Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang No. 45
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I± 45. - 1872. 2««s4Rftyf» 3. Jahrgang WochenMyrift für die reUgiSseu u«d sociale» Julereffm des AedeuWms. Erfchrini mttart). Pu» visüstshrlich 30 eiIkrgroi<|ßi. S€tcn«*<t(U)«T Rabbiner Dr. JL und Herausgeber in Gtettrr. DrU, tzrUfpaNigr PetitM »der der«, Raum S Cgt. Magdeburg, 6. November 1872. Zu irzirhen durch »II« Buchtzandle agen und PoKanftalrea. 3afmlni»iM|w kl Ml Hos-Vuchdrr ckrret o*n Carl Fries« in StagMiog. Inhalt. Lette»-« Artttelr Stach den Feiertagen. — SM »»- Olerespendenze»r Deutschland- Stettin. Magdeburg Ocnrifdttc «»d Nrseft« Raehrtchtenr verlin. HÄberst-,dt. Uusichtdare Fesseln. Original,?;ovelle an» dem jüdisch.amrrvanischen unserer Zeit «n!> die NMance Jsraelitö Unioersell«. — Bertebte Skawiq. — Oest lrreich: Dien. — Siuminien: Jassy fl). — gen. «arlsdad. t "oppau. Pari», vrüfiel (4). — sfenillelnu r »on I. St. Sichlnierg in Sie»-York. (Fortsetzung). — Insrentr. Rach dr» ^eirriaze». Die Feste haben ihre» Kreislauf vollendet. „Die heilige Zeit" hat sicherlich wird« an und in allen den weitzersti-eut« Gemeinden Zsrsel» ihre Kraft bewährt. Wieder haben am Neujah? und am Bersöhnungstage die Gotteshäuser sich gefüllt und an vielen Orten nicht ausg erricht; wieder hat an de» Börsen, auf Straße« und Märkten der Einfluß der „jüdischen hohen Feiertage" sich bemerklich gemacht; wieder sind zahlreich« Geschästslocale, die sonst Lag für Lag dem Nrkrtzoi »K» — Mrimal Deich um^em^nfaP^— z u Eyr» des! bath Zleschubah, oder gar schon am Freitag Abend wieder geöffnet zu werden. Tausend«, ja Zehntausend«, die sich sonst der Goneiud«, dem Gottesdienste und dem Gotteshause fernhalten , haben wieder den Weg zu letzterem gefunden, fmben wieder einmal das alt« oder auch ein moderuisirtes Gebetbuch hervorgeholt, haben bei altüberlieferter Sangeswetse Zugmderinuerungen aufgefrtscht; in einzelnen Momenten, bei gewissen, nach Wortlaut, Sinn und ihrem Eindrücke auf die Gemächer der vorigen Generation bekannten Grbetstellen, haben sie sich zu wahrer Andacht, zu heiligem Ergriffensein gesammelt; sie find sich bewußt worden, daß sie noch dem Zudmthum «mgehöre», mft einer Faser ihres geistigen Seins in ihm wurzeln und aus seinem Bode» Nahrung für Herz und Seele zi-chen. Wie Jemand, der in der Kindheit aus seine» Baterlande fort t» «in Land fremder Zunge gezogen ist, in Gefahr steht, sei«, Muttersprache gänzlich zu verlernen, wie sie chm aber, rvmn auch nicht geläufig, doch »och verständlich bleiben wird, wen» er alljährUch an drei, an zwei, ja an einem Tage wieder «ft den ehemaligen Landsleuten verkehr» und sich in der angestomm. ten Sprache unterhalte» und üben würde, so ist das Zudenthum dem. nicht ganz verlöre», der noch Rosch haschana »nd Zomkippur,chält" — ja «mH nur theilweise hilft — esziebt ja der Abstuftinge» so un»blich viele. So bietet denn das, was wir in der geschildert» llSetse alljährUch an dm heilig» Tag» sehm, von all» Ort» dies» sei« und jenseits des Oeeans lese» und hör», immerhin Erst» liches und WohtthittzndeS. Rur ein wilder, widerwärtiger Fanatismus könnte wünsch», daß diejrnigm, welche nur am ujahr und Bersi hnungstage oder nur an letzterem „bei Gotte Israels ihre Visitenkarte abzeb»," (so lange sie ht Andere in ihrer Andacht stör»), lieber auch daS unterf» möchten. Di, neuerdings geprägte Bezeichnung „Zompur-Zuden" ist b, gründet und .«echiigt, aber daS Zudenwarnt eindring ich, daß wir Niemand „mit beidm Händen oßm," Niemandem zurufm sollen: „geh', dime fremd» ktern;" es lehrt mit unendlicher Milde, daß die Pfortm Umkehr für Nie »and und niemals verschloffm find, daß de« Nah», und dem. Fern» Fried» entbietet. . wettwirkend, seine Kraft, fein» Einfluß auf die Gemüts in ihm Geboren» und Erzog»», daS ist das Wohlthuende und Erhebende, von dem wir red»; di« Kehrseite übersehen wir jedoch darum n cht, zu dem Erfreulich» gesellt sich viel Trübes nnd Unerqu ckliches. Es braucht gar nicht gesagt zu werd», daß dies „<8nmal-im-Zahr«-Frommsein" weder der Vernunft noch dem Iudmthum mtspricht, daS werd» selbst diejenig», welche v> so thun und treib», nicht in Abrede stell», wenn sie der Wahrheit und thron eigmm Wifi» und Gewiffm dir Ehre;eb» wollm; aber es ist auch nur bet einem Theile dieser leute Religiosität, löbliche Pietät,, das Bedürfniß, Gott» sein« Verehrung und seinem Gebote einmal wich« näher zu tretin. Bei Anderen Pit es Gewohnheit, die mft Frömmigkeit nur noch eine sehr flüchtige, kaum merkbare Famift»ähnlichkttt zeigt; bei wieder Anderen ist es nicht Glaub«, sondem Ab«glaub«; sie «oll» es nicht ganz mft der Religion verderbm, sie fürchlen für Lch», Gesundheft, Bermögm und w« weiß waS fonf noch Rachtheil, fit wollen sich in eine Affecuranz für diese Güter einkaufm, ind em sie Rosch haschana und Zomkippur halten» fasten, bet». Es ist da nichts von Gottesfurcht, sondern heidnische, armselig,: Angst, vnttr dies» Leut» trifft man d«m auch diejmigm, die, w»n sie an jmm höchst» Feiertag» die Synagoge besuch», alles strengsten« nach dem alt» Ritui! Hab» und am lftbst» in einem Ehassidimftübel bet» mäht», da fie darar, zweifeln, daß das Bet» in ein« Synagoge, welche dir unschuldigst» Reform» zugeldffm hat, eine elenso kräftige Panac« sein werde. (W»n dageg» Andere behaupt», daß fie sich >«i dem den Zug«d-