Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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196 7. d. M >':.ub auf der Rückreise »ach Frankfurt in Parider Gründer und Chef des Frankfurter Bankhauses L. H. Goldschmidt. Derselbe war ein Freund und Fördererder Wissenschaft; eine von ihm für Studireude errichtete Stiftung trögt seinen Namen. Er war ein Freund und Förderer aller Guten, ein Wohlthäter und eine Stütze der Armen. Gmdschmidt »ahm stet« ein lebendige- Interesse an dem Gedeihen und Wohlergehen seiner Vaterstadt Frankfurt und war ein sehr thätiges Mitglied deS Vorstandes der iir. Gemeinde. Seine Reiche wird auf dem isr. Friedhofe in Frankfurt a. M. b« nrbigt werden." Wir fügen noch hinzu, daß der Verstorbene ein hochgebildeter Mann war, der auch jüdische Wissenschaft schätzte, und dessen Hr.uS lange ein freundlicher, geistig anregender Sammelpunkt für die Jünger der letzteren, wie für Literaten und Künstler überhaupt gewesen ist. Es war dort, vor etwa 36 Jahren, eine Art von neutralen Boden, auf dem sich Conseroakive wie Reforvirr zusammenfanden (auch beim Mahle — die Führung der Küche gestattete es.) Durch ein Geschenk von 20000 fl., wenn wir uns recht entsinnen, gab G. den ersten wirksamen Anstoß zur Erbauung der neuen Synagoge in Frankfurt. Ein jüngerer Bruder des Verstorbenen ist das sehr thätige und stet» opferbereite Mitglied des Centre lcomite's der All. Isr. llniv, Hr. S. H. Goldschmidt in Prris. I Dresse». Der Generalkonsul Peixotko verweilte hier | und besuchte Sonnabend unsre Synagoge. Dr Landau benutzte die Gelegenheit, die Gemeinde auf die Anwesenheit und dir hohen Verdienste des Manneaufmerksam zu machen, der unter Aufopferung alles dessen, was den Menschen an die Heimath und das HauS fesseln kann, dem Wähle seiner be- \ druckten Glaubensgenossen seine Thätizkeit widmet. Die Apo- > strrphe war ebenso begeistert wie begeisternd. (I. B.) j Österreich. 8. Le«terg, 12. Juni. (Or.-Corr.*) Die Thätigkeit des Vereins „Schomer Israel" in Angelegenheiten der jüdischen Geineinde hat bis zur Stunde einen derart reservirten Charakter, daß es keinem jüdischen Organe möglich war, die religiöse Tendenz desselben herauszufinden. Erst vor kurzem. >ils in den Spalten des „Israelit"**» die Reorganisirung der jüdsscheir Gemeinde der leitende Gedanke wurde, geriethen «trage Schriftgelehrte außer sich. ( Ich erlaube mir daher di« Ansichten de- Vereins, soweit st« mir aus seinm statutarischen Bestimmungen bekannt sind, auseinander zu setzen, om unfern frommen Männern auch zur Wahrheit zu verhelfen. Der Verein strebt di« politische und soinale Hebung seine-Volkes an. wünscht Wissen unter seinen Glaubensgenossen auf der breitesten Basis einheimisch zu finden. — Zn religiöser Beziehung will er ganz neutral dastehen, auS dem Grundsätze,'man müsse jedermann nach seiner Art selig werden lassen. Der vergeblichen und' undankbaren MÄh«, die eine oder die andere religiöse Richtung als die alleinseligmachend« hinzustellen, will er aus Liebe zum Iuden- *) Eine zweite Corr. scheint durch die am Schlüße der Verm. Rachr. in vor. Nr. enthaltene Mittheilurig, soweit 'sie Djatsächliche« enthält, erledigt. »Red.) D. h. de« zu'Lemberg erscheinenden „J«raelit", Organ de« ft-gl. verein«. (Red.)' Hunte, au» dem dringendsten Äedüni-.isse der Einigkeit unter unser» Glaubensgenossen, sich nicht unterziehen. — Deßwegen war eS auch dem Vereine möglich, zu seine» Mitgliedern Glaubensgenossen der entgegengesetztesten religiösen Anschauungen zu besitzen. Welch ein großer Bortheil dieses Zusammenwirken aller jüdisch«! Elemente ist, welch mäßigende und besänsttgend« Ideen von diesem Vereine ausgehen, ist wohl nicht in dem engen Rahinen einer Correspondenz ausführbar. ES genügt, zu constatiren. „daß auf dem neutralen Boden de- Schomer Israel" unser sehr ehrwürdiger streng orthodoxe (im wahren Sinne des Wortes, nicht etwa chassidischer) Rabbiner Saul Halevi Ratansoh», der ehrw. Prediger Löwenstein, die Spitzen des Fortschritte- und die starrsten Conservativen zu gemeinsamer Berathung zusammentreten. — Es mögen daher diese Zeilen hinreichen, damit jene Organe, die wegen ihres „Alleinseligmacherthums" Zwietracht und Unglück in die jüdische Familie streuen, die Uebexzeugung ge- : winnen, daß ihr böser Samen auf steinigen Boden gefallen, daß sie vor ihrer Thür kehren und aufhören, das Feuer in den Gemeinden zu schüren — sondern lieber durch sanftes, belehrendes und herzgewinnendes Borgehen die verirrten Schäflein zum Iudenthume zurückzuführen und das Wort bewahrheiten: Io boraasch adon. . Frankreich. Zkaris Tas Centraicomite der Alliance Irr. Univ. hat den Entwurf der dem Schah von Persien zu überreichenden Adresse den auswärtigen Mitgliedern zugesendet. Tie Regel der Ettkette, der zufolge gekrönten Häuptern zu überreichende Schriftstücke nicht vorher veröffentlicht werden sollen, wird für unfern Fall nicht verbindlich sein, wir theilen daher die Hauptstellen der Adresse mit: „Sire! Biele Jahrhunderte sind verflossen, seil die Israeliten aus Palästina gewaltsam in die Gefangenschafl nach Babylonien geführt, dort mit Freude die befreiende Ankunst der Perser unter Cyrus begrüßten, dessen Befehl ihnen den Weg zur Heimatb erschloß. Sie kehrten nicht inogesammt nach Jerusalem zurück. Die neuen Herren des Landes waren ihre Beschützer und fesselten sie an ihr Interesse. Unsre Bücher erzählen, daß unter der Regieruug eines von. ihnen, den sie Affuerus nennen, ein gransamer Minister alle Juden Persiens dem Tode überliefern wollte; aber der König hatte eine Jüdin geheirathet, deren Grab man noch in Hamadan zeigt. Die Königin Esther verwendete sich für ihre Brüder, ihr Flehen wurde erhört, di« Rettung der Juden zugesagt, ihre Rechte verkündet. Dawaren die Wohlthaten, welche der König von seinem erhabenen Throne gus, über sie verbreitete, und lange Jahre gewährten DariuS, Artaxerres und ihre Nachfolger ihnen eine mächtige Stütze. ., Sir«! Wir gehören diesem alten S.tamme der Juden an, der noch immer lebt und inmitten afler Völker.der Erde verbreit« ist. Wir .kommen nach 2400 Jahren, um die Macht, und bie1 Gerechtigkeit des Königs für die heute, wie «in£tti$ic Vorfahren, daS Königreich Persien bewohnenden Brüdex anzuflehen. Wie Ihre Vorgänger im Älterthum, perden. Sie die an Sie gerichteten Bitten erhören. , Sire! Die persischen Juden sind heute die unglücklichsten Menschen, ja sie werden kaum als Menschen betrachtet. Sie bilden eine Bevölkerung von,'wie man sagt, 40000 Seelen, von'denen mehr als 10000 die Hauptstädte Ihres Rei-