Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang No 44
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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>67 Richter: Sie werden jetzt schweigen und diesen Herrir sprechen lassen. Isidor M.: Ich leugne d nicht. ' Abraham 0!: Ich Hab' doch gesagt, er kann nix laugnen. Achter: Sir sollen fich ruhig verhaVe». — Adorham L: Sie sehen doch, er leugnet nix. illichter.: WrutI Sie nicht ruhig bleiben, muh ich sie abtretru laste». — Abraham Ich bin doch nicht der Verbrecher. illichter: Ich fordere Sie zum letztenmal« auf, zu schweigen. — Abraham L.: Wenn Eure Gnaden sind so streng, wird der Abraham still sein. illichter (zum Geklagten): WeShali haben Sie dem i>errn ein« Ohrfeige gegeben? — Isidor M.: Er hat mich auf Schrill und Tritt verfolgt und mich öffentlich compromittirt, ich wußte mich nicht ander« von ihm zu befreien. Illichter s^um Kläger): Ist da« so richtig? — Abraham £.: Wie heißt richtig? Ich Hab' verlangt mein Geld, der Herr hat gesagt, er kennt mich nir; Hab' ich ihm nix ausgelassen, weil er mich muß kennen und bezahlen baare löOOff. Isidor M.: Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen kommen, wenn ich zu Hause bin. — Abraham L.: Äann ist aber der Herr zu Hause? lllichter: .Der Geklagt« hat eingestanden, Ihnen eine Ohrfeige gegeben zu habe»; er wird ihnen Abbitte leisten, »ollen Sie tan» vo» der Klag« abstehen? — Abraham L.: Nein, er soll mir machen einen Vergleich wegen di« 1000 fl. ifi war ein Ausgleich in dieser Weise nicht miiglich, und der Richter erkannte: Isidor M. ist schuldig der Ehrenbeleidigung und wird verurtheD, 20 fl. in den städ Ischen XrmcafondS als Straft zu erlegen. Abraham L.: Eu Gnodeo, wo bin ich» »öS krieg ich? .— Richter: Sie müssen fich mit Ihren Ansprüchen an da« eompetente Gericht wendea. Abraham L. bleibt eine Weile verdutzt stehen, und nachdem sich Alles «ntferut hatte, geht er auch und brumnu vor. sich hin: »Hast de gesehen, haßt mir a Gerechtigkeit. Ich krieg' a Patsch, dafür kriegen di« Stadtarmen 20 fl." Anstchtbarr Fesseln. Original - Novell« «uw de« jüdisch - amerikanischen Leben von 2ft- Lichtenderg in New-Kort. (Fortsetzung.) „Nu, Nul darüber braucht man doch nicht so zu heulen Und zu schluchzen, tch Hab« Ihnen ja nichts gethan, ich wollte Ihnen ja blos in der Ordnung sagen, daß ich »icht Schuld an Ihrem Unglücke bin." Und die alle beweglich« Frau, fing selbst au, vrrdüchttg mit der Unterlippe zu zittern, um ihr« Thränen zurückzuhallen, und aus Bertha zueileud, riß sie ihr ziemlich unsanft die Hände vom Gesichte, uud schluchzend küßte sie die Thräneu au« den Augen de« schönen Mädchen«, strich ihr hastig die in da« Antlitz gefallmen Locken zurück und orrschwendetr di« närrischstm Liebkosungen an sie. „lgerzeih mir, mein Gold," sagte sie schmeichelnd, „verzeih' mir, mell: Engel, meine Schönheit,, d war nicht so bö« gemeint." und da« herrische „Sie," daS velah immer anwondte, wenn sie böse wurhe, verwandelte fich wieder in daS traulich« „Du." Bertha erhob da« Gesicht und Belah sanft »ou sich drängend, sagte fie: „SBcnn du nur nicht immer so ausbrausmd wärest, könnte ich dich lieben wie «ein« eigene selig« Mutter, die ich leider nicht gekannt habe." „Ich bin auch so gut wie deine Dtutter, denn ich sich« dich erstlich wie «i« solch«, und fern» habe ich deinen Vater von Deutschland gekinnt, wo er noch sxrschle Hirschheid geheißen hat. Al« er von der South (Süden) zurückkam und Henry Deermoore hiß, da bin ich zu ihm in Dimst gegangen. Ich glaub« heute noch," sagt» sie gliichsam in Parenthese, ,^aß sein heutige» Unglück davon kommt, well er seinen fr««, »m jüdischm Name« gegm ein« mgltschen vertauschte. E« wohnen noch «ehr in der Straß«, di« «tch au« ihrem Herschl« einen Hmry gemacht hadm, denm wiid's auch noch danach gehm." „Sieh', nun srrichst du wieder Unsinn," sagte Bertha durch Thrünen lächelnd, „und eben durch dein abergläubisch«« Geplauder hat der c.rme Vater sich in t«n Kopf gesetzt, er sei krank, und da du il m noch außerdem angerathen, Niemandem zu sagen, daß ihm ein Frosch in den Leib gehext sei, ist d mir zur Unmöglichkeit geworden, einen Arzt zu Rathe zu ziehm, oder nur einen verrünfi'gen Menschen zu ihm zu bringen." „Aber liebe« Lind! ich kann ja nicht« dafür, daß bei» Vater sich die ganze Woche nicht sehen läßt, außer am Sonnabend, wo der Zauber ruht. Al» er, eS sind ungefähr zwei Jahre, die alle Frau, die kein« Mielhe zahlen wollte, herau»- setzen ließ, sagte ich nur zu ihm; Mr. Deermoore, da« hätte ich nicht gethan, die alte Frau ist eine Hexe, und man hat Beispiele von Exem,«i'n, daß einem von so einer etwa« angefhan worden ist. tzln paar Tage nachher hat dein Vater ein Kollern und Klopfen im Leibe gespürt, und ich erzählte ihm ganz unschuldig ein» Geschichte von Deutschland, wo ein Iüngelchen einen Frosch in den Leib gehex! bekomme» hat. Der hatte dasielbe Gefühl wie dein Vater gehabt, und da sagte er: Dann soll sich Gott erbarmen, dann hat e ich auch einen Frosch, Und richtig er hatte einen. Daß ich ihm gerathgn, zzicht« davon zu sagen, kann man mir nur danken, denn die Schadenfreude ist sehr groß und versteckt sich gar oft unter dem Rachmonu«." (Mttleid.) „Doch weil ick da schwatze, versätme ich daS Backhaus und meine Kugel v>ird morgen roh sein, und am Ende kommt heule Onkel uud Tante noch von Deutschland, da sie schon 6 Wochen auf Ser sind, und da hätten wir nichts zu essen;" und in der Angst vor dieser gräßlichen Möglichkeit, schlug Belah die Hände über den Kopf zusammen, und bereitete sich eilig zum Fortgehen vor. Auf die Straße gelangt, lief fie, ist der Angst ihre Kuj,el nicht mehr zur rechten Zell in den Hafen de« Backhauses rinlaufen lasten zu können, mit solcher Hast, daß sie erst nach 10 bi» 1b Schrüten inne ward» daß einer ihrer Pantoffeln, k« ewigen Trrtens müde, sich von ihren Füßen entfernt, urd auf einem Haufen Kehricht einen Ruheplatz für sein Allegesucht halte. Mit einem Salto wortalo schlüpfte Belah, o'»er vielmehr ihr F»lß wieder in den Panwffel und eilte de» nächsten Backhaus,: zu. Ein Glück, daß fie nicht sah, waii wir «tat sehen, v elleicht wäre di« Kugel ihre» Händen entschlüpft.- ^Fortsetzung folgt.) tSinarsaudt). N»ch «in QnlcrftM» »wischen ,e<Mrfnnj* m» .Gründung': Li, 94/mm ist WU&küUt, fim (ÜTiiataag t# «erfttzipstich. _ - H«f»4« «««,§. 111 * ' In Skr. 43 L>. 344 Sh». 2 Z. ü. Die Wort« über die Juden und A. 1da« Wort vermehrt gehören in di« vorhergehend« Zelle.