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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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148 Feuilleton. ' Xkr>W* €«*»»&«. (Nach „Recht». J«r." »»«zttgllch.) , Abraham Eamondo war nicht nur das verehrte Haupt -einer großen und aitSgezeichneten Familie, G>ü»d«r eiiirS.br-' deutenden Bankhauses, 'sondern er besaß sdler« und bleibendere Aqsprüche auf Hochschätzung, nämlich dir (Geradheit seine« Cbarakters, seine unerschöpfliche Wohlthätigkeit und seine echte israelitische Glaubeitütreue, dir er mitten in Reichthnm, Glanz und Ehre unverletzt erhielt. Eackondo war 1780 in Eonstanlinopel geboren; seine Familie wohnte daselbst seit etwa 100 Zähren, stammte aber ursprünglich au« Venedig, wohin sie einst, au« Spanien vertrieben, gewandert war. Eine Schwester Abraham«, Witlwe Ventura Fua,' lebt noch hochbetagt in Jerusalem, wohin sie .sich, frommem iuorgenländischrn (Gebrauche folgend, zurückge zogen hat, um ihr Leben in stiller Frömmigkeit zu beschließen. ' Abraham Eamondo'-. Vater war ei» grachteter, nur eben wohlhabender Kaulmai.», er erzog ihn und den älteren Bruder Zsaar zu Thätigkeit und Redlichkeit und z» warmer Hingebung an die väterliche Religion Der Vater und jener ältere Bruder legten z» der Bedeutung de« Ha idelSbause» den Grund, Abraham erdob es, sein vor ihm gestorbener Lobn Raphart und die Enkel, Abrahani •) und Nissim, vollendeten da« Werk Seit einen, halben Jahrhundert sind die großen j Finauzangelegenhelte» der Pforte unter Mitivirkung des Haui se< Eamondo bi-sorgt worden. Seit der Regierung Sultan s Selim'», unter vier auf einander folgenden Herrschern, stand j Abraham l^itoiibo bei den Großwürdenträgerit de» Reiches in'hohem Ansehen, "er erfreute sich besonderer Freundschaft Seitens der Grpßvrziere Reschid Pascha, Mehemed Ali, Fnad ' und Ali Pascha, de« Gesandten in Pari», Djrmil Pascha, und I der jetzigen Minister Mehemet Ruschdi, Äiamil, Sa>el, Riza, ’ Mustapha Fazil. 18.r,8 vertrat er die österreichische Eolonie I in Eonstantinopel bei der Vermäülnng Kaiser Franz Joseph'» j und erhielt den Franz Joseph-Orden und daS Bülgerrecht I»! Wien, schon vorher war er zum Eoniinaiidenr der deidrn türj Aschen Orden. Nizzam und Medjidje, ernannt. Al« dann i Venedig wieder an Italien kain, trat di« Familie Eamondo j ihr «rfprünglich italienische« Heimachrecht wieder an, und Victor Emanuel verlieh ihr den erblichen Grafenlitel.! Von Prüflinge» und Leide» blieb auch A. Eainmodo'S j Leb«» nicht frei. Kurz vor dem Sturze der Fanitschare» war da«..Lebe» der Familie von diesen bedroht. Reäuzeitig gewarnt »retteten sich die Brüder mit Hülfe de» österreichischen ZnternunliuS, Baron EtlenrelS, sie wurden freilich »rilirt, aber da- Dekret wurde bald hinfällig. Schwerer trafen bäu-liche Leiden. Rbraham'S einzige Enkelin, Mad. Halfon, starb jung . in Nizza, >80!. 1860 verlor er erst seine «Gattin, dann seinen einzigen Sohn. Bei der Beerdigung der ecsleren ereignete | sich biS dahin Beispielloses. Alb der Zug an einer griechi-! scheu Kirche vorbeikam, trat der Bischof mit jeinem Elerns > heraus und begleitete, brennende Kerzen tragend, dir Leiche der Jüdin zur Grabstätte. Der Leiche drS Sohnes folgte , eine Militairabtheilnng mit einem Obersten und dem Musik- > *) Bei den Sefardim benennt man Kinder auch nach den! noch lebenden Großeltern.! corp« der kaiserlichen Ga»de an der Spitze. AIS der Zug die Pampfbootbrück« passtrte, salutirten die Schiffer auf der Rhede durch Niederlassett der Segel, eine Ehre, die nur Fürsten erwiesen zu - werben pflegt, die armenische Kirche gab Trauergeläute and der vischof schloß sich dem Zuge an. (Schluß folgt.) Unsichtbare Fessel». lFortsetzung.) Der uurrw. riete Schlag, der Bertha getroffen, hatte st« betäubt. Au» tem Himmel ihre« kindlichen GlückeS» ihrer jungen, glückliche « Liebe herabgeftürzt, hatte sie bisher1 nur daS eine Gefühl eine Sklavin, ein verachtete« verworfene« Geschöpf zu sein. Jetzt «ich alliuählig der Starrkrampf, dev - ihr Seelenleben gcfesfclr hatte, ihn Gedanke» richteten sich aus einen andern Punkt, aus ihre Liebe, auf den Mann, der noch heute ihre ganze Seele erfüllt hatte. Mußte sie sich nicht noch elender fühle» als vorher? Je mehr sie sich ihre Lage verdeutlichte, best) klarer wurde es ihr, daß Moritz jetzt dopp«lt iür sie vcilcren sei. Gab es eine Möglichkeit, daß er sie errette? Aber wa« der Vater mir semem großen Vermögen nicht erzielen konnte, da« mußte einen, u>.brmittelteil jungen Manne gewiß unmöglich sein. Und >ae arme jung« Mädchen vergaß ihr herbe« Schscksa!, um da» des Manne» ihrer Wahl zu beweinen. ..„Ihn soll ih ve>lassen? ihn, dem ich am Abend« von Rosch Haschonoh geschworen, ihn zn lieben, sein Gestirn auf seinem dunklen s endlosen Lebcnspfade zu sein; von ihm soll ich. griffen werd>ul Ach der Unglückliche! Za er war im Rechte, al» er mir erzähl», rin Verhängniß scheine aus ihm zu laste», da« sein Glück in Gist verwandle. Armer theurer Motsy! Dein Verhängniß hat Dich über daS Meer in di« Arine einer AnSgfftoßcnrii grivorfe», um Dir den schäumenden Becher dcü Glüikev an dir durstigen Lippen zu halten und ihn daun in die bodenlose Tiefe zu schleudern. Und bllebe un»'Seidrii >»>ch das Bewußtsein freiwilliger Entsagung? ' Dürft« ich Ihm kann »och mit meiner Liede nahen? Wird «> ftg nicht schaudernd von mir wenden? Wirb er mich »rtte» w)llen, selbst wenn er könnte? Bin ich nlcht eine Verivorsenr" AuSgestoßene? Hude ich ihm nicht vorgefpiegelt, die Tochter eines gcachlettn Manne« zn sein und bin doch nur eine verachte» Oktoronc, in deren Ader» Nrge.bluk fließt? Was habe ich verbrochen? Warum straft mich Gott jo dort und ahndet die Sunden der Eitern an den Kindern?.." In ihrer Berzivcistnng warf sich da« junge Mädchen trotzig auf eine» Stuhl am Fenster und blid» zu den halbgestirnte» Himunl auf, als wolle sie den ewigen Richter fordern zu seiner Vertheidiguiig Und Gon batte Mitleid mit dem armen gequälte» Geschöpfe, denn der Engel de« Schlote« senkte sich leise hernieder, schloß die vcrwnnten Augen des leidende» Mädchens und wiegte ihie Seelin kurzer Vergessenheit ihrer Leiden. Und von Osten stieg das herrliche Tagesgestirn herauf und seine Strahlen wöbe» einen Mäilyrerkranz um da» Haupt der Leidenden und küßten dir schweren T'opscn von den Wimper» der schöne» Unglücklichen. (Forts, folgt.)

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