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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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23 Rich irr: Wenn Sie von tan Kläger sprechen, bitte ich Sie, sich anständiger auszudrückrn. — Angekl.: Na, ist er nit Iud? Richter: Das ist weder sein Name, »och sein Charakter; so wenig wie er Sie alt Christ anspricht, haben Sie ihn alt Lud anzusprechen, der Glaube ist hier Nebensache, vor Gericht sind alle Staatsbürger gleich. — Angekl.: Lud ist kan Bürger, ich bin Bürger, Hab' schworen. Richter: Ich ermahne Sie zum letzten male, sich mit «ehr Anstand vor Gericht zu benehmen. — Angekl.: Na, das ist schön. . i Richter: Sie geben also zu, den Kläger einen Lumpenjuden genannt zu haben? — Angekl.: Na, is er ja Lud. Richter: Aber kein Lumpenjud. — Angekl.: Das muß mir beweisen. Richter: Sie werden übrigens den Kläger und die Zeugen hören. — Angekl.: Die habengar nit reden, das ist Schand genug, daß sie um Iud sich annehmen. Richter: Darüber wird da- Gericht entscheiden. Wie steht es mit der Ohrfeige, habe» Sie ihm die gegeben oder nicht? — Angekl: Wann er haßt mich Hund, da gib ich ihm Watschet. Richter: Der Kläger behauptet, er habe Sie nicht «inen Hund geschimpft, Sie gar nicht gekannt, Ihren Namen gar nicht genannt und nur gesagt: „Hunde, die bellen, beißen nicht", weil seine Tochter sich ängstigte, alt geschimpft wurde. — Angekl.: Daist schön. Richter (zum Kläger): Et ist durch di« eigene Aussage det Beschuldigten vollkommm erwiesen, daß Sie beleidigt wurden. Sie haben sich heute bereitvor der Verhandlung edel bewiesen und gezeigt, daß et Ihnen nicht um eine Ber> urtheilung, sondern um eine Ehrenrettung zu thun ist. — Samuel W. (einfallend): Za, hundert Jahr sollen Sie leben. Richter: Lassen Sie mich autsprechen. — Samuel W. (einfallend): Reden Sie, Euer Gnaden, jedes Wort ist eine pure Perl. Richter: So lasten Sir mich doch zu End« kommen! — Samuel W.: Reden Sie, Euer Gnaden, ich paß auf, wie wenn der Rabbiner sprechet. Richter: Ich meine, nachdem Sie bewiesen haben, daß es Ihnen nicht darum zu thun ist, ein Rachegefühl zu befriedigen ... — Samuel W.: Nein, weiß Gott der Gerecht«, das nicht. Richter: Sie lasten mich nicht aussprechen. — Samuel W.: Ich? Euer Gnaden, was fällt Ihnen rin? Richter: Ich meine, wenn Herr Konrad M. Ihnen erklärt, er sieht ein, gefehlt zu haben, und bittet Eie um Verzeihung, könnten Sie von der weiteren Klage absehen? — Samuel W.: Wie haißt? Versteht sich! Richter (zum Angeklagten): Sind Eie berett, den Kläger nm Verzeihung zu bitten? — Angekl.: No, da» wär schön, wann thät Bürger Iud um Verzeihung bitten, das gibt'S nit. Richter: Ueberlegen Sie es sich genau, bevor das Urtheil gefällt wird. —Angekl.: Das ist schön, dagibt'- nicht. Di« Zeugen, sechs an der Zahl, bestättgen intgesammt, daß Samuel W. in der heftigsten Weise angegriffen und beschimpft wurde, ohne daß er Jemanden irgendwie prooocirt hätte. Richter (zum Angeklagttn): Wollen Sie noch nicht ein sehen, daß Sie gefehlt haben, und den Kläger um Verzeihung bttten? — Angekl.: Na, döt gibt'- nöt. Richter: So vernehmen Sie das Urtheil. — Samuel W. (einfallent): Eu Gnaden, a klan Augenblick — (zum Angeklagten, s>errn Konrad M.): Wann Sie sind ein Bürger, müssen Sie dich haben ein Einsehen von ein Bürger, Sie müssen doch sthen, Sie haben geschimpft und geschlagen «inen ehrlichen Mav n vor fremde Leut' und vor sein Kind, wa» ist sein Fleisch u:tb Blut. Ist das schön? Thun Sie da nix bereuen? Gott mir » so wahr helfen, Sie müssen bereuen, ich will nix, daß Sir sollen werden gestraft. Sogen Sie jo, und ich geb Ihnen die Hand, und wir habm gemacht am Sck lnß vom Jahr auder Feindschaft eine Freundschaft. Angekl.: Ich bin von Iud kan Freund, düs gibt'S nöt. Samuel W.: Wenn er nicht will, was kann ich mir thmi, genöth« Lieb ist Gott lad, nehmen Eu Gnaden das Gesetz in die Hano und sprechen Sie aus di« volle Gerechtigkeit, wie et Gottes Wille ist. Der Ri hter verurtheilt Konrad M. wegen wörtlicher und thätlicher Beleidigung zu drei Tagen Arrest, uud Konrad HR. meldet die Berufung an mit der Bemerkung: „Da« möcht' ich sehen, ob kann Bürger eing'sperrt werden wegen Iud, das wär schön!" Briefkasten der Redaktion. Hm. Dr. B. in Lg. Ihre Berichte «erd« ich mit Vergnügen ent gegennehmen. — Hm. Bloch, Sied, de« „llnio. Ist": Sie hadm den von mir gebraucheri Ausdruck „die Militärbehörde M Metz hat ein Stück Land . . . algelafsm" mißverstanden. 9t liegt in dem Borte keine«- weg» der Bqrist de« Gratis-Abtreten«, wozu überdie« ein deutscher Feftimgsgouvemmr — und «in ftanMscher wohl ebensowenig — durchau» nicht canqntmi ist. Daß di« stanzSsisch« Militärbehörde nicht so, wie jetzt die deutsch«, zur Abtretung bereit gewesm ist, lese ich noch letzt au« den Wor.en Ihre« Herm starrespondmten her au«, denn ich kann nicht glauim daß di« Gemeind« Metz mit einer nöthigen Grweitemng de« Friedhose» bi» zur letzten Stund« gewartet habm wird. Gbms, Hab« ich in tzetrest der «»«Wanderung nur di« Worte Ihre« Berichte» wiedergegedm. «« sind au« Metz sehr viele jüdische Familien autgeivandert. ata diese find nicht zahlreich gewesen, d. h. ste hadm nne je au« wmigm Käpsen bestanden. Diese meine Mittheilungm find nicht :m mindesten» tmdmziö», e« find nackte rhatsachm. Sie ader find« — eigeathümUch gmug! — daß ich mit mir in Widerspruch greathe, wemi ich Fa et, berichte, die einander widersprechen; wmn ich hmt« erzähle, daß die Judm in Frankreich nach wie vor eine tresfliche Stellung einnehmm, riargm, daß fich in Frankreich allerlei judmseindlich« Schreibe rei bl eit -na ht, heute, daß wir in Deutschland Fortschritt« in der Bestergefialtung unsrer Rechtsverhältnisse machm, morgen, daß sich hier und da noch Rischm zeigt. Soll ich e« etwa wie der Berichterstatter eine« Getreide-Bärsen blatte» machm. der. je nachdem er für die Hauste »der für di- Baiste schreibt, stet» nur von günstiger -der ungünstiger Witterung berichtet« ^!st da» di« Sonsequrnz. di« Sie verlangen?! Herrn stlingmstei». Die Bäume gingen einen König zu saldm . . . Und st« kan m zum Dombuich. . . und er sprach: stellt euch unter meinm Schiiten. — Daß der Dombusch in Folgdesten üdeemüihig ,ewordm ist und versucht hat, nicht nur Schas« zu rupsm, sandem auch Mmschm zu stechm, wmn — ste ihm nicht au» dem weg« gingm, ist nicht erzählt, ab« ziemllch wahrscheinlich. — Männer, welch« üb« Sie weit hinaus ragen, habm di« Id« gehabt, sich unt« dm Schatten Ihr« Redartton zu strllm. da» ist Geschmackssache. Run glaudm Sie wirklich stechm zu «ürstn» ad« unsrrrin« läßt dm Domftrauch stchen. — Zu Ihr« verrhigung allensall» di» Bemerkung, daß d« „Israelit" Ihrm Bericht all „unwahr'' bezeichn« hat. — Zu d« »an Ihn» «l» »««ist-

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