Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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we Mine Herren! Es ist ein erhabenes uns herrliches Wort unserer Leise»: „Nichts ist für Israel so seHpnbrsWMd, wie der Friede." Gewiß, a>H Sie fühlen dietz. Wie riGfintzen es sicher auch schmerzlich,.daß schon der stsß i» sPse«r GeiziettGe angebahnt, daß schon ein Theil sich zu einer Separatgemeinde eoasti^irt hat. Täusche» Sie Sich nicht damit, daß es nur ein« geringe.Fahl ift. Es ist das «licht Ihr Verfielest; es ist die Schuld der«, welche, nachdem sie die Leitung an sich ge. risie», ebenso wie Sie, nicht den Ansprüchen ihrer Gemeinde, sondern nur ihren eigenen erkremen Anschauungen Ausdruck gegeben. Zweiteln Sie daran nicht: beharren Sie auf Ih:em Wege, wollen Eie nur einer Parthei Berücksichtigung zewäbren, so wird Ihnen der Ruhm des Herostrat nicht entgehen. Sie werden die erste Gemeinde Deutschlands zur Ep-tttiing getrieben und den Ruhm Israels, ein einig Volk zu sein, vernichtet haben. Isi dies nothwendig? inuß es sein? Ist das Wort deS Propheten: .Haben wir nicht alle Einen Vater? Schuf auS uicht Ein Gott? Warum soll Bruder gehst«: Bruder treulos handeln, und den väterlichen Bund vernichtend — Ist dies Wort nicht zwiefach gültig für Söhne Eine» Stammes? Es ist ja doch Vieles, «vas uns ein»; es ist dieselbe B ürzel, die uns Nahrung zuführt: der Glaube an den Ewig-Innigen, den Hort Israels. Trotz allem fühlen wir nnS als ein Stamm; wehe, wenn die .Zweige selbst den Stiel z« der Axt liefern, welche den Stamm zu spalten droht! Kragen Cie aber, was ist zu thun, um die Einigkeit ^u erhalten, den Frieden zu wahren? so giebt es nur eiu« Antwort: übet Gerechtigkeit! Nur auf Recht ist Fried« zu gründen. Bei den reichen Mitteln unserer Gemeinde, kann den verschiedenen Richtungen innerhalb derselben Befriedigung gewährt worden! Ist die neue Synagoge einem modernen Eultus geweiht, so lasse man den Anhängerr des bestehenden Ritus die andere. Haben die Reu- Iuden ihre reformistischen Prediger und Rabbiner, so gebe man auch dem Rabbiner, ivrlcher die Alt-Juden vertritt, eine selbststcndige Stellung und verstärke sein Kollegium unter Berücksichtigung der Umstände dieser Richtung. B mutzen Sie nicht die Majorität, welche Ihnen nur durch ti« Stimmen derer geworden, denen überhaupt jedereligiös: Interesse fehlt, und welche nur der ausgehängten Fahne des .Liberalismus" folgt««, um die Alt-Israeliten von Bertteting und Verwaltung fern zu halten. Virlangen Sie nicht, daß sie in Bettest ritueller Einrichtungen Männern vertrauen sollen, welche diese nicht mehr für zritgemiiß halten. Richten Sie auch solche Schulen ein, an «velchen Lehrer wirken, deren Treue und Anhänglichkeit an den Glauben der Väter erprobt ist. Das sind Forderungen der Gerechtigkeit. Wenn Sie diese befriedigen, so werden Sie Ihre Aufgabe erfüll««; Sie werden die Einheit der Gemeinde bewahren, friedlich «verden die Gl eder zusammen wirken und mit Freude das Gemeinsame fordern. Sie werden der Welt das Beispiel geben, daß «vährerd in anderen Religionsgesellschasten der Rampf wbt, Israel bei alltt Verschiedenheit seine Einigkeit wahrt, der Name Gottes, welch» auch „Friede" heißt, wird durch Sir gebeilix t «verden. kerlin. im März 1473. Ein Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeind«. (Indem wir uns de« Inhalte des Vorstehenden aus tiester Ueberzeugungjpnfchließen, fügst» MrMlh zwei Bemerkung« hurtz«: jk)' baß die Verwavuiijs rH, Breslauer Geintstld« j«'l .fast deyissig Jahren «kn imrstehAiltiges Beispiel des durch Gerechtigkeit gegen beide Ni'ihtungen gewahrten Friedens ausgestellt hat; 2, daß das Vorgehen der Berliner «Hrmeinde mid die Vorgänge in , ihr für die zukünftige Gesetzgebung maßgebend sein iverden. Würde das Verlangen nach Freiheit des Austritts aus der Orrs-Gemeinde nur von Einzelnen in Provinzialstädten vorgebracht, so würde es keine sonderliche Beachtung finde». Die Koalition der äußersten Rechten und Linken in Berlin würde aber dürchdringe». Weitere und allgemeine Besprechung behalten wir vor. Red ) Dir Jude« i» Loglaad. Man kann selbst heute noch oft genug die Wahrnehmung machen, daß Schriftsteller und Dichter gerne Juden dazu gebrauch««, um den Ausbund aller Verschlagenheit und Schlechtigkeit an ihnen darzustellen; die Juden als Prügelknaben für bequemen Spott und billigen Hobn zu benutzen, ist aber vollends eine Lieblingsgeivohnheit, von der >na«i gar nicht lassen zu können schein. Ist es >«un wirklich blos oerletzte Eitelkeit, gekränkte Ehrliebe, wenn wir ob solcher Begegnungen uns regelmäßig entrüsten? Ist nicht diese ganze Juden - neckerei blos eine Harmlosigkeit, die e» gar nicht werth ist, daß man sich so sehr über sie erhitze? Nur der Leichtsinn kann so uriheilen. Wer da «veiß, ivelch eine berechtigte Großmacht das allgemeine Schriftthuin in unseren Tagen geworben iß, «vestba «veiß,«wiegecabc der Dichtung der Weg zum Geiste «mb Herzen des Volkes osien steht, der wird ganz ernstlich die Forderung aussprechen, der Schriftsteller »nd Dichter habe in der Wahl seiner Gestalten, in der Form seiner Urthrile ganz besonders gewissenhaft zu »erfahren, wenn nicht Vorurthcil und falsche Vorstellungen statt der ängestrebte» Aufklärung und Erleichterung im Geiste des Volkes Platz greifen sollen. Man darf zivar das Eine nicht übersehen, daß der Dichter an seine Zeit sich wendet, daß er aus ihr die llrtheil« und Vorstellungen aufnimml, dir allgemein im Umlauf sind und daß auf diesem Wege, aus der ja wirklich Jahrhunderte lang herrschenden V«achtung und t?rbitterung gegen die Juden, ihre Verhöhnung in die Dichtung Hinringekommen ist, aber da» spricht doch durchaus nicht dafür, daß diese auch heute noch darum nicht schivindrn solle. Hat doch in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit g«adr dadurch die Dichtung einen Ehrenplatz, daß sie die Gedanken des Fortschritts und der siegenden Gesittung als köstlichste Frucht in der goldenen Schale ihrer Formen allen denen reicht, die sich an ihr laben, ist sie doch dadurch allein die himmlische Erzieherin der Mnischheit, daß sie den Menschenkindern ernste Wahrheiten in lieblichfröhlicher Fassung beibringt! Wie oft ist es nicht schon hervorgehoben worden, was Schill« für die Hebung des Freiheitsgefühles in Deutschland geleistet hat, indem « auf den munteren Wellen seines SangeS beiligernste Gefühle in die H«zrn der Jugend flößte l Und küiinen wir nicht andrerseits, um rin Beispiel für unseren Gegenstand zu wählen, auch das Eindringen neuen od« erweckten Wahnes aus der Dichtung in die Menge »«zeichnen? Wenn man schnell die Fabel von dem Durste d« Juden »«ach »