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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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7. d. Mts., nachdem sie noch am 4. der Hoffnung Raum gegeben, von Christel» n»»b Juden gegen bat Gesetz Angebrachten Petitionen, dasiekbe.'ver» werfen würde. — Zn der neuesten Nummer (v. iD) Hofft, diese« so mannhaft für di« gerechte Sache der Juden ei »tretende Blatt, dag der gewiffenhast« Kürst, dem „Nichts ohne Gott" Ist, die allerhöchste Sancston diesem Gesetze versagen werde. Die „N. Fr. Pr." bringt auS Anlaß dieser hauvtsächliich gegen die Juden gerichteten Maßregel einen fnlminanten Artikel, dessen Schlußworte wir hier' wiederholen: „ES bäucht un« hoch an der Zeit, daß die Schutzmächte der Donaufürstenthümer ihre Stimine erheben, diesen fanatischen, immer rumorenden Gernegroßen alles Ernstes aufzuerlegen, der Meinung, dm Anschauungen der großen Culturvöllker der Welt Rechnung zu tragm, deren Geduld nicht auf daS Aeußerste zu spannen und zu erschöpfen; sich vorzusehen, daß der Unwille Europa'- — und, wie wir wohl hinzufügen dürfen, auch Amerika'- — über solche empörende Vorgänge nicht an Einem Tage die Schöpfung der Pariser Konferenz von 1856 zerstöre." Feuilleton. Unsichtbare Fessel». (F-rls-tzung.) „Eie will Dich nicht!" sagte Deermoore, sein bischen Energie zusammenraffend. Ein langgezogener Pfiff kam zwischen dm Lippe» Stonehill« hervor. Dann wurde es still im Zimmer, daß man die schwerm Athemzüge Deermoore's bis in die rntfernieste Ecke deutlich hören konnte. Elonehill dachte nach, währmd er gemüthlich seine Cigarre dampft«. Nach fünf Minuten schim er einig mit sich zu sein und eröffnetr den Feldzug gegen seinen feigm Freund. Er sagte laconisch: „Und Du? willst Dil mich auch nicht?" „Sage mir lieber Freund, ermannte sich Deermoore endlich, warum bist Du so umgewandelt? ich kenne Dich ja beinahe Glicht mehr. Du sprichst förmlich wie ein Richter zu einem Verbrecher mit mir, Du, der doch sonst so sanit und gutmüchig gnvesen." „Schreibe das meiner großen Liebe zu Bertha zu, versetzte Zmer, ich weiß vor lauter Gluth nicht mehr, wo mir der, Kopf steht und schon deshalb magst Du meinem barschen Wesen verzeihen. Uebrigeus habe ich dieses mit der Zeit durch den Umgang mit den Negern angenommen — Deernwore zuckte zusammen — aber: es wird sich geben, wenn ich die liebe kleine Bertha erst mein nenne. Also antworte mir auf meine vorige''Frage: Willst Du mich auch nicht?" _ „Ich? sagte Deermoore, ^ich habe nicht das Geringste gegen Dich, Du bist mir als Schwiegersohn hundert mal lieber, als ein junger Laffc und Habenichts, wenn ich nur das Kind bewegen könnte, Dich zu nehmen; ich^kann es Dir nicht verhehlen", setzte er hinzu, und glaubte sehr klug zu sprechen.-„ich habe Grund zu vermutheu, daß Bertha Dich tviMich haßt." , Mit einem Stoße schleuderte Stonehill den Stuhl, auf 95- •l [• welchem seine Füße ruhten in die Stube und sprang auf. ^'/Lsine Wange» fistcht». KH'hochroth-Md. sei, graues Auge ^sprühte Feuer und leuchtete unheimlich w!« daS einer Katze im Dunkeln. Er stellte sich, die Fäuste geballt, vor Deermoore, dem die Zähne im Munde klapperten und der die Augen schloß, :rm den Zorn dieser wirklich fürchterlichen Mannes nicht zu sehen. „So, hasst sie mich?" stieß Stonehill zischend zwischen den Zähnen herror. „DaS ist gut, eS jetzt zu wiffen, hastet sie mich? fragte er nochmals? Sieh! sieh! das Püppchen, wer hätte daS gedacht, mich zu Haffen, ihren zukünftigen Meister und Herrn", diese« Wort betonte er so scharf, daß Deermoore schauderte. „Ja. ja, eS steckt böfeS Blut in ihr, fuhr er fort, etwas gelassener werdend, böses Blut, o, ich kenne daS, macht aber nichts, wir haben schon bisereS auSgetrieben. Zch hätte vielleicht von meinem B orhaben abgestanden, wäre ich von ihr geliebt worden, »der sie nur gleichgültig gegen mich geroesen, aber hassen, Häsi n! Ha, ha, daS ist ja göttlich, jetzt muß sie mein werden; einer Frau den Haß zu vertreiben, ist eine ganz neue Idee, die mir gefällt, jetzt will ich sie erst haben. Hörst Du Deerv oorr, hörst Du lieber Freund!" Und Etonehill brach in rin Gelächter aus, wie daS Gelächter Satans klingen mag, wenn er einen Batermord gewahrt. Vor dem inneren Auge Deermoore« zog das schreckliche Loos seines gelierten Kindes vorüber, welchem sie durch ein Ankette» an diese- Scheusal verfiel, wenn er sich nicht er mannte. Der kleine Funken von Muth, der in der Brust selbst des feigsten Mannes ruht, flackerte einem bleichen, schwindsüchttgen Flämmchen ähnlich, empor. War der Spott der Welt, die Echaa!>r, der die Tochter nothgedrungen unterliegen mußte, so hoch anzuschlagen, um ein junges unschuldiges Wesen grenzenlos unglücklich zu machen? Nein! mag Stonehill sein Misslichstes thun mag er das Geheimniß ausposaune», durch die Zeitungen bekannt machen; eS giebt ja noch andere Städte, noch andere Plätze für gehetzte Menschen, nein! er soll niein Kind nicht haben Felsenfest stand der Enrschflüß wieder im Herzen des gequälten Vaters. — Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Voriätzen gepflastert. ' „Wenn Du Dich ausgetobt, sagte Deermoore — um vieleresoluter as vorhin — werde ich Dir antworten." „Ich bin fenig, für jetzt wenigstens", versetzte Stonehill, von seinem Zorne in die größtmöglichste Gleichgültigkeit zurückfallend; „sprich mein Freund!" „Dein Betrigen, das mich erschreckt, sagte Deermoore, würde sehr bald den Tod des arnien Kindes herbeiführrn, wen» ich schwach und thöricht genug wäre, Deinem Willen zu willfahren; idi habe mir die Sache überlegt und verachte Deine Drohungei, thue was Du kannst, gieb Dein und mein Geheimniß preis; die Folgen könne» nicht halb so schrecklich sein, als die sein würden, wenn sich für die Bewahrung der Geschichte das Glück und Leben Berthas^ biete." Stonehill zündete eine neue Cigarre an und sah seinem Freunde eine Weile lächelnd in's Gesicht. Wäre Deermoore nur ein klein W mig Menschenkenner gewesen, würde diese Ruhe ihn erbeben gemacht haben, ,tz«nn sie plich zu sehr der Paus« vor dem Ausbruch eines OrkanS! aber Deermoore hatte nicht oft scharfe Stürme erlebt, und dies« anscheinende Grmüthlichkeit lies ihn sich als Sieger denken. (For«,e,un, folg» )

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