Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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H® 2. -1873. 4. Jahrgang WschechSchrist für die religiösen und foriattn Jutereffen des JndeuthumS. Aefcheda jedm Mittwoch. Pretsvterttstührlich 22«/, Groschen. 3 »s«ti» *. ffc* Petttzetl« «bei berat Rau» 2 «*f- PeraniwocGchch «NMkur und Hrausgeber Rabbiner, vr. Pk. Gveueufels in Stettin. . MagdöbyrA, b/.Januor 1873. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Poftanstallen. Inserat«»»Annah»« t* »er Hof» Buch dnickerei von Carl Friese in Magdeburg. Inhalt. Leitend« Artikelt V. Fr. Strauß und bä~ Valin. Jtojmin. Emden. Lippstadt. Aus Württemberg. — brevckst — Berichte and borrespondonzenr Deutschland: Stetiin. and » «efte Skaehriehte« r Stettin. Potsdam. Seidig. München. Ruma. Chäur-de-Foud«. Warschau. Petersburg. Pari«. vuNnaß-*H»ssa. Moroao. — Feuilletonr Unsichtbare Fesseln. Original- Novelle aus dem jüdisch - amerikanischen Leben von I. dt. LichttnbMß t» New-Yerk. — lui dem Wiener Gerichtssaale. — Inserate. — Berichtigungen. v. Ir. Äranü nnd das Juilenlhnm. *) Sellen ist ein Buch von der gesammten liberalen Presse mit einem solchen tausendstimmigen Willkommen begrüßt worden, wie dos angezeigte Werk. Schrift von so mäßigem Umfangt ein so immenser Stoff v«r-4 handelt, als hier. Theologie und Philosophie, Religion u»Hs Moral, Physik und Astronomie, Politik und Nalionalökonomich kurz alle wichtigen, wissenschaftlichen, religiösen und sociale* Kragm werden der Rrihe nach besprochen und kritisch gfrj * 'pdüft. Dir klare, offene Sprache, die Eleganz de« S^lU»^ der Muth der Ueberzeüglstig' machen auf den Leser einen waltigen Eindruck, wenn er gleich nicht mit den gewagten Resultaten des Verfassers übereinstimmt. Strauß sagt, was er auf dem Herzen hat, kühn und frei heraus, und dieser Freimuth übt eben «inen mächtigen Reiz auf das große Publicum aus. Vier Fragen, die zu allen Zeiten das höchste Interesse in Anspruch nahmen, sind es, deren endgültige Lösung der Verfasser gefunden zu haben glaubt. Die erste Frage: „sind wir (d. h. die Gesinnungsgenossen des Verfassers) noch Christen?" findet die ausführlichste und gründlichste Behandlung, weil der berühmte Verfasser des „Leben Jesu" und der „christlichen Dogmatik" sich auf diesem Boden am heimischsten bewegt. Die 94 Seiten, die dieser Frage gewidmet sind, bilden einen eklatanten Protest gegen die gesammten christlichen Glaubenslehren und historischen Tatsachen, wie ihn das Iudenthum seit achtzehn Jahrhunderten ununterbrochen erhoben hat. WaS Herr Strauß im Allgemeinen gegen das apostolische Symbolum, gegen die Menschenwerdung und Gottheit Christi, gegen Trinftät und Erbsünde, gegen die Himmelfahrt und Auferstehung, gegen die Recht, und Versöhnungslehre des ChristenthumS vorbringt, läßt sich aus jüdischen Streitschriften vielfach belegen. Es ist wahrlich dieser Theil des berühmten Buches ein wahrer Triumph des Judenthums, dem Strauß bezüglich Selten findet sich in «n«r^!ff*" Negation und Polemik gegen das Christenthum unwillkurlich d'e Siegespalme zuerkennt. Jeder einigermaßen theolofertigungs- Ein vekmntniß von D. Fr. *) Der alle and der neue Glaube. Sttauß. Leipzig 1872. Der obenfteßrnde Artlltl enchtrichr ganz de« im Leitartikel des vorigen Blatte» skizzirten Prvgrmn», mir nehmen ihn daher, dem Wunsch» dt» ^ehrt» Herr» «insnmer» mtsgrechend, alsbald aus; sonst würde« . »io, für unser« Person, .da» Buch von Sttauß, wckche» anderweitig schon ' so vielfach besprochen w-rden ist, hier nicht weiter direct behände» Hab«. - ' " ' <«*)• gisch g.'bildete Jude hätte dieses Capitel, wenn man von der glänzenden Darstellung absieht, ebenfalls in seinen Hauptmomenten schreiben können. Diesen ewigen offenen und kühnen Protest des Judenthums gegen das apostolische Symbolum und d e christliche Dogmattk haben weder Scheiterhaufen noch Masse -fluchen jemals bewältigen können. Freilich 'schont 'HM^krAvß^ßl^ Hdtdentßuiii rWn»&L wenig. wo sich ihm die Gelegenheit darbietet. Ja, derselbe ist sogar von einer gewissen Feindseligkeit gegen das „Judenvolk" nicht frei zu sprechen und ist vielmehr bestrebt, demselben wo es ihm in den Wurf kömmt, einen tüchtigen Seitrnhieb zu versetzen. Der Atheist und Leugirer Gottes und i>er Schöpfung, der Offenbarung und der Unsterblichkeit muß selbstverständlich alle Principien und Elemente des Judrrthums, wie überhaupt aller positiven Religion negiren und vrrfehmen. Allein diese Angriffe der Philosophie und Naturwissenschaft sind nicht neu und nicht blos gegen daS Judenthum gerichtet, sondern gegen das ganze Glaubensbcwußtsei» der Menschheit. Das Judenthum, weil der Monotheismus, wie ihn Moses und die Propheten lehrten, der vollkimmenstr Ausdruck des menschlichen Glaubens - bewußtjeins ist, hat eben die Ausgabe erhalten, diesen Angriffe Widerstand zu leisten und entgegen zu treten. Da« Iudenthum, weil es eben behauptet, daß sein Bekenntniß mit der Philosophie auf gutem Fuße steh« und mit derßiben in Freundschaft leben könne» hat nun die Pflicht, den Kampf für die Wahrheiten der Religion auszunehmen und durchzuführea. Es kann fich überdies auf eine große Schaar der edelsten und ttefstm Denker als Bundesgenossen berufen, die die Fundamente der Religion oertheidigten, wä!>rend für da« Christenthum von dieser Seite niemals Svccurs zu hoffen ist. Diese» mnßte sich immer hinter Gehrt »nisse und Mysterien flüchten; aber es hat fich eben dadn.-ch in eia« Sackgasse hineiagsrannt, aus der es nicht her-