Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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—— 410 war ein sehr beredtes Schweigen. Man merkte Mi Absicht und wart — nicht hitzs verstimmt, sonder» aufs tieDk entrüstet und empört. Aut«^h«m Hlorienschei» fflr All. ifr. uvv unternimmt es «i»er Drer Zweig»««« — «d Bcht etwa ^drr bedeutendste — die Mxt Pi de» SWmG ^rsetben -u legen, ihre Einheit zu durchlöchern, einen SpNderbnnd d. h. einen Gexenburzd Z« bilden! Allerdings iwr anch ein „Separat--«»,«'* des Sauuäks rath vr. Neumann beigedruckt, das die Mittel und Wege genar bezeichnete, wie, in engster Verbindung mit der Allianc, und unter Aufrechterhaltung deS bisherige» Derhältnissrs zu ihr, die d»u«schen Zweigverrine sich untereinander fester organisir:n könnten. Allein schon der Name und die Stelle, die man diesem Separawotum gegeben, berechligtenza der Annahme, daß es nicht der Ausdruck der Majorität des Berliner Localcomi war. Zeder Freund und Anhänger der All. ifr. univ — tnb sie zählt deren io Deutschland nach Tausenden — erkannie sofort die unheilvolle Tendenz des als erste Borlag« bezeichneten Statuten-Entwurss, und wer von den Borständrn der l rutschen Localvereine nur irgend konnte hielt es für seine heiligste Pflicht, nach Berlin zur Delegirleiwersammlung zu geh« , m» diese verrätherischrn Pläne zu vereitelu. Ein großsr Theil der am persönliche» Erscheinen -«hinderten sandte schristliche Proteste gegen das Borgehen des Berliner Local- BdrsiandeSein. (Wir erinneni uns der aus Gifn, Dorms, München, Posen, Schneidemühl, OelS u. a. m. eingegaigenen j viele w«den, da die Einladungen erst sehr spät «gar gen Baren, gewiß nvch,fl«chträglich eingelanfen sein. L iegnitz, Dresden,Leipzig, Stettin, Eolberg,Braunschweig, Ma;deburg, Gleiwitz, Ingelheim, Beuthen» Rakel, Thoen, Lyck, Hannover, Stargard u. a. waren durch Delegirten vertreten. Montag Abend in d« Borversammlung ergak die Präsenzliste circa 70 Delegirte, wovon ca. 40 aus B«lin und etwa 30 von auswärts erschienen waren. Man sah sofort, daß man von den Berlin«» einfach majorifirt werden Äoir And trug diese Zusammensetzung d« Delegirtraaersammlung gar sehr zur Beftirtuug in dem berechtigten Mißtrauen bei. , Die Freund« der Alliance «griffen schon in der.Dorversammlung jede Gelegenheit, um zu erklären, daß sie nur «- schien m seien, die Einheü d« Alliance zu wahren und nach Ar&fira vor jeder Gefahr zu schützen. Die Sttmmung war von beiden Sejten ein« gereizte, am lebhaftesten wurde bei B«athung üb« eine vom Bors, des Berlin« Localcomitö vorgelrgte Geschäftsordnung die Debatte üb« die Stimmb«echtt'gunz. Don uns«eu Gesinnungsgenossen wurde darauf aufmerksrm gemacht, daß sich unter den anwesenden Delegirten Diele befänden, die nicht einmal Mitglied« d« Alliance seien, j wie könne man Solch« das Recht zugestehen, über das Schickal de" Alliance in Deutschland mitabzmtimmen; s«n« wurde auf ta» Mißverhältniß aufmerksam, das bei brr Abstimmung entstejen müsse, wenn jeber einzelne d« anwesenden 40 Brrin« «den so viel Stimmrecht recht haben solle, als die Mandata« zahlreich« Zweigv«eine. Die Majorität entschied da- Htw hrt b« L»«ck, di« oLgemei»« Zntereffen da Jftaelitm wahrzmieh- ««n, ihre getftige und materiell« Wohlfahrt zu sirdern x. Der Bund hat sei»«» Sitz in Berlin." Di« tkristeller^chen „tlbLnderungr-Barschläge" ändern zroar manche» 8 de« M.'schen »ntnmrf» im praktische» Sinn«, lassen ab« di« Lasreißung»- rendetz deffeldm««»er ändert. für, daß ftder der Anwsenden gleiches Stimmrecht habe. Unter den bangsten Befürchtungen gt»gA»au Dienstag Morgen W Ahr für erste» drdeNlllchen Schlisst Das erste Geschäft Mr die Whhl HeS Präsidiums. Es wurden gewählt: Prof. Pt Lazarus guft hfstea Vorsitzende» (mit 61 Stimmen). Änörabbiäer I>. Meyer äus Hannover zum zweiten (mit 51 Stimmen), und Sanitätsrach r. Neumann zum dritten (mit 5o' Stimmen). Nachdem die Abends zuvor b«athene Geschäftsordnung en Kloe angeuoninien war, legte der Borsitzende Herr Prof. Laz. in der einleitenden fulminanten Rede offen seinen Standpunkt dar: Lostrennung von d« Alliance, Sonderbui'd. Er motivirle die Gründung eines' solchen durch das Siechthum der Alliance isr. univ. in Deutschland (s. h. in Berlin), durch den Hinweis, daß man zu jebier größeren und wichtigeren Angelegenheit, wie der wrstrussischen, persischen, rumänischen, genöthigt war, ein besonderes Eomitö zu ernennen, das in jedem der genannten Fälle glänzendere Resultate «- zielte, als es das Localcomilä je vermocht hätte. Mit scharfer Dialektik suchte er zu zeigen, daß man sich ja eigentlich nicht! von der Alliance lossage, sondern vielmehr für sie und ihre Zwecke Propaganda mache, indem man auf ihren „Urgedankenzurückgehe und diesen selbstständig zu verfolge» trachte. Man solle sich doch an der Berschiedenheit d« Nainen nicht stoßen, wo man doch im Grunde dieselbe Sache im Auge habe. Hierauf «theilte Herr Proi. Lazarus Herrn Makow« als Antragstell« das Wort. Zn wem noch irgend «in Zweifel üb« die Tendenz des M.'schen StatutenenttvurfS sich regte, dem mußten bei dessen Motivirungsrede die Augen auf- und — üb«gehen. Er machte sich daran, daS Stattit d« All. isr. univ. mit d« ätzenden Schärf« seine? jurist. Verstandes in rin« Weife zn kritifiren, die bis an die äußerste Grenz« des' Parlamentarischen ging, « riß einzelne Paragraph« ctuS dem Zusammenhang«, nannte die ganze Tendenz d« Alliance «ine j romantische Schwärmerei, zeigte das Läch«liche desWahlmo ' dus, die Eitelkeit Paris', das die „Welt*' bedeuten wolle; wir ab« seien jetzt zu Männ«n herang«eift rc. Die Freunde d« Alliance schwiegen nicht, mau wies dem Berlin« Localvorstand« nach, wie er seine Pflicht nicht gethan, daß « vielleicht absichtlich die All. in Berlin hinsiechen ließ, um dann den Vorwurf des Siechthums zu erheben; der Makow«'sch>: Entwurf tendire eine noch viel straffere Centrolisation, in B«lin eulminmnb; das Großartige,her Alliance liege in dem „univsrsslls", falle D«ffchland ab, so gebe das ein schlimmes Beispiel für die Juden ander« Länder, und dann tödte man di« Alliance allmälig, indem man ein Glied nach dem andern von chr trenne. Wir seien auch in Deutschland noch lange nicht soweit, um für bedrückte Glaubensge nossrn in der Ferne wirksam eintreten zu können. Man gestand von uns«er Seite rvohl zu, daß die deutschen Zweigvereine ein« fester« Organisation untereinand« bedürften, ab« dies ließe sich recht gut anstrebm, ohne den Bodm der pariser Statut« zu verlast«. Es warm noch viele Redn« für die All.eingeschrieben, ab« ein „Schlußantrag** schnitt ihn« daS Wort ab. Di« Gen«ald«batte wurde grschlossm, nnd die verschiedenm Ansicht« suchten in d« Formulirung des 8 1 zum Ausdruck zu gelang«. Nicht wmig« all 7—8 Anträge lag« beim Schluß d« Dimstag-Abmdsttzung zu $. 1 vor; aufs Neue mtspann sich «ine heftige Debatte, man trennte sich, ob« richtig« ver-