Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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873 Lugen Gottes nicht dt« Einrichtung von hundert Familien auf diesen fruchtbare» Ländereien «ufwiogen, welch«: der Schweiß und die Arbeit des Proletariers befruihtm sollen." .Der Bischhof «notederte; „Ich danke Ihnen» Hr. Maire, für Ihre Erklärung« und Rathschläge, muß aber bedauern, Ihre Ansicht nicht in allen Punkten thetlen zu können. Die Colonistrung ohne di« Kirche ist ein böses Ding und von der hl. Schrift vecurtheilt. Di« Geschichte lehrt uns, daß di« Völker welch« in ihrem thirichten Hochmuth der himmlischm Fürsorge, die durch die Priester rrpräsmtirt wird, eutrathen zu linnen glaubten, ihre Colonirn zu Grunde gehen sahen und bald auch selbst zu Grund« gingen. Da« große Seminar, roelches - »ein achtbarer und ehrwürdiger Vorgänger erbaute, ist nicht nur kein thörichtes Werk, wie einige Freigeister den unwissenden Bevölkerungen etnzurrden suchen, sondern im Gegenthell das nützlichste Bauwerk, welches die Cristenheit in Algerien seit der Eroberung aufgeführt hat; glauben Sie einem demüchig« Knechte Gottes, es wird auf Cie die Segnungen des Höchsten Herabrusen. In einigen Diahren, wenn mein« ehrwürdigen Brüder in Christo, welihe die Schulen dieser Stadt so hingebunsvoll leiten, ein Geschlecht nach ihrem Ebentlldr herangezogen haben werden, dann werden Sie von dieser heiligen Stätte junge begeisterte Leviten ausziehen sehen, welche Algerien mit ihr« schwarzen Lalaren, dem Sinnbild« christlicher Tugend und christlichen Trostes, bedecken werden. Dies« Gnade flehe ich mit meinem apostolischen Segen auf Sie herab!" Vermischte und neueste Rachrichten. Leipzig. Der Ausschuß des Gemeindebundes hat beschlosten, die eingesorderten Gutachten über die jüdische, Schulftage als Brochüre drucken zu last« und an di« Gemeinden zt> versenden. 4 November. Heute fand die Justolltrung des Hrn. vr. Kroner in sein Amt «ls Weimarischer Landrabbiner durch den Regierungscommiflar, Geh. Zustizrath Bollert, statt. In Pegeuosurg wurde Montag den 7. Ort. ein christlicher Geistlicher beerdigt, besten Leichen begingnktz so sehr beachtrnswerthe Momeate tot. Es war der edle Cauonikus Gemäuer, desten sterblich« Hülle von einer unübersehbaren Menschenmenge aus alle» Ständen und Eonfesstone» zur Erde geleitet wurde. Vielleicht noch nie hat sich ein großarttgeres, ergreifenderes Leichenbegängniß durch die Straßen bei Stadt bewegt. Unmittelbar dem Leichenwagen folgten der Fabrikant Rehbach als Vertreter der protestantischen und der Kaufmann Eismann als Vertteter der israelitischen Gemeinde jeder mit einem Lorberkranz in der Hand. Diese Kränz« wurde» von dem beide» Herren unter einigen ttefgefühltm WoeM i* da» Grab gesenkt. Gemäuer war ein echter Priester, human freisinnig, ein Edler im vollsten Sinne de» Wortes, von den ultramontanen Blättern Rrgmsburgs — diesem Hauptheerde des Jesuittsmus — wurde selbstverständlich dieses Leichenbegingniß arg angegriffen, sie spieen Gift und Galle darüber aus, daß „Protestanteil und Juden" an einem katholisch« Grab« stand«, ja, daß fit sich sogar erfrechten, t» das Grab eines Katholisch-Geweiht« ketzerische Lorbeerkränze zu leg«; sie behaupten, daß die protrstanttsch« und jüdischen Locberkrtng« mtweih«. (I. v. Z.) Mt«. Am 1«. Nov. findet die Einweihung des Blindeninstituts, das auf Anregung des vr. L. A. Frankel «tstanden ist, statt. Bald darauf wird auch di« Einweihung des Rothschild'sch« Spitals erfolgen. Azernowitz, 22. Oktober. Der Conflict in der hiesig« Iudeogemeind«, welcher bereits, brd«kliche Dem«stonm angenommen hatte, ist durch den jüngsten Erlaß de« Cultusministers momentan dadurch beigelegt ward«, daß derselbe nicht blos die Ausscheidung der sogenannten.orthodox« Partei annulirte, sondern sogar di« behördlich genehmigt« Statut«, sowie die Bertretungskörprr (Cultusräthe) beider bisher be- -standenm EultuSgemetnd« sistirt« und die N«wahl eines Vorstandes für eine einzige israelitiföj« Cultusgemeinde anordnete. Den Uebergang der- Fuucttonen und Agenden der beiden bisher hier lestandeu« EaltuSgrmeiad« an di« dem« nächsttg« Repräsent rnz der Grfmmntgeinrinde hat eine vom hiesig« Stvdtmagisrate bereirS designii-te Commission zu vermitteln. H^ark». Ob.- Rabb. Tr«el, Diret^or deifr. Seminars, ist zum Officier de.- Akademie ernannt worden. — Bei dem.'Ichiffbruch der Metis hat ein Israelit aus / Paris, Ulmann, mit groß« Math« vier Paffagiere, worunter «^Israelit, Namcns Kalotz aus W.lna gerettet. Letzterer flft d« Retter in öffentlichen Blättern, da er ihn in keiner aMtrn Weise seine lrrkenntlichkrit auödrückm könne. (Arch.-Isr./ ) Mesoat- Des ifr. Consistorium ist hierher verlegt, der Rabbiner Lewy is von Colmar hierher übergestedelt. Alsbald ist derselbe durch Ministerial - Bei fügung vom 5. Sept. zum Mitglied« des DepartememtS-Raibs für den öffentlich« Unterricht ernannt woibm. (Man kann dm ftanzöfischen Juden manche» Prrallelm ziehen nicht verarg«.) Für de» Gottesdienst an d<n Herbstfeieriagrn hat der Stadtrath der bisher ganz winzig gewesen, erst jetzt durch Zuzug wachsenden israe.'. Gemeind« d,» Theater zur Verfügung gestellt 8. Mkockawcü, 29. Oktober. (Rußlaod) Auch iu hiesiger Gemeinde sind fett kurzer Zeit in Bezug auf den Gottesdimst von «fetten des Synagog«Vorstandes einige Reform« vorgenoma« worden. Die Licttation der Mach unter ander«, welche so störmd und herabwüvdtgeud auf den Gottesdienst «inwirkte, ist fett Neujahr beseittgt, ohne bet dm Gemetttdemitzlikdera auf Widerspruch geitoßm zu sein, was viel heiß« will, da ter größte Theil be: hiesig« jüdisch« Bevölkerung sich aui der von der Enllur »och nicht zu stark beleckt«» Umgeg«!« rckrutirt, welch« nicht so leicht für Anstands- Reform« zugänglich find, von dem neugewähltm Vorstande wäre vorläufig mich zu wünsch«, dkß er mtt mehr Energie auf Ruhe während des Gotlesdimstes halte und Störung» ohne Rücksicht« lustraft; bis dahin find noch alle Brmühun» gm und Verbot« an der Macht der übl« Gewohnhett gescheitert. Bei deir Chasstdim ging oi dies« Simchat Torah wi^er sehr bunt her; fi« krönt« das Fest »tt einer grandios« Schlägerei, was übrigens bei ihn« schon zum sanettonirtm Minhag gehört. Kaigoo» (Hauptstadt des fräizös. Cochiu-China) M. Marx, Kaufmann ist zum Mitglied des Stadtrathes erwählt word«. (Arch. Isr.)