Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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414 sich loizureißen, um eine selbstständige Gemeinde zu bilden; allein He Regierung deS Fürsten Eusa verweigerte diese Schwächung der Kräfte und die Gemeinde blühte bald auf. Sie besaß ttnr vortreffliche Schule für die Äugend beiderlei Geschlecht«, ein großes schbn eingerichtetes Krankenhaus, viele Wohlllütigkeitsvereine, prachtvolle Synagogen, von denen jede an Scbbaten und Festen von Andächtigen gefüllt war. Aber Fürst kusa wurde entthront, eS kamen Wichte wie Bratiano und Genosien an's Ruder; die Judenverfolgung, von der Regierung selber encouragirt, nahm Ihren Anfang, aber dem Begehren der Ehassidim, sich loSzureißen, wurde in der zuvorkommendsten Weise Folge gegeben und zwar unter dem heuchlerischei vorgeben d«S Ministerium-, im Interesse der „Gewtssenfretheit und Autonomie" so handeln zu müssen. C, dieser moderne Haman Bratiano wußte wohl, waS er that, venn er plötzlich für die Autonomie der- Ehassidim zu schwärmen begann. Er fürchtete denn doch die Kraft, die jeder s geschloffenen Einheit tnnewohnt, und legte den armen Juden in schlauester Weise die Falle. Denn nach den Ehasstdim tauchten immer neue Fraktionen auf, die ebenfalls im Interefsr der GewiffenSfreiheit die Eultussteurr verweigerten — und die Folg«? Die Schule» müßten, geschloffen, die Lehrer entlaffen werden, die jüd. Kinder find, da die sogenannter frommen Juden ihre Borurthetle gegen christliche Lehranstalten nicht überwinden können, einer grauenhaften Verwahrlosung preisgegeben und wachsen zu Strolchen heran, auf deren böse- Beispiel dann Bratiano verweisen kennte, um da- Zudenthum dem Hasse prri-gegeben und selbst die gebildeteren Bürger gegen di« Juden aufzuhetzen. Die Synagogen stehen alle leer» weil keine im Stande war, den zentrifugalen Bestrel ungen sich entgegenzuwerfen und je 10 Personen eine autonome Gemeinde bilden. Da-' Spital ist verfallen, die Krank,» sterben im buchstäblichen Sinne vor der Pforte desselben, da keine Mittel vorhanden sind, rin Krankenhau--Personal zu unterhalten, und «dsHerr Bratiino, nachdem er die Irden unter dem heuchlerischen'Dorgebeti, die Freiheit zu schütz«, durch datrügerische- Danaergeschenk der Autonomie demoralifirt hatte, wester unternahm, wie er den von ihm herbeigeführten Zustand der Verwilderung ausbeutete, um Unglück auf Unglück über die Häupter dieser Opfer einer falschen „Religionsfreiheit" zu bringen, ist allbekannt. -f.,' Vermischte und neueste Nackrichten. \ IScrfls. Die Delcgirien-Dersammluug hat in ihrer Schlusssitzung einen Ausschuß von 12 Pe.-sonen (mit dem Rechte der Eooptatton) gewählt! der die entworfenen Srundzüge d«S neuen Statuts ausarbeiten und der nächsten Generalversummlang zur Beschlußfassung vorlegen solle, vorbehaltlich der Genehmigung des Central-Eomitös zu Parste 'k-erklu. Herr Ludwig Mayer hat der sraelit. Alliancen, d h. der deutschen Srction der AU. isr. »niv., 1000 Thlr. zugewmdet. etußa»«. Di« hier versammelt gtwtsene Friedeusliga hat eir e Resolution gefaßt, welche dahiu lautet. „Nur Familienväter dürfe»» zu Lehrer« envähtt werde»." Motto« sind nicht angegübea. Wenn eS auch einleuchtend ist, daß sich die Spitze der Resolution gegen die Lehrthätigkeit der Orden-geistlichen, regulirten Schulbrüder rc. rc. richtet, so hat doch ein Correspondent des „Isr. Lehr.", dem wir diese Notiz entnehmen, ganz Recht, »ven» er darauf hinwcist, daß Talmud und Poskim dieselbe Forderung aufstellen, und daß die Gründe dieser talmudischen Vorschrift in ewig gleichbleibendeu Verhältnissen und Lehren der Sittlichkeit und der Pädagogik liegen. Loutzo». In einer jüngst abgrhalteneu Versammlung der Anglo-Iewish-Affociation wurde ein Brief von Mocatt» vorgelesen, worin derselbe anzeigt, daß Erämieup den Wunsch hege, die Generalversammlungen der Alliance Isr. Univ. künftig auch in anderen Hauptstädten außer Paris zu halten. Mocalla schlägt vor, Crämirux «inzuladeu, daß er dir nächste Jahresversammlung in London abhalten und derselben prist» diren möge. Auch möge die Gesellschaft Herrn Netter von der Ackrrbauschule zu Jaffa einladen, in London einem Meeting beizuwohnen. Die Versammlung stimmir bei. <Iew. Ehr.) Kuuir» 12. Nov. Ein Hr Eimilik berichtet dem „Univ. Isr.": Bor zehi» Tagen verschwand ein israel. Waisenknabe von 12 Jahren, welcher bei seiner bejahrten Großmutter erzogen wurde. Ich stellte Nachforschungen an und erfuhr daß Leute des vey den Knaben zum Muhammedaner gemacht- und zu schnöden Zwecken in das Serail gebracht hätten. Ich erfuhr aber auch, daß die Familie des KindrS au» Algier staun»«, und begab mich alsbald zu dem Grafen Botmiliaux, französische« Generalkonsuln und Geschäftsträger Hierselbst, um ihn zu bitten, daß er sich für Herausgabe des Knaben verwende. Ich wurde auf das Zuvorkommendste empfange n meine Bitte wurde gewährt und es gelang den Knaben wiederzuerlangen. Ich muß anerkennen, daß auch der Premier- Minister des Bey dazu sehr behülflich geivesen ist. Au» Furcht vor dem inuselmänischen Fanattsmus habe ich den Knaben, nachdem ich für ihn eine kleine Eollecte unter unfern Glaubensgenossen veranstaltet hatte, nach Eonstantiue gesendet und ihn dem dorttgen Comitä der Alliance Isr. Univ. empfohlen. Aasch««. Die „Wacht Israels" hat mit der am 27. November a»-geq«b«nen No. 24 zu erscheinen aufgehört und mehrt die ziemlich große Liste der seit 1—2 Jahren in Ungarn ausgetretenen und eingegangenen jüd. Blätter. Der Wiederkehr deS Friedenkann dies, wie die Verhältnisse einmal liegen, nur förderlich sein. „Sehsuos Achim“1 steht vorläufig noch allein auf-drm Plan, unser Blatt gegen diese- Preßrrzeugniß-au-zuiauscha», ist un--nie eingefallen. Feuilleton. Unsichtbare Messet». original-Novelle au» dem jüdisch - ameritauische» Ledeo von 3. N. Lichte» berg in Nno-Yott. Rette» Ultpittl. Mephistopheles: Hier kommen »eine teiden Naben, Wa« mögen di« für Botschaft haben» Ich fürchte gar, es geht uns schtechi.. Halloh Iim l hast Du Etwas gefangen? Verdammt wenig, und Du Bill? Ich? na ich, das iveißt Du, war in vierzehn Tagen nicht draußen. Ja, Du fingst an faul zu werden und ich werde Dich