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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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74 Feinden nicht weggeleugnet werden kann, sollen wir nicht rastloser als je unsere zerstreuten Glieder sammeln und moralisch und physisch fie einigen?! Wer von unfern jüd. Großen wird den Muth haben, störend in daS KrystallifationSwerk einzugreifen, daS für un» von Pariunternommen und zu so herrlichen Hoffnungen berechtigt?! Wahrlich keiner, der dir Wichtigkeit dieses Unternehmens zu ermeffen im Stande ist, und wollm wir hoffen, baß es nur die Verirrung eines Momentes war, die die Frage unnützer Weise in Fluß gebracht, und daß sie wieder von der Tagesordnung verschwinden wird, um der weitern Consolidirung der Alliance wieder aufzuhelfen. Die Consolidirung der Alliance ist nicht nur im jüdischen Interesse dringend, nein fie ist's auch im Allgemeinen Interesse, denn sie trägt einer brennenden kosmopolitischen Frage Rechnung. In einem Zeitalter, welches von zwei Internationalen, der schwarzen und der rothen, so arg durchwühlt und bedroht ist, bildet die von unfern Stammesbrüdern ausgehende Internationale den wohlthitigsten Gegensatz, und indem sie für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für ihre Glaubensgenossen kämpft, arbeitet sie mit den weftbewegenden Ideen der Neuzeit und Hilst ihnen gewissermaßen »ach. Man kann mit gutem Rechte die Internationale der Juden die weiße, und ihre Thätigkeit das Werk des Friedens und der internationalen Versöhnung nennen, ein Werk, welches um so erhabener, um so erfolgreicher sein wird, je fester daS Band der Einigung um die Glieder der jüdischen Familie auf dieser Erde sich schlingen wird. Wollen wir daher zur Ehre des Judrnthums und zum Lobe des Zeitgeistes alle unsere Kraft einsetzen, damit nicht nur keine Störung in de» Leitung eintrete, sondern «lles aufgeboten werde, sie zu vergrößern und ju verherrlichen. Es wäre eben in dem Sinne des oben Ausgesprochenen, wenn zur Ausstellungszeit eine große Versammlung aller Glieder dis Vereinenach Wien berufen werde, um nithige Beschlüsse zu fassen, wie man die großen jüdischen Fragen mit vereinten Kräften zu lösen hätte. Der Eongreß in Wien soll grade zu der Zeit abgehalteu werden, wenn die Herrscher und die Vertreter der Völker zusammen kommen, um gleichsam vor den Augen der officiellen Welt die Besserstellung unserer Glaubensgenossen in aller Herrn Länder zu verlangen. vr. Bier er, Gerichtsarzt. Nach, ttn) Acht»Kmart -er Nedartiou. Indem wir in Vorstehendem noch das Votum eines Unparteiischen, d. h. weder Deutschland noch Frankreich Angehörigen, veröffentlichen, wollen wir die Debatte vorläufig schließen, bis thatsächliche neue Momente zur Wiedereröffnung einladen. Wir verzichten, um unsere Leser nicht zu ermüden, auf die angekündigte Darlegung unsrer eigenen Ansichten und fügen nur noch einige aphoristische Bemerkungen an. Zunächst ist zu constatiren, daß die gesammte jüdische Presse im In- und Auslande, diesseits und jenseits deS OceanS, sich gegen jedes Zerreißen der All. Ist. Univ. und gegen das von den Herrn vvr. Makower und Kristeller Vorgeschlagene energisch ausgesprochen hat. Auch die Beschlüsse der Berliner Delegirten-Conferenz zur Bildung einer „israel. Alliance in Deutschland", haben weit mehr Gegner alS Berhteidigrr gefunden. Was insbesondere die „Zsr. Wochenschr." anbetrifft, so ist der Redactrur, dem man hier und da wohl ganz absonderx lich Boreingenommenheit gegen „die Berliner" vorgcworfen hat, am Ende derjenige, der, selbst mehreren seiner eigenen Fkrunde und Mttarbeitrr gegenüber, noch am meisten für die Bildung einer nicht sonderbündlerischen, aber doch auf eigenen Füßen stehenden „Israel. Allianz, Deutsche Abtheilung", geschriaben hat. Diesen Titel hatten wir mündlich vorgeschlagen, es waren sowohl die thaffächlichen Verhältnisse, wie das Vorbild der Anglo-Jewish Association, welche uns dabei leiteten. Wir beharren noch bei dieser unserer, fteilich ganz bescheiden auszusprechenden Ansicht und bei dem am Schluffe des Leitarttkels in der letzten Nummer v. Z. angedeuteten und auch heute nicht weiter auszuführenden Vorschläge einer Arbeitstheilung. Religiöse Meinungsverschiedenheiten haben in der Debatte ohne Zweifel mitgewirkr, zum Ausdruck sind sie jedoch nur in einem Organe „d«S Fortschritts" gekommen, welches als Enfant terrible ausgesprochen hat, was Andere vielleicht ge- , dacht und beabfichügl haben mögen. ES verlohnt nicht der Mühe, darüber mehr zu sagen, besonders da das Motto eines gekränkten kleinen Ehrgeizes ganz offen daliegt. Was die ftanzöstsch-jüdischen Blätter anbetrifft, so hat eines von ihnen eine» sehr chauvinistischen Ton angeschlagen, der höchstwahrscheinlich auch der Gesinnung vieler seiner Leser entspricht, auch ein daselbst veröffentlichtes Votum eines „Unparteiischen" (eines Italieners) hat in Verkennung deutscher Verhältnisse Starkegeleistet, doch kehrt die Ruhe der Gemüther zurück. „Arch. Zsr." vom 15. Januar sagen, man solle doch den Namen Bismarck's (!) aus dem Spiel lassen, eine religiöse und humane Idee nicht dadurch entstellen und erniedrigen, daß man beständig die politischen Zerwürfnisse hineinmische. In Erwägung dieses Grundgedanken«, dieses wichtigsten PrincipS für unsre Frage, haben auch wir unlängst, ganz so wie der Hr. Verfasser des vorstehenden LeitarttkelS, in einem öffentlichen Bortrage ausgesprochen, daß wir die von der „Kreuzzeitung" in böswilliger Absicht auf'S Tapet gebrachte Bezeichnung einer „dritten Intc.nattonale" durchaus nicht perhorreSciren. Za wir wollen den Gedanken einer über die Schranken der Eprachverfchiedenheü und der polittschen Grenzen hinausreichenden Verbrüderung zu gegenseittgem Beistände Hoch- Halten und verwirklichen. Der Grundgedanke der All. Zsr. Univ. ist ja auch ebensowenig in Paris wie in Berlin, weder von einem Lebenden noch von irgend einem letzhin Verstorbenen erfunden, er ist Jahrtausende alt. Ein College aus der Provinz schrieb unS: „Die Berliner Affaire hat — wenigstens für die erste Zeit — viel Verwirrung gebracht. WaS weiß denn der „gemeine Mann" ob Gemeindebund, Jsraelitenbund, Isr. Alliance? Da heißt es nur „Geben und Geben", und die verschiedenen Zwecke und Ziele in ihren minuttösen Unterschieden sind den Meisten ' unklar. Die Leutchen aber wollen zumeist, wenn sie Geld geben sollen, ganz genau wissen, weshalb und wozu?" — Auf diesen praktisch sehr wichtigen Umstand hat auch Fr. > Wachtel in der I. D hingewiesen. Man hat der All. Isr. Univ. vorgeworfen, st« wolle nur die materielle Lage, die politische Stellung rc. re. der Juden bessern, versäume aber für die geistige Hebung zu wirken. Wir denken dabei nicht wieder an di« wirklich fast unbrgretf-

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