Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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888 Feuilleton. * A»fichttare Fessel». Original-Novelle au» dem jüdisch-«neettanlsch«, Leben von I. N. Sichtender! in New-Yrrk. Zbrttt« AibPttet. .Kenntest du tu ihre» Luge» Ntemal« bi» zur Seel« dring«? Und du bist doch sonst kein iksel, lheurer Freund, in solch« Dinge».' Hein«. — — — — — „Gehl Bertha, mein Gold, sieh nach wer draußen ist," sagt« Belah schmeichelnd, als einest Tagest dast Klopfen an der Hau«thüre, etwazaghaft, ertönt«. Bertha legte ihr Nähzeug nieder und stieg die Basementtrrpp« hinauf, die Thüre zu öffnen. Sie erwartete, einen Prddler oder dergleichen zu sehen, und schrak einigermaßen zusammen, alst ein hübscher Mann vor ihr stand, der, mit dem Hute in der Hand, ein« elegante Verbeugung machte und in gebrochenem Englisch fragt«: „Ent» schuldigen Sie, Miß! ist Herr Mosrst Hirschheid zu Hause?" Mit einem freundlichen Lächeln erwiderte Bertha '»gleich brutsch: „Nein, mein Herr, aber er muß gleich komme», denn er ist mit seiner Frau austgegangen, sich amerikanisch zu equiptren. Wollen St« gefälligst eintreten und ihn erwarten?" Wäre der jung« Mann auch gewillt gewesen,, sogleich wieder umzukrhren, eine Einladung au» einem solchen sistunde, mit derjenigen Freundlichkeit, die ihm nach seinen, wenn auch , kurzen amerikanischen Erfahrungen, um so »ohler that, ließen ihn andere« Siunr» werben. Dankend trat er ein und wurde von Bertha in den Parlor geführt, wo «Ir die Neuanzekommeneri vor vier Wochen beisammen getroffen. Nachdem ihm Bertha einen Stuhl gereicht, setzt« sie sich selbst und der junge Mann sagte: „ES ist ««tu« Pflicht, Sie mü «einem Namen bekämet zu mache», damit St« nicht einem ganz Unbekannten die Ehre Ihre» freundlichen Empfange» erzeigten. Ich heiß« Moritz, bin Doctor der Medizin, freilich bi» jetzt noch ohne Praxi», setzte er bitter ltchelrch hinzu, und war Reisegefährte Herrn Hirschheid« und dessen Krau." „Herr Hirschhetd ist mein Onkel, und ich bin di« ^lochter Me» Bruder», Henry Deermoore»," sagte Bertha, indem sie mit unbewußter Koketterie,'ein Lächeln vom Stapel lief,, da» mit "vollen Segeln sich in Moritzen« Herzen einqnarttrtr. „Dann ist Ihr Herr Vater ein beneidenstwertherer Mann al» weiland Polikarpu»," entgegnet« der Doctor, der au« kurzer Erfahrung schon wußte, welch grobe» Geschütz von Schmeiche» leien die Schönen der Houstonstreet vertrage« konnten; um so größer war sein Erstaunen, al» er die Gluth bemerkte, die da» schöne Gesicht seine» Tis-ä-via übergoß, während sie etwa» beleidigt sagte: »Herr Doctor, Sie haben in der Eile, nicht mehr grün erscheinen zu wollen, sich gewiß zu allererst, die platten Schmeicheleien unserer Mischen Dandy« angedgnd, und e» thut mir wirklich leid, dast ich nicht gelernt habe, dergleichen Ltupplimeuie mit, Gleichem zu vergelten." „Mein Arinleml" «wviederte Moritz hocherfreut, dir schöne Zürnend« betrachtend, ,^n«in ^Fräulein, verzeihen Sie, daß ich nur einen Augenblick glauben konnte, Sie seien von dem Schlage, den ich leider seit meinem kurzen Aufenthalte. hier »wist überall getroffen, Ihr Zorn, so ger^t'er sei, und so leid e« mir thut, Ht unschuldige Ursache desselben gewesen zu sein, ja Ihr Zorn hat mich glücklich gemacht." „Glücklich?" fragte Bertha etwa» verwirrt. «Bitte Fräulein!" sagte hastig de: Doctor, „mißverstehen Sie mich nicht, ich sagte glücklich, weil ich endlich einmal einen g,bildeten Menschen hier zu finden gliicklich genug war." „Aber Sie hä äsen eine Schmeichelei auf dt« andere, Herr ' Doctor, und zwar während St« die vargehend« zu entschuldigen bemüht find," entgegnet« Bertha ,twa» gelassener. „So wahr mir Gott helfe! Fräulein» nicht» weniger alst da»; aber versetzen Sie sich in mein« Lag«, arm, fremd, allein in Üese« großen Lande, ohne Kenntnis« der fremden Sprach«, stet» da» suchend, wa» einem gebildeten Manne Bedürfniß sein muß, nämlich gebildeten Umgang, Menschen di« man versteht, und die Befftändniß haben, aber vergeben» suchend. Ueberall Rohheit in schönen Kleidern,!>ie lächerlichste Arroganz in Verbindung mit der kraffesten Unwissenheit, lieblose» Nasenrümpfen über den sogenannten „Grünen" und zwar haupr» sichlich beim schäum Geschlecht. Dil.' Unterhaltung in dm Salon« sogmanntin Parlorst, dreht sich beständig um die Fragen nach der tzHwere der Uhrketti, oder dm Preise» der goldmm Ohrringe »der um da» Ballkleid, da« Fräulein -k. oder Frau D. gewählt, und zwar im schlechtm Englisch — so weit ich «» beurtheilm kann in Gegenwart «ine» Fremdm, von d«n man sicher weiß, da« er dieser Sprache nicht mächtig ist. Diese lchste Rohheit — ich bedarre, mich so hart austdräckm zu müssm, diese hat mich schon oft usit tiefstem Ekel gegm di« hiesige Gesellschaft erfüllt, besonder» da man hier diesem Uebel nirgind» mtgehm kann. Doch ich werde zu sehr von meinem THema hingerisfm, nein Fräulein, verzeihen Sie mir," sagt« de: Doctor beinahe ei schöpft. MÜ gesteigert,« Inte reffe hatte Bertha dm Wortm de» Doctor» gelauscht vnb fast warm erwtichert« sie: „Sie mögen! stecht Hab«, Herr Doctor, und zwar in Allem, wa« sie sagtm, aber da» letztere «üffm Sie nicht so hart kritistrm. La« Engsisch sprechen in Gegenwart von Fremdm ist mehr »er falschen Scham der Betreffmdm zuzuschretbm, al« der Arroganz. Unsere al Deutschland kommenden Glaubensgenossen sprechen meist ihre etgmr Sprach« so schlecht, daß sie sich schämm, urib teßhalb lieber Englisch sprechen, da hier «eisigsten» die Entschuldigung gilt, e» sei nicht ihre Muttersprache." „Entschuldig« Sie, mein Fräulein," sagt« Moritz bittmd, „wenn ich inti«cret frag«: Wie kcmmt est dmn, daß Sie, die doch, wie ich xrmuthm muß, hiir geboren sind, ein so gute» Deutsch sprecirn, und — ich muß e« sagen, auf di« die Gefahr hin, Ihren Zorn «Nf'» Reue zu erregen — eine Bildung besttzm, welche diejmige "Ihrer Altersgenossen und derm Eltern um ein Bedeutende« überragt." „Dast habe ich dem bloßm Zufälle zu verdankm," sagte Bertha lächelnd, „ ind da«, was Sb: in Ihrer Höflichkeit Bildung und gutes Deutsch zu nennen beliebm, ist mir durch besondere günstige Umstände geworden, die ich Zhnm mittheilm kann, wenn est Sie nicht langweilt." „Bitte «Zähler Sie," warf der Ttsttor rin. .(Lortsetzung felgt.) mrnammppaip-—es—» ssserichttg»«g./ Im vor. Blatlr,Art. Brüffrl.ist'drr Name: Krastnopolstk; an» Galatz «mstgefMlm.