diese- oder jenes Zndividium fallen laffvr^» Der «ine hatte ein« großen rothen Bart und war von koloßalem Körperbau. Blau und weiß carirte Vorärmel, di« über den fettig« braunen Rock gebunden, kennzeichneten ihn al» Metzger. Sein Begleiter war ein kleiner ältlicher Mann. Unter seiner schadhafte,. WachStuchmüh« schaut« einige weiße Löckchen hervor; dabei hinkt« der Mann so bedeutend, und das Gehen wurde ihm so sauer, daß mancher sich verwundert fragte, wie ein solch schwächstcher Greis, einen so weiten Weg machen konnte, um ein« Prügelei mit anzuseh«, anstatt sich für sein nahes Ende vorzubereitm. An einem groß« Steine, der außerhalb des Ringes lag, .angekommm setzt« sich der Größere auf diesen, während der Kleine, sich auf die Schulter des Andem lehnend» stehen blieb. „Sirh l Schottwell", sagte der Große, „welch'eine schöne Ernte für uns heute hier wäre, wmn wir nicht auf Spezialitäten ausging«." „Freilich, Freilich", antwortete Schottwell, — den wir im Greise erkannt haben - „meine Finger zittern mir ordentlich, diesem oder jenem in den Rockkragen zu faff«, aber Geduld, wir fangen die Rechten heut' noch. Glaubst Du nicht auch?" ^„Wenn ich Dir die Wahrheit sagen soll, ich glaube nicht", erwiderte der große Metzger, „sie müßten schon da sein." Wenn man tausend Dollar» in der Tasche hat", sagte Schottwell, „mischt man sich nicht mehr unter die Lump«, man wird vornehm, und wundern sollte eS mich nicht, wenn sie zu Wag« käme», aber kommen werden sie." „Es ist eine ver — te Geschichte, Schottwell, mein Freund, uiuer diesen tausend Loafem zwei hrrauSzuholen, mit einer Polizeimacht, die nur'aus vier Händen beruht," versetzte HayS. „Du zählst für ein Dutzend", versetzte Schottwell, „und ich darr nur mein Pflaster und Brill« aurzichen, will ich dos ganze Gesindel in die Flucht schlagen." Obgleich diese Prahlerei eimgennaß« eine Berechtigung hatte, mußte Hays doch darüber lächeln. „Unsre Haut war nie so feil," sagte er, „als eben heut." Schottwell zuckte die Achseln und schwieg. Aufmerksam schaute er die Haide hinab» wie sich einige Einspänner nach dem Kampfplätze zu bewegt«. —-— Sie kamen näher, es waren ihrer ungefähr zehn, aber di« Erwartet« waren nicht unter ihnen. Eine kleine Enttäuschung' zeigte sich in seinem Gesichte, und Hays schmunzelte leicht. Doch dort kommen jetzt noch drei Kutschen um die Walbecke in's Freie. Sie näherten sich in schnellem Trabe und in den beiden vorderen saßen die Boxer mit ihr« Ee- «ndanten, welche von der Menge mit donnernd« Hurrah's empfangen wurdm. Zn der dritten aber saß ein Herr mit einer Dame. Ein in Livree gekleideter Reger kutschirte. Ta die Aufmerksamkeit der Meng« auf die Helden des TageS gerichtet war, so machte dieses letzte Fuhrwerk wmig Auffehen. Der Herr war sehr elegant gekleidet und unterhielt sich lebhaft und galant mit der neben ihttt fitzmben Dam«, die rbmso verschwenderisch alS geschmacklos angezogen war. Diese war eine junge Schönheit, mt^ frechem Grstchke, dem da» Laster tief eingeprägt war. „Das ist mein Mann!" rief Schottwell beinahe laut, vor Freud« feirt gewöhnliche Vorsicht vergessend. ,,W«? m»<* fragt« HayS sich umblickend. „Buch' ihr", sagte Schottwell frohlockend, „such ihn Hays." Dieser spante sich um und sein Blick blieb auf der elegant« Kutsche l ast«. ,»Za", sagte er nach kurzer Prüfung, „das ist Billy Schreiner in Begleitung'Betsy Brauns, der Ladendiebin, aber wo ist Zim?" „Auf dem Bocke, Freund! auf dem Bocke, der Rigger da» ist Zim, so wahr ich lebe." Schweigent, stand Hays auf, ging auf die Kukche zu und klopft, dem erhitzten Pferde die zuckenden Weich«, hierbei dm Reger z«au fixirend. . „Willst .Du auSsteigen, mein Liebch«?" fragte der Herr die neben ihm i itzende Dame. „Rein! Bill mein Schatz! da» ist nicht nobel, alle vornehme Damm sehen von ihrer Kutsche auS zu", vesetzte diese. „Well, bleiben wir sitzen, wir haben hier arch eine bessere Aussicht, obgleich die ande« alle auSgestiegen sind." .„Ich will einmal herunter und ein wenig näher an den Ring hin", sagt« der Reger sich umdrehend. „Laß Dic bas nicht beikomm«", entgegnele der Herr, „Du darfst nicht vergeffen, daß Du ein Rigger bist, sie würden E>ich todLchlag«, wolltest Du unter sie gehen." Der Reger nickte einverstanden mit dem Kopfe und blieb sitz«. Hays war langsam zu dem Steine zurückgeschl«1>e:k, au? welchem Schot well saß und sagte: „Kein Irrlhun, möglich. Bjll Schreiner ustd Betsy Braun, aber der Zim will mir nicht in den ä!opf. Der Rigger hat zwei Augen und Jim hat rzur eins. Geh' selbst Schottwell und überzeuge Dich?" „Ist nickt nolhwendig, wenn man Geld hat, kann mar. GlaSaug« brkomme». Hast Tu die Stimme des Riggers gehört?" z,Za, die Aussprache ist die eines Weißen." .„Well, denn abgemacht, dann haben wir sie. Jetzt mache den Krirgsplan mit mir." Beide gingen eine Strecke abseits und besprechen sich eifrig. Die Vorstellung l.atrc unterdeß begonnen und nahm die gespannteste Aufmerksamkeit der Zuschauer in Anspruch. Bill und Zivi beobachteten mit wachsender Aufmerksamkeit den absch«lichen Kampf. Betsy athmete kaum. „Wollen Sie auf Paddy Maloywetten? ich wette 50 Dollargegln ihn", rief da dicht neben d:m Wag« eine zitternde Gres.ustimme, Bill wandte sich um und sagte: „Es gilt, Maloy ist mein Mann." Und «r griff in seine Tasche, währmd der Alte rin Notizbuch hervo holte. Ein donnerndes Hurrahgeschrei ertönte von Kampfplatz herüber und Bill blickte ein«'Augenblick auf. Da flo;« seine Füge unter ihm reg und er selbst wie der Blitz, v)» unwiderstehlicher Kraft nach hinten geriff«, einen-Purzel iaum schlagend, flog hintenüber, aus dem Wagen auf da« Gras, daß ihm der Kopf summte. Er hörte den Schrei Betsys, der aber im allgemeinen Tob« verhallte. Als er aufb> ickle um die Ursache seines Sturzes zu erfahr«, sah er in des ihm wohlbekannte Gesicht Han«. Billy Schreiner gab flch verloren. (Forsetzung folgt.)