Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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I r- ' Feuilleton. Knfiditbm Fessel». Original» 9taxnc MD!>nu jüdisch - a'menlanischtn Lebt» v»n I. Sk. Achtens«! in Nc«>V«rk. »»-«-- »* « citinutv Mpou. (Fortsetzuag.) Ctonehill erhob sich, schloß schweigend die Thüre von innen und setzte sich wieder. Dann behaglich die Beine auf einen herbeigezogmen Stuhl streckend, steckte er sich eine Cigarre an und sagte endlich: So nun kann'- losgehen . Deermoore war immer gespannter geworden und sah den Bewegungen seine- Freundeiingstlich zu, denn er glaubte bestimmt, eS sei demselben etwa- Unangenehmepasstrt, von dem er ihm unter vier Augen Mittheilungen machen wolle. Obgleich auf genügende Weise vorbereitet, fuhr er doch merklich in seinem Stuhle zusammen ats Stonehill sagte: „Deermoore, ich will mich wird« verheirathen." Eine Pause von mehreren Minuten trat ein, während welcher Deermoore eine Ahnung, dunkel und unbestimmt, wie von einem großen Unglücke ausstieg, die sich einer Wolke gleich in seinem Gehirn znsammenballte und ihm das Blut in da- Gesicht zurücktrieb. Beklommen ging sein Athem, ohne daß er darüber Rechenschaft geben konnte, da ja die Anmeldung von Seiten Stouehills eigentlich nicht- Besonderehatte. Endlich fragte er tonlos: „Aber lieber Freund, hättest Du denn aller dieser Vorsichtsmaßregeln bedurft i um mir anzuzeigen, daß Du Dich verhettathen willst?" „Da« gerade nicht, entgegnete Jener, wenn diese« Dich nicht beinahe ebenso viel anginge al« mich." „Mich? Zn wiefern kann e« mir etwaausmachen, ob Du Dich ntzeder verheirathest oder nicht? fragte Deermoore und sein Gesicht entfärbte sich. Ctonehill zog mit Wohlbehagen den Rauch seiner Cigarre ein, und machte, ihn au-stoßmd, die schänstm kunstgerechtesten Ringe, dann sagte er gedehnt und jede- Wort betonend : „Ich — will — Deine — Bertha — heirathen." „Freund Du hast ein schlechte« Gedächtniß, sagte Deermoore ängstlich, oder Du spaßest, denn Du bist vielleicht der Einzige außer mir, der weiß, daß und warum Du Bertha nicht heirathen kannst. Du kennst meine Vergangenheit und die Bertha'S genau. Du bist ein Südländer und weißt recht wohl, daß Du da- Mädchen nach Deinen Ansichten nicht heirathen darfst." „Diese veralteten Ansichten und Borurtheile habe ich längst abgeworfen, besouder« da ich mich hier uiederzulasien gedenke. Audiesem Satze lieber Freund kannst Du also schon ersehen, daß mein Gedächtniß treu, und ich mich alle« desien erinnere, worauf Du anspielst. Da- Geheimniß sagst Du, existier nur zwischen mir und Dir, um so besser, so werden wir Beide emit in'« Grab nehmen, und eben darum solltest Du mir Bertha geben. Um Dein Geheimniß geschützt zu wisien, brauchst Du es nur ihrem Gatten zu überlaffen, denn her wird sich weislich hüten, es auHnplaudern Zch lieb« Bertha, und will sie zu meinem Weibe machen, und eben daran, daß sie ttotz ihre- Makel« meine Frau werden ' soll, kannst Du den Grund meiner Liebe messen." All das Vorhergehende hatte Ctonehill mit solcher Kühle und in so » 63 - t geschäftsmäßigem Tone gesprochen, daß man eher dem Abschluffe eine« geringfügigen Handelbeizuwohnen glauben kisttnte, aleinem Heirathsanttage. Diesemußte auch Deermoore ausgefallen sein, denn er versetzte «eit ruhiger als i vorher: „Ein große: Liebhaber scheinst Du aber ttotzdem nicht zu fein, denn erstensprechen Deine Jahr« dagegen, und zweitenerklärst Du Dich ziemlich kühl, und ich hege starken Zweifel, daß Diih Bertha überhaupt nur mag." „Dakommt hier nicht in Frage, sagte Ctonehill gereizt, Die hat «ohl am Allerwenigsten dazu zu sagen, wenn Du rinwilligst." „Hier bist Du im Zrrlhume, entgegnett Deermoore ruhig, ich liebe das Kild mehr als mich selbst, sie hat mir von jeher Alles ersetz: und ich würde ihr um die Welt nicht den kleinsten Schmerz zufügen, geschweige denn, sie iu einer Heirath zwingen. Will ie darauf ringehen, Dein Weib zu werden, so habe ich ni t ti dagegen, besonder« da Du Dich hier niederlaflen willst und ich mich nicht ganz von ihr zu trennen brauche, und au>h weil ich weiß, daß Du ein gutes Auskommen Haft un r gewiß die arme Bertha recht gut behandeln wirst. Aber zwingen, mein arme» Kind zwingen? Da sei Gott vor." Ein heimtü rischer Blitz schoß aus Stonehills Augen und er »Ott:- auffah :en, bezwang sich jedoch und sagte: „Nun gut, da Du nichtgegen mich einzuwendm hast, wird sich da- Uebrigr schon geben. Man darf Bertha nur vorstellen, wer und was fl: ist, und sie wird sich ganz gewiß freudig geben." „Um Gotteiwillen nicht, rief Henry, die Hände erhebend, dahieße ja dai Glück des armen Kindevon vornherein vernichten. Da- Geheimniß muß strenge bewahrt werden und nur unter der Bedingung werde ich mit ihr reden." „Nun gut, sagte Stonehill mürrisch, dann sprich mit ihr, aber bald und -echt eindringlich, sonst kömmt mir noch der grüne Doctor ii, dir Quere, dem ich so nicht grün bin " „Den haf. Du nicht zu fürchten, so unvernünftig ist Bertha nicht, sich an einm jungen Mann zu hängen, der das Brod nicht über Nacht hat." „Wer wei s? versetzte Stonehill, der Kukuk ttaue den Weibern, brson1«r4 den Südländerinnen; je schneller die Geschichte abgemacht wild um so besser ist es. Morgen wirst Du mit ihr sprechen, und morgen Abend um diese Zeit hole ich mir die Ar twort." Stonehill warf den Cigarrmftummel in eine Ecke, stand auf und entfernte sich, mtt den bedrutungsvol/en Worten Also morgen. Deermoore stieß nach dem Abgänge des Freundes einm Senfzer der kirleichterung aus und versank dann in tiefes Nachdmkrn. Die Sache war ihm nicht klar, und ängstigte ihn bedeutend. Sollten seine Bermögen-verhältniffe vielleicht schlecht sein, sagte er in seinem Monologe, daß er diese bei einer Heirath mit Bertha verbessem will? oder wa« kann eS sonst sein, dmn von Liebe ist hier nicht groß die Rede. So simulirte und lachte Deermoore noch Stundmlang, vergab Alles um sich her, je sogar srtnm Frosch und kam mdlich zu dem Entschluss«, daß e» am Bestm sei, Bertha dm Heirathsanttag mitzutheilm, schon um gewiffer Enthüllungen von Seitm Stonehill« zu mtgehm. Zhn hatte das rauhe, fast gemeine Bettagen Stonehill», da» nidit mit seiner gewöhnlichen Freundlichkeit in Einklang war, th>M eingeschüchtert, thn« befremdet. (Z f.)